08.05.2008 16:19
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HINTERGRUND: BMW-Chef Reithofer predigt Umdenken in schwierigen Zeiten

        MÜNCHEN (dpa-AFX) - In den vergangenen Monaten mussten die Mitarbeiter des erfolgsverwöhnten Autobauers BMW  einige Tiefschläge verkraften. Der Absatz stimmt zwar nach wie vor, bei der Rendite aber hinkt BMW hinter den Konkurrenten Mercedes und Audi   her. Steigende Rohstoffkosten und der schwache US-Dollar setzen den Münchnern schwer zu. BMW-Chef Norbert Reithofer zog daher vergangenes Jahr die Notbremse und legte ein milliardenschweres Sparprogramm auf, in dessen Zuge mehr als 8.000 Stellen wegfallen sollen. Doch mit Kosteneinsparungen allein, das machte Reithofer am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Unternehmens in München klar, ist es nicht mehr getan.

    Trotz vielen Lobes für die Mitarbeiter und der Ankündigung einer Erfolgsbeteiligung in Höhe von durchschnittlich 5.600 Euro für das vergangene Jahr richtete der BMW-Chef deutliche Worte an die Belegschaft. In seiner Rede mahnte er ein Umdenken an. "Ein "Weiter-so-wie-bisher" kann es nicht geben. Wenn sich die Welt um uns herum verändert, müssen auch wir uns verändern." BMW müsse auf die steigenden Umweltanforderungen weltweit reagieren und sich langfristig der Entwicklung passender Fahrzeugkonzepte für die einzelne Märkte und letztlich emissionsfreier Autos widmen.

MANGELHAFTE UNTERNEHMENSKULTUR

    Die mahnenden Worte des Vorstandschefs kamen nicht von ungefähr. Aktionärsvertreter würdigten zwar den zuletzt eingeschlagenen Weg, kritisierten aber Defizite in der Unternehmenskultur. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte, ein guter Teil der Belegschaft verkenne immer noch die Dimension der aktuellen Probleme nach dem Motto "Uns geht es gut, mehr braucht es nicht." Reithofer und seine Vorstandskollegen hätten dies erkannt und versuchten nun gegenzusteuern. "Die sind wirklich aufgewacht."

    Deutlicher wurde Tim Albrecht, Fondsmanager bei der Deutsche Bank- Tochter DWS. Er warf BMW ein "hohes Maß an Selbstzufriedenheit und Trägheit" vor. Die Ingenieure hätten in ihrer "Technikverliebheit" oft am Markt vorbeientwickelt. Hinzu gekommen seien eine missglückte Absicherung gegen Währungsschwankungen und "eine Absatzpolitik, die auf Masse statt auf Klasse setzt". Der Bund für Umwelt und Naturschutz würdigte immerhin die bisherigen Bemühungen von BMW um den Bau spritsparender Autos, mahnte aber weitere Verbesserungen an.

UMBRUCHPHASE

    Für wie groß er die notwendigen Umwälzungen im Konzern hält, machte Reithofer durch einen Vergleich klar. "Aus schwierigen Phasen des Umbruchs haben wir Stärke gewonnen. Der Verkauf von Rover im Jahr 2000 war so ein Umbruch. Auch die Herausforderungen von heute werden uns nach vorne bringen." Das Debakel um die Übernahme von Rover hatte BMW 1999 einen Fehlbetrag von 2,5 Milliarden Euro in der Bilanz beschert. Die Münchner verkauften daraufhin Land Rover und MG Rover. Die Marken Rolls-Royce und Mini blieben bei den Münchnern. Mini ist heute einer der wichtigsten Absatzträger.

    Der BMW-Chef signalisierte Verständnis für Unmut und Bedenken im Konzern über den harten Sparkurs angesichts eines Gewinns von mehr als drei Milliarden Euro im vergangenen Jahr. "Umbruchphasen - dessen sind wir uns bewusst und das spüren wir auch - sind mit Unsicherheiten und auch mit Ängsten verbunden." Eine Strategie umzusetzen, sei aber "ein tiefgreifender Prozess, der sich durch alle Unternehmensteile zieht - bis in die kleinste Abteilung"./mf/DP/edh

- Von Michael Friedrich, dpa -

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