Infineon Technologies Aktie [WKN: 936207 / ISIN: US45662N1037]

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16.05.2008 13:12
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HINTERGRUND: Bei Infineon rumort es - Intrigen in der Führungsetage

        MÜNCHEN (dpa-AFX) - Beim Halbleiterhersteller Infineon  rumort es gewaltig. Der Konzern bietet zwar unbestritten gute Produkte an - Infineon-Chips stecken im iPhone von Apple   ebenso wie im 7-er BMW . Von guten Zahlen ist die einstige Siemens-Tochter  aber weit entfernt. Quartal um Quartal schreibt Infineon hohe Verluste und verliert Umsatz. In der Führungsetage tobt daher ein Machtkampf um den Kurs des Unternehmens. Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley sägt Medienberichten zufolge am Stuhl von Vorstandschef Wolfgang Ziebart. Angeblich soll der bereits Ende des Monats gehen.

    Offiziell herrscht zwar traute Eintracht in Vorstand und Aufsichtsrat, doch mit gezielten Indiskretionen haben Manager und Kontrolleure in den vergangenen Tagen den Zwist nach Außen getragen und geschürt. Erste Stimmen fordern daher schon, beide - Ziebart und Kley - sollen gehen. Der Großteil des Aufsichtsrats habe das Vertrauen in sie verloren, hieß es in einem Medienbericht Von Infineon selbst gibt es dazu keinen Kommentar.

'KINDERGARTEN'

    Im Unternehmen regt sich zunehmend Unmut. "Dass die ihren Kram immer in der Öffentlichkeit austragen müssen, geht einem auf die Nerven", sagt ein Kenner des Konzerns und vergleicht die Lage im Aufsichtsrat verärgert mit einem "Kindergarten". Die gegenwärtige Krise habe viel mit mangelnder Führungsqualität zu tun. "Man beschäftigt sich ein wenig zu viel mit sich selbst und zu wenig mit dem Markt. Ganz objektiv ist der Laden schlecht geführt. Das Elend hat aber nicht nur einen Namen."

    Infineon steckt unbestritten in einer tiefen Krise. Der Konzern leidet massiv unter der Speicherchip-Tochter Qimonda  , die seit einem Jahr gezwungen ist, ihre Ware zu Schleuderpreisen auf den Markt zu werfen. Alleine von Januar bis März machte Infineon so unterm Strich 1,37 Milliarden Euro Verlust. Auch im Kerngeschäft mit Steuerungschips für Auto und Industrie sowie für die Telekommunikationstechnik läuft es bei den Münchenern unrund. Speziell die Handychips schaffen es entgegen allen Planungen nicht aus den roten Zahlen.

SUCHE NACH DEM SCHULDIGEN

    Inwiefern Konzernchef Ziebart oder Aufsichtsratschef Kley Schuld an der Misere tragen, ist unter Branchenbeobachtern umstritten. "Bei den Handy-Chips hat Infineon ja vor allem Probleme, weil mit BenQ Mobile der Hauptkunde insolvent gegangen ist", sagt Merck-Finck-Analyst Theo Kitz. Das Management habe auf die Situation sogar "ganz ordentlich reagiert" und im Laufe der vergangenen zwei Jahre alle namhaften Mobiltelefon-Hersteller als Kunden gewonnen. Bleibt der große Problemfall Qimonda: Infineon hält noch immer 77,5 Prozent an der Speicherchip-Tochter und wird die Beteiligung höchstwahrscheinlich nur mit Verlusten los, stehen die Anteile doch zu merklich höheren Werten in den Büchern als derzeit an der Börse geboten werden. "Qimonda ist nicht zu verkaufen gewesen", nimmt ein Analyst das Management in Schutz. Ein anderer widerspricht: "Kurz nach dem Börsengang hätte man noch einen ordentlichen Preis erzielt."

    Vielen Börsianern ist mittlerweile recht egal, wer für das Dilemma verantwortlich ist. Sie wollen Taten sehen. Wohl aus diesem Wunsch heraus kocht im Moment die Gerüchteküche. Aufsichtsratschef Kley lote bereits eine Fusion mit dem niederländischen Wettbewerber NXP aus, schrieb die "Financial Times Deutschland". Analysten halten dies aber für unwahrscheinlich, da es zu wenige Berührungspunkte gibt. Dann meldete sich der Chef des russischen Mischkonzern Sistema im "Handelsblatt" zu Wort, Alexander Gontscharuk: "Für uns ist Infineon ein sehr interessantes Ziel - vor allem der Bereich Forschung und Entwicklung." Im gleichen Atemzug erklärte er das Unterfangen aber für praktisch undurchführbar: Es gebe politische Hindernisse, der Konzern sei "ein Flaggschiff der deutschen Industrie".

'ZIEBART IST WEG'

    Die gebeutelten Infineon-Aktionäre werden sich also weiter gedulden müssen. Vielleicht kommt die Richtungsentscheidung aber auch früher als gedacht. Laut "Börsen-Zeitung" (Freitag) soll es bereits in der Aufsichtsratssitzung am 31. Mai zum Showdown kommen. Dann soll Ziebarts bis September 2009 laufender Vertrag nach weniger als vier Jahren vorzeitig beendet werden. Ein Analyst ist sich sicher: "Ziebart ist weg."/mf/das/zb     --- Von Daniel Schnettler, dpa-AFX und Michael Friedrich, dpa ---

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