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HINTERGRUND: EPCOS geht mit TDK zusammen - Aktionäre hoffen auf sicheren Hafen
Auf rund 3,5 Milliarden Euro Umsatz soll es das zusammengeschlossene Unternehmen künftig bringen, damit würde es fast auf Augenhöhe mit der derzeitigen Nummer eins der Branche spielen, dem japanischen Murata-Konzern. Das weltweite Marktvolumen für elektronische Bauelemente, die in zahlreichen Geräten, aber auch in Automobilen und Maschinen zum Einsatz kommen, wird auf rund 30 Milliarden Euro geschätzt. Dabei spielt die Musik derzeit vor allem in Asien.
GRÖSSE ENTSCHEIDEND
Auch EPCOS-Chef Gerhard Pegam betonte am Donnerstag, dass Größe in diesem Geschäft entscheidend sei. "Das ist ein Massenmarkt", sagte der Manager bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Gemeinsam mit dem neuen Partner könne EPCOS Herausforderungen wie die erwartete Abschwächung der Weltwirtschaft und die Dollar-Schwäche besser bewältigen. Vor allem in China und Japan wolle und müsse EPCOS seine Position ausbauen. "Das können wir nicht erreichen ohne einen Partner", ist Pegam überzeugt. Das Unternehmen handele dabei nicht aus einer Notsituation heraus, sondern unternehme einen "langfristigen strategischen Schritt", betonte der EPCOS-Chef.
Auch bei den Arbeitnehmervertretern, die den Trend zu immer weiteren Stellenverlagerungen bei EPCOS seit Jahren hinnehmen müssen, sorgen die Übernahmepläne für vorsichtigen Optimismus. Schon seit langem habe es Befürchtungen gegeben, dass EPCOS von einem Finanzinvestor übernommen und zerschlagen werden könnte, sagt Michael Leppek von der IG Metall, der auch im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt. Die Gefahr eines Arbeitsplatzabbaus wäre in diesem Fall deutlich größer gewesen, glaubt der Gewerkschafter.
GUTE ERGÄNZUNG
Mit TDK sei nun ein Partner gefunden worden, dessen Produkte und Aktivitäten sich mit denen von EPCOS ergänzten. TDK wolle zudem nach bisherigen Aussagen die Zentrale des Bauelemente-Unternehmens in München und die Produktionsstandorte erhalten. "Es besteht offensichtlich der Wille, das Geschäft gemeinsam voranzutreiben." Der Führung des Bauelemente-Spezialisten bescheinigte Leppek deshalb eine glückliche Hand bei der Partner-Wahl. "Es hört sich überhaupt nicht danach an, dass EPCOS das rettende Ufer sucht und sich denkt: Nach mir die Sintflut."
Von den weltweit rund 18.300 EPCOS-Beschäftigten arbeiten derzeit noch rund 1.900 in Deutschland. Auch bei ihnen warben Pegam und der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Ziegler am Donnerstag für die Übernahme durch TDK, die inklusive Schulden ein Gesamtvolumen von rund 1,4 Milliarden Euro hat. "Sie, unsere Mitarbeiter, sowie unsere Kunden und Aktionäre werden davon profitieren", hieß es in einem Brief an die Beschäftigten. "EPCOS wird mit dem strategisch orientierten und finanzstarken Partner TDK spürbar an Bedeutung gewinnen und sich eine ausgesprochen solide Basis für künftigen Erfolg schaffen."
BESSER ALS INFINEON
Nach Einschätzung von Aktionärsschützerin Bergdolt schlägt sich der frühere Siemens-Ableger mit der angestrebten Lösung auch deutlich besser als der Chipkonzern Infineon , der einst ebenfalls aus dem Elektrokonzern hervorgegangen war. Infineon kämpft seit langem mit massiven Verlusten seiner Speicherchip-Tochter Qimonda , von der sich der Konzern so schnell wie möglich trennen will. Hinzu kamen Probleme im Mobilfunkgeschäft durch die Pleite der früheren Siemens-Handy-Sparte BenQ. Die Schwierigkeiten hatten den früheren Infineon-Chef Wolfgang Ziebart vor wenigen Wochen den Job gekostet. Im Vergleich dazu könnte die EPCOS-Führung gut dastehen, wenn die Partnerschaft mit TDK zum Erfolg werden sollte, glaubt Bergdolt. "Dann hätten sie einen super Job gemacht."/cs/DP/edh
--- Von Christine Schultze, dpa ---
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