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HINTERGRUND: Finanzkrise beutelt Deutsche Bank - Erster Verlust seit Jahren
"Die Krise hat die Deutsche Bank stärker erwischt, als viele - auch Herr Ackermann - noch vor einem Vierteljahr glauben wollten", sagt der Finanzwissenschaftler Dirk Schiereck. Branchenkenner sind überzeugt, dass die Kaufabsichten im Privatkundengeschäft auch von der Krise genährt sind: "Jetzt sieht die Deutsche Bank Chancen zu größeren Zukäufen, aber auch eine größere Notwendigkeit, weil das Investmentbanking nicht so läuft", sagt Analyst Konrad Becker von der Privatbank Merck Finck. Noch vor eineinhalb Jahren hatte Ackermann zum Thema Postbank verlauten lassen, er sei an einer Übernahme des Bonner Konzerns nicht interessiert, da dies keinen Mehrwert für die Aktionäre der Deutschen Bank brächte. Das hat sich geändert: Ohne das Privatkundengeschäft sähe es für die Deutsche Bank düsterer aus.
Noch bei der Vorlage der Bilanz für das Krisenjahr 2007 am 7. Februar dieses Jahres hatte Ackermann gesagt: "Insgesamt wurde die Deutsche Bank von der Subprime-Krise und ihren Auswirkungen weitaus weniger getroffen als viele unserer internationalen Wettbewerber." Wiederholt hatte er zuvor bekräftigt, was er schon im August 2007 erklärte, als die Krise am Markt für zweitklassige US- Hypothekenkredite (subprime) allmählich nach Europa schwappte: "Unser Geschäftsmodell mit einem strikten Risikomanagement und unabhängigen Kontrollprozessen ist darauf ausgerichtet, auch unter solchen Bedingungen erfolgreich zu sein." Ende Oktober versicherte der Schweizer in Frankfurt: "Wegen der Subprime-Krise hatte ich keine schlaflosen Nächte. Ich stand im August mehrmals im Urlaub im Schwimmbad und habe mit dem Handy in alle Welt telefoniert."
Nun wirft der erste Nettoverlust der Deutschen Bank seit dem 1. Quartal 2003 den Krisenmanager Ackermann, der zwischenzeitlich Kollegen in anderen Häusern Fehler bei der Risikoeinschätzung vorwarf und der Branche mehr Transparenz verordnen wollte, zurück. Auch der Verkauf von Tafelsilber in Form von Aktienpaketen an Daimler, Linde und Allianz sowie das Eindämmen der Boni für die Investmentbanker konnten die roten Zahlen nicht mehr verhindern.
Allerdings halten selbst ansonsten kritische Aktionärsschützer der Deutschen Bank zugute, sie habe im Vergleich zu internationalen Konkurrenten wie etwa der Schweizer UBS, die Krise bislang besser gemeistert. "Die Verluste sind noch deutlich geringer als bei allen anderen, die ein großes Rad gedreht haben", sagt der Vorstandsvorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Klaus Schneider. Anders als die UBS braucht die Deutsche Bank bisher keine Kapitalerhöhung, anders als die Citigroup streicht sie nicht tausende Stellen. Die Krise brachte auch viele der deutschen Landesbanken ins Schlingern. Die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB konnte nur dank Milliardenspritzen vor der Pleite bewahrt werden.
Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) meint, man müsse "generell allen Banken den Vorwurf machen, dass sie Geschäfte gemacht haben, die sie nicht verstanden": "Die haben sich alle von diesem Virus anstecken lassen. Und auch wenn ich nur einen Schnupfen statt einer Lungenentzündung habe: Krank bin ich trotzdem."/jb/sb/DP/wiz
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