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HINTERGRUND: Finanzkrise und Fusionsfantasie - Führungswechsel bei Commerzbank
"Es hat sich ein Zeitfenster geöffnet, in dem die Möglichkeit besteht, durch Zukäufe in Deutschland zu wachsen", sagte Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bei der Hauptversammlung am Donnerstag in Frankfurt. Die Finanzkrise hatte die Debatte über Fusionen angeheizt: Postbank , Dresdner Bank und Citibank gelten als Übernahmekandidaten. Der scheidende Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller schrieb seinem Nachfolger ins Stammbuch: Die einstige Übernahmekandidatin Commerzbank müsse bei der Konsolidierung eine aktive Rolle spielen.
POSTBANK-KAUF WÄRE KRAFTAKT
Doch obwohl der DAX-Konzern mit milliardenschweren Kapitalmaßnahmen seine Kriegskasse kräftig aufstocken könnte, sind Experten skeptisch, dass die Frankfurter Großbank einen Kauf etwa der Postbank "wuppen" könnte - wie Müller solche Deals oft salopp umschrieb. "Ein Kauf der Postbank wäre ein immenser Kraftakt aus Finanzierungssicht", sagt UniCredit-Bankenanalyst Andreas Weese. Zudem wäre eine größere Bank mit mehr Privatkunden, die aus Commerzbank und Postbank entstehen würde, möglicherweise eher ein Übernahmeziel für ausländische Institute als der auch von Politikern geforderte zweite "nationale Champion" nach der Deutsche Bank .
In welcher Form auch immer es die Commerzbank künftig geben wird: Müller wird sie auch nach seinen sieben Jahren als Vorstandschef mitprägen und ein kritisches Auge auf die Arbeit seines Nachfolgers werfen. Dass Müller nach dem Willen des Aufsichtsrates künftig das Kontrollgremium führen soll, stört Aktionärsschützer Heise nicht: "Die Bank kann einen Mann mit solcher Erfahrung auch weiterhin gut brauchen." Der Banker sei eine "Wunderwaffe", lobte Heise bei der Hauptversammlung: "Müller hat aus der Übernahmekandidatin eine Bank gemacht, die bei der Konsolidierung mitspricht." Auch in der aktuellen Finanzkrise habe sich das Institut "wacker geschlagen".
MÜLLER AN AR-SPITZE
Der Wechsel von Vorstandschefs deutscher Konzerne an die Spitze des Kontrollgremiums ist Usus. Nach Angaben der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) übernehmen bei den 30 DAX-Unternehmen in mehr als zwei Dritteln der Fälle die Vorstandschefs nach ihrem Ausscheiden den Aufsichtsratsvorsitz - obwohl der freiwillige Verhaltenskatalog für Manager (Deutscher Corporate Governance Kodex) anderes empfiehlt: "Der Wechsel des bisherigen Vorstandsvorsitzenden oder eines Vorstandsmitglieds in den Aufsichtsratsvorsitz oder den Vorsitz eines Aufsichtsratsausschusses soll nicht die Regel sein."
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte schon frühzeitig erklärt, er werde nach seinem Abtritt als Vorstandschef des größten deutschen Finanzinstituts nicht in den Aufsichtsrat der Bank wechseln. Müller selbst verteidigte seinen Schritt in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ/Donnerstag): Es werde "oft unterschätzt, wie viel Einsatz und Sachkenntnis" das Amt des Aufsichtsratschefs erfordere. "Die Banken sind besonders stark reguliert. Um das Amt sinnvoll ausüben zu können, wird deshalb im In- und Ausland immer wieder auf ehemalige Vorstandsvorsitzende zurückgegriffen", sagte Müller. Den Aktionären versicherte er, gemeinsam mit Martin Blessing werde er die Commerzbank auf Kurs halten./jb/sb/DP/edh
--- Von Jörn Bender, dpa und Kathrin Schulte-Bunert, dpa-AFX ---
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