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13.12.2007 07:45
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HINTERGRUND: Neuer Fusionsschub in der Rohstoffbranche - Kunden besorgt

        FRANKFURT (dpa-AFX) - Die weltweite Rohstoffbranche erhält einen neuen Fusionsschub: Der Plan des australisch-britischen Bergbaukonzerns BHP Billiton , seinen Wettbewerber Rio Tinto   zu schlucken, hat die Konkurrenz wachgerüttelt. Die Aussicht, künftig mit einem übermächtigen Riesen im Wert von etwa 350 Milliarden Dollar wetteifern zu müssen, löst in der Branche weitere Fusionsfantasien aus. Einer der Kandidaten: der etwa 75 Milliarden Dollar schwere Bergbaukonzern Xstrata   , der offenbar bereits mit Kollegen aus den Top-Five mögliche Zusammenschlüsse auslotet. Auf Kundenseite mehren sich indessen die Befürchtungen, der Preisgestaltung der Minenkonzerne noch mehr als bisher ausgeliefert zu sein.

 

    Anfang November hatte BHP Billiton den spektakulären Vorstoß gewagt und sein Interesse am Konkurrenten Rio Tinto angemeldet. "Es handelt sich hier um eine neue Größenordnung", sagt Rohstoffanalyst Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). In der Historie der Übernahmen in der Branche wäre dies der bislang "größte Wurf". Der erste noch unverbindliche Preis - BHP will drei eigene Aktien für ein Rio-Tinto-Papier bieten - liegt bereits in dreistelliger Milliarden-Dollar-Höhe. Und auch die geplanten Einsparungen können sich sehen lassen: BHP veranschlagt nach einer Anlaufzeit von einigen Jahren Synergien von 3,7 Milliarden Dollar pro Jahr.

 

    "Die Synergien, die auf Anhieb zu erkennen sind, sind so ordentlich - das dürfte auch die Konkurrenz auf den Plan bringen", vermutet Schallenberger. Die Rohstoffkonzerne müssen handeln, da die Förderkosten in den letzten Jahren - etwa durch die hohen Energie- und Stahlpreise - stark gestiegen sind. Sollte die Fusion zwischen BHP und Rio Tinto stattfinden, erhöht sich der Druck auf die Konkurrenz, ihre Kosten herunterzuschrauben, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Experten sehen durch die bevorstehende Elefantenhochzeit eine ähnliche Initialzündung, wie sie die Stahlindustrie durch das Zusammengehen von Arcelor und Mittal erlebt hat. "Wenn diese Transaktion zwischen BHP und Rio Tinto klappt, werden wir in absehbarer Zeit weitere Zusammenschlüsse sehen", sagt Schallenberger.

 

    "Es kommt Bewegung in die Minenbranche", sagt auch Klaus Breil, Rohstoffexperte bei der cominvest. Und zwar nicht nur aus Kostengründen: Die Kartellbehörden werden seiner Ansicht nach verlangen, dass sich BHP und Rio Tinto für den Fall eines Zusammenschlusses von einigen Aktivitäten trennen. "Das weckt Begehrlichkeiten bei Interessenten. Da folgt noch einiges, was jetzt noch gar nicht abzusehen ist." Gespräche sind aber jetzt schon im Gange - der Minenkonzern Xstrata hat bestätigt, mit Wettbewerbern über eine mögliche Konsolidierung zu reden. Als Interessenten werden der brasilianische Eisenerz-Marktführer Vale und der britisch- südafrikanische Minenkonzern Anglo American    gehandelt. Dazu wollte sich Xstrata nicht äußern.

 

    Dass die Fusion von BHP Billiton und Rio Tinto zustande kommt, ist in den Augen von Breil höchst wahrscheinlich. "Allerdings nicht zu den jetzigen Konditionen." In der Branche gilt es als sicher, dass BHP sein Angebot erhöht. Bislang lehnt Rio Tinto die Offerte ab - sie haben bei der britischen Regulierungsbehörde aber eine Frist beantragt, bis zu der BHP ein offizielles Angebot vorlegen soll. "Wenn es klappt, wird uns der Prozess wahrscheinlich noch das ganze Jahr 2008 über begleiten", sagt LBBW-Experte Schallenberger.

 

    Auch die Kunden der Rohstoffkonzerne wie etwa die Stahlkonzerne dürften diesen Prozess ganz genau beobachten. Sie sehen sich mit explodierenden Rohstoffkosten konfrontiert und fürchten, dass BHP und Rio Tinto vereint die Preise diktieren könnten. Auch China als einer der Hauptkunden ist darüber besorgt: Jüngst warnte sogar Regierungssprecher Qin Gang vor dem Zusammenschluss. In der Presse wird bereits über ein Gegenangebot der Chinesen spekuliert. Auch cominvest-Experte Breil geht davon aus, dass künftig chinesische Investoren vermehrt Einstiegsgelegenheiten in der Rohstoffbranche suchen werden. "China fängt gerade erst an, eine Rolle zu spielen."/sb/wiz/

 

    ---Von Kathrin Schulte-Bunert, dpa-AFX---

 



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