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HINTERGRUND: Suez und GDF meistern Fusions-Hürdenlauf - 'Europa-Champion'
Villepin hatte mit der Fusion die Suez SA ursprünglich vor der Übernahme durch den italienischen Stromkonzern ENEL retten wollen, der sich deren belgische Atomkraftwerke einverleiben wollte. ENEL wurde erfolgreich abgewehrt. Das Fusionskonzept musste aber wegen Widerstands der Gewerkschaften und Bedenken der EU-Kommission sowie der unterschiedlichen Entwicklung der Aktienkurse beider Unternehmen mehrfach überarbeitet werden.
STARKE AUSLANDSEXPANSION
Am Ende hatte Nicolas Sarkozy das letzte Wort. Der Staatschef erzwang die Ausgliederung der Suez-Sparten Wasser und Müll, damit der Staatsanteil im vereinten Energiekonzern nicht zu verwässert wird. Sarkozy forderte "einen großen Gas- und Stromkonzern in der Dimension des europäischen Marktes" mit dem "Hauptaktionär Staat" und bekam ihn: Paris erhält mit 35,6 Prozent die Sperrminorität. "Die Verhältnisse sind so, dass der Staat wirklich eine Führungsmacht hat", analysiert Sarkozys Generalsekretär Claude Guéant.
Frankreich treibt die Expansion seiner Energiekonzerne im Ausland kräftig voran, um "strategische Versorgungssicherheit" zu schaffen. Bei praktisch jeder Auslandsreise bietet Sarkozy seinem Gastgeber französische Atomreaktoren an; selbst die Deutschen drängte er zur Aufgabe des Atomausstiegs. Davon profitiert nicht nur der Atomkonzern Areva, sondern auch der weltgrößte AKW-Betreiber EDF. Der Staatskonzern, der in Deutschland (mit EnBW), Italien, Großbritannien und anderswo bereits starke Marktpositionen hält, ist an Arevas Reaktor EPR beteiligt. Mit Suez GDF baut Paris einen weiteren Konzern mit Ambitionen im Atombereich.
SUEZ GDF AUF WEG ZU NEUEN UFERN
Den französischen Energiemarkt schützt Sarkozy dabei erfolgreich mit staatlicher Preisregulierung. Allerdings erwächst dem einstigen Monopolisten EDF mit Suez GDF ein potenter heimischer Konkurrent. Um Auflagen der EU-Kommission zu erfüllen, tauscht Suez mit der italienischen ENI sein belgisches Gasnetz gegen italienische Marktanteile. GDF will sein belgisches Stromgeschäft, an dem ebenfalls RWE interessiert ist, an EDF abgeben, obwohl Belgien den französischen Staatskonzern nicht so gerne im Geschäft sähe.
Noch bevor der Zusammenschluss verwirklicht ist, bricht der neue "Champion" Suez GDF bereits zu neuen Ufern auf. Im Visier haben die Konzernstrategen den Konzern British Energy und dessen Standorte für neue Atomkraftwerke, an denen auch die deutsche RWE Interesse hat. In den Emiraten will Suez GDF gemeinsam mit Areva und dem französischen Ölkonzern Total zwei Atomreaktoren bauen. Außerdem beteiligt sich der Konzern mit 200 Millionen Euro an Arevas künftiger Zentrifugenanlage zur Urananreicherung, um den Brennstoff für seine belgischen AKW (Suez) zu sichern. Und in Kanada baut der neue Riese ein Gasterminal, das von der russischen Gazprom beliefert wird. Dem Wachstum sind keine Grenzen gesetzt./hn/DP/zb --- Von Hans-Hermann Nikolei, dpa ---
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