04.07.2008 15:09
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HINTERGRUND/Zauberwort Transparenz:Krise bringt verschwiegene Banken zum Reden

        Frankfurt (dpa-AFX) - Die Schockwellen der Finanzkrise ebben nur langsam ab - und die traditionell verschwiegene Bankenbranche sieht sich zum Reden gezwungen. Mit Transparenz sowie raschem Offenlegen von Gewinnen und Verlusten wollen die Institute das Vertrauen in die Finanzwelt wiederherstellen, das durch die schlimmste Krise seit Jahrzehnten nachhaltig erschüttert wurde. Zwei Tage nach dem deutschen Branchenprimus Deutsche Bank  gab die schwer gebeutelte Schweizer Nummer Eins, die UBS  , am Freitag vorzeitig einen ersten Einblick in ihr Geschäft im gerade abgelaufenen zweiten Quartal. Doch eine neue Transparenz-Offensive sehen viele Experten in solchen Mitteilungen nicht: Die Banken versuchten vor allem, die nervösen Märkte zu beruhigen und einen weiteren Absturz der Börsenkurse zu verhindern.

    "Das hat mit der großen Unsicherheit zu tun: Die Banken wollen früh Signale setzen", erklärt der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Hartmann-Wendels, warum die Institute sich schon unmittelbar nach Ende des zweiten Quartals zu Wort melden. "Durch die Subprime-Krise ist das Vertrauen in den Bankensektor generell erschüttert, das trifft wie eine Sippenhaft alle, egal, ob eine Bank betroffen ist oder nicht. Und Zweifel können die Banken nur durch Offenheit zerstreuen", sagt der Direktor des Seminars für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Bankbetriebslehre der Universität Köln.

UNSICHERHEIT AUS NERVÖSEN MÄRKTEN NEHMEN

    UniCredit-Analyst Andreas Weese sieht in den Mitteilungen von UBS und Deutscher Bank auch eher das Bestreben, Unsicherheit aus den Märkten zu nehmen. "Mit Transparenz hat das weniger zu tun." Spekulationen um notwendige Kapitalerhöhungen hatten die Aktien beider Institute in den vergangenen Tagen zeitweise abstürzen lassen. "Wir haben im Moment sehr nervöse Märkte und es ist relativ leicht, Druck auf Bank-Aktien auszuüben", sagt Weese. In normalen Märkten gebe es keine Notwendigkeit zum Quartalsende mitzuteilen, dass keine Kapitalerhöhung nötig sei. Die Mitteilungen der beiden Großbanken seien wie "eine Ankündigung, dass es keine Ankündigung gibt".

    Die seit Monaten vorgetragene Kritik an mangelnder Transparenz der Banken war nach Ansicht von Weese "mehr als berechtigt": "Bei der Kommunikation über die Risikopositionen kann man durchaus von Salamitaktik sprechen. Es hat einige Quartale gebraucht, bis die Banken damit weitgehend vollständig rausgerückt sind." Beim Thema Abschreibungen sei den Banken weniger vorzuwerfen, weil sich die Märkte auch erst schrittweise verschlechtert hätten. Die Institute waren scharf kritisiert worden, weil sie Belastungen vermeintlich nur häppchenweise bekanntgaben. Banker verwiesen auf Bilanzregeln, bei denen Vermögenswerte zu aktuellen Kursen ("Mark-to-Market") bewertet werden müssen. Da sich die Krise um faule US-Immobilienkredite ("subprime") aber erst nach und nach auf andere Bereiche ausweitete, wurden immer mehr Papiere unverkäuflich.

BANKEN OFFENER ALS FRÜHER

    "Transparenz" gehört zu den am meisten strapazierten Begriffen der Krise, in deren Verlauf viele Banken mit undurchsichtigen Finanzprodukten gigantische Verluste erlitten. Mehr Transparenz forderten etliche Staats- und Regierungschefs schon Anfang 2008. Der internationale Bankenverband IIF, dessen Präsident Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist, verordnete der Branche im April mehr Transparenz bei komplizierten Produkten. Bundespräsident Horst Köhler schrieb der Finanzbranche in seinem viel beachteten "Monster"-Interview im "Stern" im Mai ins Stammbuch: Nötig sei nun - unter anderem - "mehr Transparenz". Köhler hatte die Finanzmärkte als "Monster" bezeichnet und den Banken in überraschend scharfen Worten Versagen vorgeworfen.

    Insgesamt habe sich die Transparenz im Verlauf der Krise deutlich verbessert, bilanziert Bankenexperte Weese: "Die Banken haben zum Großteil deutlich kommuniziert, welche Risikopositionen sie in welchen betroffenen Bereichen haben. Wir wissen nun, bei wem es eher nur Wehwehchen gibt und wer tiefe Wunden durch Subprime hat." Auch Bankenexperte Hartmann-Wendels sagt: "Die Banken sind schon viel offener als früher." So brachten etwa die Bilanzierungsregeln nach dem strengeren internationalen Standard IFRS mehr Offenheit: "In IFRS-Berichten stehen viel mehr Informationen drin als früher, aber man muss sich die Mühe machen, sie zusammenzusuchen", sagt Hartmann- Wendels. "Das ist wie bei Medikamenten: Früher hatten Sie einen Beipackzettel, der vielleicht fünf Sätze hatte, wenn Sie heute ein Medikament auspacken, haben Sie quasi eine Tageszeitung in der Hand."/jb/sb/DP/sb

    ---Von Jörn Bender, dpa und Kathrin Schulte-Bunert, dpa-AFX---

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