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Heidelberger Druck stellt sich auf weiteres Sparen ein
Analysten hatten das Sparpaket bereits als zu gering kritisiert, die Anleger zogen nun nach. "Sie müssten hier im Büßergewand auftauchen", rief Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller Privatanleger dem Vorstandsvorsitzenden entgegen. Ein Kleinanleger bezeichnete das Paket als "niedlich". Bereits heute erwartet Schreier ein schlechteres Abschneiden als im abgelaufenen, schon rückläufigen Jahr. Eine genaue Prognose will er aber erst bei Vorlage der Halbjahreszahlen im November geben.
KUNDEN KAUFEN KAUM
Heidelberger Druck leidet unter einer anhaltenden Kaufzurückhaltung in den Industrieländern, allen voran in den USA. Hintergrund ist die eingetrübte wirtschaftliche Stimmung infolge der Subprime-Krise. "Von der Marktseite her erwarten wir auf kurze Sicht keine allzu großen Veränderungen der Rahmenbedingungen", sagte Schreier. Jüngst bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal hatte Schreier von "zwei, drei Jahren" gesprochen, die die schwierige Situation anhalten könne.
Binnen zwölf Monaten ist der Kurs von ehemals gut 40 Euro eingebrochen auf aktuell 11,28 Euro. Am Freitagnachmittag ging es um rund ein Prozent nach unten. "Unsere Kunden hängen am Tropf des Werbemarktes", erklärte Schreier. Und die Werbung sei immer das erste, was in einer Konjunkturschwäche heruntergefahren werde. "Unsere Zyklizität ist ein ganz klares Konjunkturbarometer und so wie sich Heidelberger jetzt entwickelt hat, wird sich auch der ganze Maschinenbau entwickeln."
HEIDELBERGER MACHT MINUS
Von April bis Juni hatte Heidelberger Druck nach vorläufigen Zahlen operativ 35 bis 40 Millionen Euro verloren nach einem betrieblichen Gewinn von 26 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz war von 742 auf 640 bis 660 Millionen Euro gesunken. Neben der schwierigen Konjunkturlage war es auch der schwache Dollar und die gestiegenen Rohstoffpreise, die das Unternehmen belasteten. Hinzu kamen hohe Kosten für die Branchenmesse drupa sowie Entwicklungskosten für neue großformatige Maschinen.
Mit einem 100 Millionen Euro schweren Sparprogramm will Schreier die Durststrecke überwinden. Dabei werden auch 500 der weltweit knapp 19.600 Stellen abgebaut, insbesondere in Verwaltung, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung. Mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze fällt in Deutschland weg, wobei betriebsbedingte Kündigungen wegen eines Zukunftssicherungsvertrags unmöglich sind.
VERLAGERUNG VON PRODUKTION
Ein Teil der heimischen Produktion wird in ausländische Werke verlagert. Insbesondere in China will Schreier aufstocken, sieht er doch in den Schwellenländern die größten Wachstumschancen. Ein vermehrter Einkauf außerhalb des Euro-Raums soll eine zusätzliche Entlastung bringen. Die Kosten für das Sparprogramm gegengerechnet, wird dieses aber erst ab dem Geschäftsjahr 2011/12 voll greifen. Dagegen wird es 2008/2009 (Ende März) zu einer Belastung von 60 Millionen Euro kommen.
Neben dem Sparprogramm versucht Konzernchef Schreier, mit dem Ausbau des weniger zyklischen Service- und Verbrauchsmaterialiengeschäfts gegenzusteuern. Den Umsatzanteil will Schreier von jetzt knapp 20 auf mittelfristig rund 25 Prozent erhöhen. Realisiert werden soll dies wie in der Vergangenheit in erster Linie durch Zukäufe. Auch der Anteil des Verpackungsdrucks soll zunehmen von 15 auf 25 Prozent. Das Unternehmen hatte zum Ausbau des Feldes auf der drupa neue großformatige Druckmaschinen vorgestellt. Die restlichen 50 Prozent sollen auf den Werbedruck entfallen, dem Bereich, der so stark eingebrochen ist. Schreier verspricht sich von der Umschichtung eine bessere Mischung aus zyklischem und weniger zyklischem Geschäft.
VERTRAUEN ZURÜCKGEWINNEN
Heidelberger hatte seine Prognose in der jüngeren Vergangenheit mehrfach senken müssen und damit bei vielen Anlegern Vertrauen verspielt. "Dieses verloren gegangene Vertrauen wollen wir durch die konsequente Umsetzung unserer Strategie und des Maßnahmenprogramms zur Kostenreduzierung wieder zurückgewinnen", rief Schreier den Aktionären zu. Das laufende zweite und das kommende dritte Quartal zehrt Heidelberger Druck noch von den Aufträgen der drupa, die sich von April bis Juni auf 1,1 bis 1,15 Milliarden Euro summierten. Rote Zahlen soll es einstweilen keine geben. Aufsichtsratschef Mark Wössner betonte: "Wir haben hier eine der feinsten Maschinenbauanstalten der Welt."/das/tw
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