17.07.2008 19:03
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IIF/Ackermann sieht Finanzmarktturbulenzen noch nicht überwunden

Von Rüdiger Schoß DOW JONES NEWSWIRES NEW YORK/FRANKFURT (Dow Jones)--Das Ende der Finanzmarktkrise ist nach Ansicht der Bankenvereinigung Institute of International Finance (IIF) noch nicht in Sicht. Wann die Marktturbulenzen vorbei seien, hänge größtenteils vom Verhalten des Staates und der Finanzbranche ab, die ihre Geschäftstätigkeit in Einklang mit den Vorschlägen des Verbands bringen müssten. Die Entwicklungen der jüngsten Tage, inklusive der Geschehnisse um die öffentlich-rechtlichen US-Hypothekenfinanzierer hätten die anhaltenden Probleme des Finanzmarktes und des US-Immobilienmarkts verdeutlicht, sagte der Präsident der Vereinigung und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, am Donnerstag in New York.

   Als Reaktion auf die Finanzmarktkrise fordert die Vereinigung von den Finanzmarktteilnehmer vor allem ein verbessertes Risikomanagement. In den Unternehmen sei eine stabile und umfassende Risikokultur unumgänglich, heißt es in einem Konzept der internationalen Großbanken.

   So solle der für die Risikobewertung verantwortliche Vorstand eines Unternehmens sicherstellen, dass die eingegangenen Risiken zum Risiko-Appetit des Unternehmens passten, sagte Rick Waugh, Co-Chairman des "Market Best Practice"-Kommitees. "Risikomanagement sollte unsere Kernkompetenz sein." Die Finanzmarktkrise habe gezeigt, dass bisherige Stress-Tests unzureichend waren und nicht einheitlich angewandt wurden.

   Ein weiterer Fehler der Branche sei das Prämiensystem gewesen, sagte Ackermann. Halte die Branche mehr Selbstdisziplin und setze die Vorschläge des IIF um, spiele dies eine wichtige Rolle bei der Erholung der Branche. Vorgeschlagen wird, die Entlohnung an die Performance, die Interessen der Aktionäre und die langfristige Konzernprofitabilität zu knüpfen. Die Entlohnungsstruktur solle die Risiken nicht über den Risiko-Appetit des Unternehmens steigen lassen.

   Die fehlende Liquidität, die den Finanzmarkt seit Juli 2007 besonders bei längerfristigen Anlagen am Geldmarkt plage, sei einzigartig in der Finanzmarktgeschichte. Bereits im März 2007 habe der IIF den Unternehmen empfohlen, mit einer vom Vorstand verabschiedeten Strategie die normalen Liquiditätsbedürfnisse sicherzustellen.

   Nach Ansicht des IIF ist eine ordentliche Bewertung ein wichtiges Kennzeichen eines weltweit agierenden Kapitalmarktes. Da diese in Zeiten ausgetrockneter Märkte schwierig sei, müssten Marktteilnehmer auf alle möglichen indirekten oder modell-basierten Bewertungsmethoden ausweichen. Jedoch räumt die Vereinigung ein, dass eine Umstellung Zeit braucht und nicht unter schwierigen Marktbedingungen eingeführt werden sollten, wenn sie falsch verstanden werden könnten. Priorität habe die internationale Vergleichbarkeit von Unternehmensbilanzierungen.

   Der IFF sieht seine Vorschläge nicht als Versuch für eine Selbstregulierung der Branche. "Wir nehmen zur Kenntnis, dass eine Reform für die Branche unumgänglich ist", sagte Ackermann laut Pressemitteilung. Es sei dabei zunehmend Konsens, dass dieser Prozess durch wirksame gesetzgeberische Maßnahmen erfolgreich begleitet werden müsse.

   Wie bereits bei der Vorlage des vorläufigen Berichts Anfang April angekündigt, soll einer Kapitalmarktüberwachungsgruppe ("Capital Markets Monitoring Group") künftig Finanzmarktkrisen frühzeitig erkennen. Eine Gruppe anerkannter Experten könnte ihr Wissen und ihre Erfahrungen zusammenführen, um die Industrie vor möglichen Systemrisiken zu warnen.

   Die Ratingagenturen haben nach Ansicht des IIF eine wichtige Rolle in der Finanzmarktkrise. Eine der Wurzeln der Krise sei, dass das fehlende Verständnis für die komplizierten Produkte zu übertriebenem Vertrauen in die Ratings geführt habe. Der IIF schlägt die Gründung einer Kontrollorganisation vor. Diese sollte Bewertungsstandards entwickeln und die internen Abläufe der Agenturen überwachen.

Webseite: http://www.iif.com -Von Rüdiger Schoß, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 117, ruediger.schoss@dowjones.com DJG/rso/apo (END) Dow Jones Newswires

   July 17, 2008 13:00 ET (17:00 GMT)

   Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 01 00 PM EDT 07-17-08

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