06.05.2008 10:33
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INTERVIEW/BASF sieht sich im Chemikaliengeschäft im Plan

Von Heide Oberhauser-Aslan

   Dow Jones Newswires

DÜSSELDORF (Dow Jones)--Der Chemiekonzern BASF SE sieht sich mit seiner Chemikaliensparte trotz unplanmäßiger Anlagenstillstände im ersten Quartal 2008 im Plan, die Jahresziele zu erreichen. Zwar rechnet der Chemikonzern im weiteren Jahresverlauf noch mit planmäßigen wartungsbedingten Anlagenabstellungen. "Sie werden bei weitem nicht in der Größenordnung wie im Jahr 2007 sein", sagte das für das Segment Chemikalien zuständige Vorstandsmitglied Andreas Kreimeyer am Montag am Rande einer Handelsblatt Chemietagung in Düsseldorf im Interview mit Dow Jones Newswires.

   Es werde aber auch in diesem Jahr wieder eine ganze Reihe wartungsbedingter Anlagenabstellungen in Antwerpen, Ludwigshafen, Tarragona und in Nanjing geben, kündigte der Manager an.

   Die Sparte mit den Segmenten "Inorganics", "Petrochemicals" und "Intermediates" erzielte 2007 in dieser Struktur 9,358 Mrd EUR Umsatz und steuerte zum Konzern-EBIT vor Sondereinflüssen 1,888 Mrd EUR bei. Für 2008 wird mit einem leichten Umsatz- und Ergebniswachstum gerechnet. Der BASF-Konzern erzielte 2007 Umsätze von 57,951 Mrd EUR und ein EBIT vor Sondereinflüssen von 7,614 Mrd EUR.

   Im ersten Quartal hatte die Chemiesparte noch ein Umsatzplus von 12% auf 2,561 Mrd EUR erzielt, das EBIT vor Sondereinflüssen war mit 524 Mio EUR jedoch um 7% rückläufig ausgefallen.

   Der Rückgang war nach BASF-Angaben vor allem auf schwächere Margen im Crackergeschäft zurückzuführen. Cracker sind Anlagen, in denen aus Rohbenzin eine ganze Reihe wichtiger chemischer Grundbausteine wie Ethylen und Propylen erzeugt werden. Kreimeyer begründete die Margenschwäche hauptsächlich mit ungeplanten Anlagenstillständen.

   So sei in Antwerpen der Cracker 3 Tage ausgefallen und in Port Arthur/Texas habe es einen zweiwöchigen Ausfall des Crackers gegeben. Des Weiteren habe der ölpreisbedingte Anstieg der Naphta-Kosten belastet, da diese nicht mehr wie in früheren Jahren 1:1 an die Kunden hätten weitergegeben werden können. Naphta, auch Rohbenzin genannt, ist ein wichtiger Rohstoff für die Petrochemie.

   Bei anderen Chemieprodukten gelinge es dagegen nach wie vor höhere Rohstoffkosten an die Kunden weiterzugeben, sagte der Manager. "Durch ihre Verbundstruktur hat BASF die Möglichkeit eine Margendegression in einem Geschäftsfeld durch eine Margenexpansion in einem anderen auszugleichen", betonte er.

   Hohe Margen hätten beispielsweise die Geschäfte mit Methanol und Ammoniak erzielt. Die Nachfrage sei hier sehr gut, insbesondere aus der Düngemittelindustrie nach Ammoniak, sagte Kreimeyer. Zusätzliche Umsätze verspricht sich der Manager 2008 auch von der im November 2007 neu in Betrieb genommenen Produktionsanlage für Elektronikchemikalien in Ludwigshafen, dem "Electronic Materials Center Europe".

   Das Geschäft mit Elektronikchemikalien ist hochprofitabel und wenig zyklisch. "Das Arbeitsgebiet wächst überdurchschnittlich und ist in den Verbund integriert" sagte Kreimeyer. Im ersten Quartal hatte BASF in diesem Geschäftsfeld in Asien allerdings ein schwächer werdendes Marktumfeld verzeichnet.

   Das könne daran liegen, dass es zur Zeit in Amerika ein schwächelndes Abnehmer- und Konsumentenverhalten gebe, erklärte der Manager. "Ich gehe aber davon aus, dass sich das im Laufe des Jahres wieder auf ein normales Niveau einpendeln wird" , erklärte Kreimeyer. Bei der Spartenprognose 2008 sei dies bereits berücksichtigt.

   Wettbewerber aus Asien und dem mittleren und Nahen Osten fürchtet BASF nicht. Beispielsweise entstehen im Nahen Osten derzeit hochmoderne Chemieanlagen, die in wenigen Jahren mit ihren Standard-Produkten auf den Weltmarkt drängen werden. "Wenn man gegen Massenprodukte aus dem Mittleren Osten wettbewerbsfähig sein will, muss man die wettbewerbsfähigsten Strukturen haben", sagte Kreimeyer.

   Dies sei eine Daueraufgabe, die man immer weiter treiben müsse gerade wenn man wie die BASF auch Standardprodukte im Portfolio habe. Alle Anlagen in Saudi-Arabien oder im mittleren Osten hätten einen großen Nachteil: sie hätten vor Ort wenig Konsumenten.

   Die Produkte müssten daher über weite Strecken erst zu den Märkten gebracht werden. Die Zielmärkte der Anlagen in Saudi-Arabien sind seiner Einschätzung nach in erster Linie in Asien, dann in den USA und sehr viel weniger in Europa. Das größte Gefährdungspotenzial für diese Kapazitäten sieht Kreimeyer in Asien.

   Als sich BASF entschieden habe einen Verbundstandort im chinesischen Nanjing zu errichten habe man dies in Kenntnis der Pläne von Wettbewerbern im Nahen Osten getan, sagte Kreimeyer. Er sei nach wie vor der Überzeugung, dass man langfristig mit Produkten vor Ort beim Kunden besser aufgestellt sei, erklärte der Manager.

   Daher betreibe BASF Verbundstandorte in Nanjing/China, Kuantan/Malaysia, n Europa mit Ludwigshafen und Antwerpen und in Amerika mit Freeport und Geismar. Ihre Verbundstandorte stärken und darüber einen übergeordneten Verbund schaffen mit Anlagen dicht am Kunden wenn es um höher veredelte Produkte gehe, das sei die Stra egie der BASF, sagte Kreimeyer.

   Im Chemiebereich sieht sich BASF nach seinen Angaben wie in anderen Unternehmensbereichen auch nach Akquisitionen um. "Wir werden Akquisitionen in den Arbeitsgebieten tätigen, wo wir profitables zusätzliches Wachstum generieren können", sagte er. "BASF tätigt dann Zukäufe wenn sie sich um ein innovatives Arbeitsgebiet verstärken kann, wenn das Geschäft überdurchschnittliches Wachstum aufweist, wenn BASF näher an den Kunden herankomme und wenn die Zyklizität der BASF dadurch weiter verringert wird".

   Zum geplanten Verkauf des Großteils der Styrolgeschäfte und dem anvisierten Zeitplan erstes Halbjahr 2008 sagte Kreimeyer "Wir stehen in sehr konstruktiven Verhandlungen, die bis zur Jahresmitte abgeschlossen sein sollen. Aber wir stehen unter keinem Zeitdruck". "Unser Styrol-Geschäft, das zum Verkauf steht, gehört zu den profitabelsten Styrolgeschäften im Wettbewerb. Verglichen mit anderen Polystyrolgeschäften, die es auf der Welt gibt, ist das ein Sahnestück".

   BASF habe daher keine Notwendigkeit, "Druck auf den Kessel" zu machen. Das Problem bei diesem Arbeitsgebiet sei, dass es in den Verbund integriert sei und nicht an einem Standort sondern an ganz vielen Standorten. Daher sei es sehr schwierig, die Verträge hierfür zu verhandeln. Das habe dann eine Zeitdimension die man leider nicht auf den Tag genau planen könne, fügte er hinzu. Der Umsatz der zur Disposition stehenden Aktivitäten lag den Angaben zufolge 2006 bei rund 3,2 Mrd EUR.

Webseite: http://www.basf.de

-Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29 725 113, heide.oberhauser@dowjones.com

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   May 06, 2008 04:32 ET (08:32 GMT)

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