12.03.2008 14:51
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INTERVIEW/Celesio will vom Umbruch im Pharmamarkt profitieren

   STUTTGART (Dow Jones)--Die Celesio AG erwartet, aus dem gegenwärtigen Umbruch im Pharmavertrieb in Europa gestärkt hervorzugehen. "Es wird zu einer Konsolidierung kommen, und das ist für die verbleibenden Unternehmen eine gute Nachricht", sagte Vorstandsvorsitzender Fritz Oesterle am Mittwoch im Gespräch mit Dow Jones Newswires.

   Die Bewegung im Markt - zum Beispiel der Trend zu neuen Vertriebsformen und die erwartete weitere Liberalisierung im Apothekensektor - sei in zweifacher Weise eine Chance für das Stuttgarter Unternehmen.

   Zum einen werde sich der Markt nach der erwarteten Bereinigung auf weniger Wettbewerber verteilen, zum anderen würden neue Vertriebswege für Medikamente Chancen für Celesio bieten, neues Geschäft aufzubauen. Ein Beispiel sei die Lieferung von Arzneien direkt an Patienten - ein Vertriebsweg, der wegen der immer kürzeren Krankenhausaufenthalte von Patienten an Bedeutung gewinne.

   Derzeit laufe dazu ein Pilotprojekt in Großbritannien. Diese Vertriebsform könne ein eigenes Geschäft mit eigenem Personal werden. Celesio sei viel besser aufgestellt als Wettbewerber, diese Chancen des Umbruchs zu nutzen, sagte Oesterle: "Wir waren immer einen Schritt voraus - manchmal zwei". Die Mitarbeiterzahl im Konzern werde voraussichtlich weiter steigen.

   Einen vergleichbaren Einschnitt wie 2007, als unerwartet starke staatliche Eingriffe in Großbritannien Celesio im Herbst gezwungen hatten, die mittelfristige Prognose aufzuheben, erwartet Oesterle für 2008 nicht. "Das Risiko, dass es in dem Land 2008 noch einmal einen derartig gravierenden Eingriff geben wird, ist ausgesprochen gering", sagte Oesterle.

   Sollte es in einem anderen europäischen Land vergleichbare Sparschritte geben, wäre deren Einfluss wesentlich geringer als im Jahr 2007 in Großbritannien. Denn dort erwirtschaftet Celesio den größten Ergebnisbeitrag - ist also entsprechend anfällig gegenüber staatlichen Eingriffen.

   Von der Kreditkrise in den USA sieht sich das Unternehmen nicht betroffen. Celesio sei sehr langfristig finanziert, sagte Finanzvorstand Felix Zimmermann zu Dow Jones Newswires. Ein Klumpenrisiko im Bankenportfolio werde strikt vermieden, derzeit arbeite der Konzern mit über 30 Instituten zusammen.

   Auch durch den hohen Ölpreis sieht Zimmermann keine größeren Belastungen für das Unternehmen. Viele Transporte seien ausgelagert. "Die Transportkosten sind von untergeordneter Bedeutung - zudem versuchen wir, die Touren immer weiter zu optimieren."

   Wenn der Apothekenmarkt in Deutschland wie von den meisten Beobachtern erwartet liberalisiert wird, erwartet Oesterle zunächst eine steigende Zahl von Apotheken. Das Angebot werde vielfältiger, und die Zahl werde sich stabilisieren. Auf lange Sicht werde sich dann auch hierzulande vermutlich eine Entwicklung wie in Großbritannien vollziehen, wo Ketten und unabhängige Apotheken den Markt unter sich aufgeteilt hätten.

Webseite: http://www.celesio.de - Von Richard Breum, Dow Jones Newswires, +49 (0) 211 - 13872 15, Richard.Breum@dowjones.com DJG/rib/brb (END) Dow Jones Newswires

   March 12, 2008 09:49 ET (13:49 GMT)

   Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 09 49 AM EDT 03-12-08

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