27.06.2008 14:36
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INTERVIEW: Conti erwartet Preiserhöhungen durch Rohstoffkosten

Von Katharina Becker DOW JONES NEWSWIRES WIEN (Dow Jones)--Die Continental AG erwartet angesichts der weiter steigenden Rohstoffkosten höhere Preise für die Automobilkäufer. Bislang habe der Hannoveraner Automobilzulieferer die Mehrbelastungen stets auf die Schultern der Lieferanten und Kunden verteilen und einen Teil selbst kompensieren können, sagte Continental-Technologievorstand Karl-Thomas Neumann am Freitag in Wien im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Die könnten die weiter steigenden Kosten jedoch nicht länger auffangen.

   "Es sind alle sehr angestrengt, der Druck im System ist sehr groß", sagte Neumann. "Wir gehen davon aus, dass nun die Endkundenpreise steigen." Im ersten Jahresviertel hatten sich die Rohstoffkosten für Conti auf Jahressicht um 38 Mio EUR erhöht.

   Bei der Sanierung der schwächelnden Antriebssparte Powertrain, in der die im vergangenen Jahr übernommenen Siemens VDO aufging, sieht sich Continental auf Kurs, wie Neumann sagte, der die Sparte leitet. Nach dem beschlossenen Aus für das Werk in Wetzlar sollen bis Jahresende weitere Schritte folgen.

   Neumann hatte bereits angekündigt, den Anteil an kostenintensiven Standorten etwa in Westeuropa und den USA reduzieren zu wollen. Einige Werke stünden auf der Kippe, sagte Neumann, ohne Details zu nennen. Neue Werke plane der Konzern jedoch in Osteuropa. "Wir brauchen in Osteuropa neue Elektronikwerke", sagte Neumann. Die Zulieferer könnten sich dem Trend zur Fertigung vor Ort nicht entziehen.

   Continental hatte VDO im vergangenen Jahr für 11,4 Mrd EUR übernommen. Der DAX-Konzern hatte Ende März angekündigt, zusätzlich zu den bereits angekündigten 2.000 Arbeitsplätzen weltweit in den kommenden zwei Jahren weitere 1.500 bis 2.000 Stellen streichen zu wollen.

   Um bis 2010 die angestrebte Umsatzrendite von 10% zu erreichen, will Continental in der Antriebssparte, die neben Diesel- und Benzineinspritzsystemen auch Motor- und Getriebesteuerungen sowie Komponenten für Hybridantriebe fertigt, die gesamten Abläufe optimieren. Von der Integration verspricht sich der Konzern Synergien von mehr als 300 Mio EUR ab dem Jahr 2010.

   Continental sehe in der Anstriebssparte jedoch enorme Potenziale, betonte Neumann. Das jährliche Umsatzwachstum bei Powertrain liege dank der innovativen Produkte wie Einspritzsysteme oder Motorensteuerung deutlich über den 6%, die der Konzern-Vorstandsvorsitzende Manfred Wennemer für die gesamte ehemalige Siemens VDO im Zuge der Integration als Ziel herausgegeben habe.

   "Das Marktpotenzial bei Elektronik oder Einspritzsystemen ist riesig und übersteigt möglicherweise die Kapazitäten der Industrie." Obwohl Continental für diese Produkte die Preise erhöht habe, bestehe weiter eine hohe Nachfrage der Kunden, etwa nach spritsparenden und umweltfreundlichen Antrieben. "Klar ist jedoch, mit Zukunftstechnologie muss Geld verdient werden", sagte der Conti-Vorstand.

   Neumann rechnete sich auch gute Chancen aus, den Auftrag für die Lithium-Ionen-Batterie für den Chevrolet "Volt" von der General Motors Corp (GM) zu bekommen. "Da machen wir uns große Hoffnungen und sind zuversichtlich, GM ein gutes Angebot gemacht zu haben."

   GM will das Elektroauto mit unterstützendem Benzinmotor ab 2010 in Serie fertigen und testet derzeit zwei verschiedene Systeme, unter anderem das von Conti. Die Entscheidung für einen Lieferanten soll noch im Sommer fallen, sagte Neumann. Wenn Conti den Auftrag bekommt, werde eine Fertigung in den USA aufgebaut. Ein Transport von Europa in die USA wäre angesichts eines Gewichtes von rund 200 Kilogramm pro Batterie nicht rentabel.

   Der Hannoveraner Automobilzulieferer startet im kommenden Jahr als erster Anbieter mit der Serienfertigung einer Lithium-Ionen-Batterie für ein Hybridfahrzeug von Mercedes-Benz. Bis 2010 will Conti laut Neumann "einen nennenswerten Anteil" des Umsatzes mit Hybridtechnologie erwirtschaften.

   Um die eigenen Renditevorgaben von 10% zu erreichen, will sich der DAX-Konzern von unrentablen Aktivitäten trennen. Die Hannoveraner hatten bereits angekündigt, nach der Elektromotorensparte auch das Geschäft mit Systemen zur Kraftstoffförderung und Tankentlüftung der ehemaligen VDO, Fuel Supply Systems, mit einem Jahresumsatz von 450 Mio EUR zu veräußern. "Wir führe konkrete Gespräche mit mehreren Interessenten", sagte Neumann. Bis zum Jahresende soll ein Käufer gefunden sein. "Wir sind da absolut zuversichtlich."

Webseite: http://www.conti-online.com

- Von Katharina Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 112, katharina.becker@dowjones.com DJG/kat/jhe (END) Dow Jones Newswires

   June 27, 2008 08:33 ET (12:33 GMT)

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