15.07.2008 10:33
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INTERVIEW/MLP lehnt eigene Übernahme ab und plant Zukäufe

Von Madeleine Winkler DOW JONES NEWSWIRES WIESLOCH (Dow Jones)--Der Finanzdienstleister MLP erteilt hartnäckig an der Börse kursierenden Übernahmespekulationen eine klare Absage. "Ich stehe nicht für Übernahmen zur Verfügung", sagte der Vorstandsvorsitzende der MLP AG, Uwe Schroeder-Wildberg, im Gespräch mit Dow Jones Newswires.

   Die Diskussion um eine Übernahme von MLP sei "sehr hypothetisch", betonte er. "Eine feindliche Übernahme ist schon allein deswegen nicht möglich, weil die Familie Lautenschläger als Mehrheitsaktionär ihren Anteil dauerhaft halten möchte." Der Gründer des Finanzvertriebs, Manfred Lautenschläger, der noch bis zu seinem 70. Geburtstag am 15. Dezember Aufsichtsratsvorsitzender der MLP AG ist, hat mehrfach betont, seinen Anteil von 32% behalten zu wollen.

   Auch eine freundliche Übernahme schließt Schroeder-Wildberg aus. "Es würde komplett mit unserem Leistungsversprechen der unabhängigen Beratung kollidieren, wenn ein Produzent die Mehrheit an MLP halten würde", erklärte der CEO. An den Aktienmärkten sorgen regelmäßig aufflackernde Übernahmegerüchte für Kursschwankungen bei der im MDAX notierten MLP-Aktie. Als Kandidaten tauchen dabei wechselweise die Deutsche Postbank AG, die selber zum Verkauf steht, und die französische Axa auf.

   Insgesamt ist das Umfeld für Finanzdienstleister nach Einschätzung des MLP-CEOs schwieriger geworden. "Die gesetzlichen Anforderungen sind gestiegen", sagte er. Das mache es für Anfänger in der Branche schwerer, Fuß zu fassen. "Hier trennt sich die Spreu vom Weizen", sagte der MLP-Vorstandsvorsitzende. Gleichzeitig ist ein Kampf um die erfahrenen Berater entbrannt. Neben Neugründungen wie der seit einem knappen Jahr aktiven Finanzdienstleister Formaxx setzen auch Großbanken verstärkt auf einen mobilen Vertrieb und buhlen um die Dienste von Beratern.

   Dennoch zeigt sich Schroeder-Wildberg gelassen. "Auch eine vorübergehend sinkende Beraterzahl ist überhaupt kein Beinbruch, denn MLP wächst maßgeblich über eine intensive Kundenbetreuung." Für 2008 rechnet er mit einer Berater-Fluktuation in seinem Unternehmen von 12% bis 15%. "Damit liegen wir deutlich unter dem Branchendurchschnitt."

   Der MLP-CEO rechnet insgesamt mit einer Konsolidierung in der Branche. "Einige kleinere Anbieter werden wegen der gestiegenen Anforderungen nicht überleben", prognostiziert er. Sein Unternehmen beobachte die Veränderungen in der Branche aufmerksam und wolle zuschlagen, wenn kleinere Einheiten zum Verkauf stehen. "Wir wollen in den nächsten ein bis zwei Jahren an der Konsolidierung im Finanzdienstleistungssektor partizipieren", sagte Schroeder-Wildberg. Hierzu sei MLP "finanziell bestens gerüstet". Der Fokus sei dabei klar auf Deutschland gerichtet. "Entscheidend ist dabei, dass es passt."

   Als Größenordnung für potenzielle Übernahmeobjekte nennt Schroeder-Wildberg Unternehmen mit bis zu 200 Beratern. "Das können wir stemmen, auch ohne Kapitalerhöhung."

   Eine Zusammenarbeit mit einem anderen großen Anbieter wie die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) kommt für Schroeder-Wildberg dagegen nicht in Frage. "Dafür sind die Geschäftsmodelle zu unterschiedlich", erklärte er.

   Zum gerade abgelaufenen Quartal, über das MLP am 13. August berichtet, äußerte sich Schroeder-Wildberg zurückhaltend. "Das zweite Quartal war von sehr umfangreichen Umstellungen durch die gesetzlichen Neuregelungen geprägt. Deshalb haben wir wie erwartet eine verhaltene Entwicklung gesehen, sind aber mit dem Verlauf zufrieden", sagte er.

   Seine Prognose für das Gesamtjahr behält der MLP-CEO aufrecht. "Wir rechnen weiter mit höheren Erlösen als im Jahr 2007." Die operative Marge dürfte leicht sinken, aber höher als im Geschäftsjahr 2006 ausfallen, bekräftigte Schroeder-Wildberg. Für die Dividende kündigt er eine Ausschüttungsquote des Überschuss zwischen 60% und 65% an. In den vergangenen Jahren hatte sich die Ausschüttung in dieser Spanne bewegt. Im Jahr 2007 hatte die MLP AG die Dividende um 25% auf 0,50 EUR je Aktie angehoben.

   Für die Jahre 2008 bis 2010 äußerte er sich konkreter als bislang und kündigte eine jährliche Erlössteigerung von mehr als 5% an. Potenzial sieht Schroeder-Wildberg weiterhin vor allem in der Nachfrage nach Produkten zur Absicherung im Alter. "Hier herrscht ein großer Bedarf bei unseren Kunden", sagte er.

   Vorsichtig äußerte sich der Vorstandsvorsitzende mit Blick auf die anhaltende Finanzkrise. "Bei Subprime ist noch nicht alles ausgestanden", sagte er. "In einer derart global vernetzten Geschäftswelt gibt es verschiedene Infektionswege und damit Stoff für negative Entwicklungen." Das Kapitalumfeld sei nach wie vor herausfordernd.

   In dieser Unsicherheit sieht Schroeder-Wildberg auch eine Chance für Finanzdienstleister. "Natürlich hofft jeder auf steigende Kurse, aber das derzeitige Umfeld bietet auch Chancen", sagte er. "Denn je komplexer die Welt ist, desto mehr sucht der Kunde Rat."

Webseite: http://www.mlp.de

-Von Madeleine Winkler, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 115, madeleine.winkler@dowjones.com DJG/maw/nas (END) Dow Jones Newswires

   July 15, 2008 04:30 ET (08:30 GMT)

   Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 04 30 AM EDT 07-15-08

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