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INTERVIEW/Rhön-Klinikum erwartet mehr Klinikprivatisierungen
Von Heide Oberhauser-Aslan Dow Jones Newswires
FRANKFURT (Dow Jones)--Der private Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum AG rechnet nach der Flaute 2007 wieder mit vermehrten Privatisierungen von Kliniken in Deutschland. "Wir merken verstärkt Anfragen und es gibt auch bestimmte Akquisitionsgespräche", sagte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Pföhler im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Über konkrete Projekte wollte der Manager nicht sprechen. "Ich glaube, dass die Privatisierung von Kliniken künftig wieder öfter als politisch akzeptierte Alternative gesehen wird", erklärte er. Die Kommunen stünden unter einem verstärkten Defizitdruck. 2007 sei die Neigung zur Privatisierung von der guten Konjunktur gebremst worden.
Allerdings rechnet der Manager nicht damit, dass sich der Markt in kurzer Zeit so beleben wird, dass Rhön-Klinikum so viele Kliniken wie 2005 übernehmen könnte. "Der Druck, wie zu der Phase als wir auf einen Schlag elf Kliniken neu übernommen haben, ist derzeit nicht da", räumte er ein. Das Unternehmen sei bereit für Zukäufe, werde aber nicht um jeden Preis akquirieren sondern gezielt wie bisher, betonte Pföhler. 2006 hatte der Klinikbetreiber vier Krankenhäuser gekauft, darunter die Universitätsklinik Gießen-Marburg, 2007 war es nur eine Klinik.
Seiner Einschätzung nach nutzen Kommunen in der Regel das Instrument Privatisierung erst dann, wenn sie unter starkem Druck stehen. "Ich glaube es wäre auch für die Kommunen besser, sich rechtzeitig zu entscheiden, und nicht erst wenn sie in einer Notsituation stehen", sagte Pföhler. Dass nun an 200 Krankenhäusern ein Notlagentarif eingeführt werde, sei für die meisten Häuser keine Zukunftsperspektive. Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als ein Drittel aller Krankenhäuser bundesweit rote Zahlen schreiben.
Das MDAX-Unternehmen mit Sitz in Bad Neustadt an der Saale lag mit einem Umsatz 2007 von 2,02 Mrd EUR auf Platz zwei der Rangliste der privaten Klinikbetreibern in Deutschland. Knapp davor rangierte die nicht börsennotierte Asklepios Kliniken, die einschließlich ihrer ausländischen Beteiligungen etwa 2,3 Mrd EUR erlösten. Auf Platz drei folgten die zum Fresenius-Konzern gehörenden Helios Kliniken mit 1,84 Mrd EUR Umsatz.
Derzeit hält Rhön-Klinikum einen Marktanteil in Deutschland von etwa 3%. Analysten halten mittelfristig einen Anteil von 8% bis 10% für erreichbar. Auch Pföhler hält das für möglich. "Das ist sicherlich eine Größenordnung, die wir uns vorstellen können", erklärte er. Es gebe dafür jedoch keinen Masterplan.
Das Unternehmen sei aber auch mit einem Marktanteil von 3% absolut handlungsfähig, fügte er hinzu. Neben der Akquisition von Akutkliniken auf allen Versorgungsstufen sieht Rhön-Klinikum Wachstumschancen im ambulanten Bereich und in der Grundversorgung.
Dabei setzt Rhön-Klinikum unter anderem auf den Ausbau von so genannten MVZs (medizinischen Versorgungszentren) an den Krankenhäusern. Ziel ist dabei die sektorale Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung zu überwinden und eine enge Anbindung an die konzerneigenen Krankenhäuser zu erreichen. Dass eine ambulante Versorgung schwächere Margen erwarten lässt als die Versorgung in einer Akutklinik, sieht Pföhler dabei nicht als Nachteil an.
Auf diese Weise könne Rhön-Klinikum Fälle behalte, die sonst aus dem akutstätionären Bereich weggehen würden, sagte er. Des Weiteren könnten Kostenvorteile erzielt werden.
Analysten gehen davon aus, dass in den meisten der von Rhön-Klinikum seit 2005 übernommenen Häusern noch beträchtliches Renditepotenzial schlummert, das 2008 bis 2010 zum Tragen kommen könnte. "Wir haben logischerweise noch nicht in allen Kliniken das Potenzial ausgeschöpft", sagte Pföhler. Das beste Beispiel sei das Universitätsklinikum Gießen-Marburg. Das sei ein sehr maßgebliches Beispiel, denn es mache allein 20% des Umsatzes von Rhön-Klinikum aus, sagte der Manager.
Mit dem Kauf der ersten in Deutschland zur Privatisierung freigegebenen Universitätsklinik hatte Rhön Klinikum 2006 den größten Zukauf in ihrer Unternehmensgeschichte getätigt. 2008 rechnet Pföhler nicht mehr mit der Privatisierung einer weiteren Universitätsklinik. "Ich sehe im Moment nichts, was in diesem Jahr auf den Markt kommt, aber da mag ich mich auch täuschen", sagte er.
Webseite: http://www.rhoen-klinikum-ag.com
-Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29 725 113, heide.oberhauser@dowjones.com
DJG/hoa/jhe (END) Dow Jones Newswires
June 18, 2008 06:01 ET (10:01 GMT)
Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 06 01 AM EDT 06-18-08
| 02.09.2008 | RHÖN-KLINIKUM kaufen | Bankhaus Lampe KG | |
| 19.08.2008 | RHÖN-KLINIKUM Kauflimit 20,24 EUR | Frankfurter Börsenbriefe | |
| 08.08.2008 | RHÖN-KLINIKUM halten | Hamburger Sparkasse AG (Haspa) | |
| 08.08.2008 | RHÖN-KLINIKUM Downgrade | Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) | |
| 08.08.2008 | RHÖN-KLINIKUM akkumulieren | AC Research |
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