09.06.2008 11:12
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Karmann-Eigentümer erwägen Verkauf des Automobilzulieferers

   OSNABRÜCK (Dow Jones)--Die Eigentümer des Fahrzeugfertigers Wilhelm Karmann GmbH ziehen einen Verkauf des Osnabrücker Familienunternehmens in Erwägung. "In einer Situation wie dieser lassen sich die Gesellschafter beraten, welche strategischen Optionen auf dem Tisch liegen, um den Fortbestand nachhaltig zu sichern", sagte ein Sprecher der Gesellschafter am Montag auf Anfrage von Dow Jones Newswires.

   Dabei lassen sich die Gesellschafterfamilien Boll, Battenfeld und Karmann von verschiedenen Investmentspezialisten beraten. "Man hat sich professionelle Unterstützung geholt", sagte der Sprecher der Gesellschafter. So seien die Investmentbank Rothschild und Georgieff Capital beratend tätig. Georgieff Capital ist bereits seit längerem für Karmann aktiv und hat das Unternehmen beim Verkauf von Tochterunternehmen unterstützt.

   Erste Gespräche über einen Verkauf oder eine Zusammenarbeit mit Partnern würden bereits laufen. "Es hat Kontaktaufnahmen mit verschiedenen möglichen Partnern gegeben", so der Gesellschafter-Sprecher. Dabei müsse man nicht zwingend von Käufern reden. Zu möglichen Gesprächspartnern und einem zeitlichen Rahmen wollte sich der Gesellschafter-Sprecher nicht äußern.

   In die Gespräche ist das Management des Auftragsfertigers, in dem Miteigentümer Wilhelm Dietrich Karmann unter anderem für die Finanzen zuständig ist, eingebunden. "Die Geschäftsführung ist in die Pläne der Gesellschafter einbezogen worden, alle weiteren Aktivitäten liegen jedoch in der operativen Verantwortung der Gesellschafter", sagte ein Unternehmenssprecher.

   Das "Handelsblatt" berichtet in seiner Montagausgabe, dass die Gesellschafter des Automobilzulieferers alle Optionen prüfen und auch einen Verkauf des 107 Jahre alten Traditionsunternehmen in Erwägung ziehen. "Man dachte bisher, dass die sich Familien, wenn überhaupt, nur von der Fahrzeugmontage trennen und Engineering und Dachsysteme neu aufstellen", so Global-Insight-Analyst Christoph Stürmer.

   Karmann fehlen Aufträge zur Entwicklung und Produktion von Gesamtfahrzeugen. Bis zum 30. Juni will Karmann zu einer Entscheidung über den weiteren Fortbestand der Lackiererei und Endmontage kommen. "Wir sind bemüht, innerhalb der Frist einen Entwicklungs- und Produktionsauftrag zu erringen", so der Unternehmenssprecher. Es würden mit mehreren Herstellern Gespräche geführt. "Wir werden noch in diesem Monat berichten", kündigte der Sprecher an. Bis dahin wolle er sich nicht äußern.

   Von der Entscheidung sind zahlreiche Mitarbeiter betroffen. Im Fahrzeugbau - Lackiererei, Montage und Rohbau - beschäftigte das Unternehmen Ende 2007 mehr als 3.000 Mitarbeiter. Zur Zahl der von der Entscheidung betroffenen Mitarbeiter wollte sich der Unternehmenssprecher nicht äußern. Er sagte lediglich, dass der Rohbau bis weit ins neue Jahrzehnt ausgelastet sei.

   Karmann ist auf die Produktion von Cabrio-Modellen spezialisiert. In den vergangenen Jahren fertigte das Unternehmen für verschiedene Hersteller. Eine langjährige Partnerschaft bestand mit der Volkswagen AG. Jedoch kam ein Teil der Fahrzeuge, wie der Chrysler Crossfire, zuletzt am Markt nicht an. Für andere wie den Audi A4 Cabrio und den Mercedes-Benz CLK Cabrio fehlen die Nachfolgeaufträge. Die Produktion des Mercedes-Benz CLK Cabrio läuft Ende 2009 aus. "Die Entwicklung eines Fahrzeugs dauert etwa 24 Monaten", erläuterte der Karmann-Sprecher, entsprechend könne eine neue Produktion frühestens 2010 beginnen.

   "Das Karmann-Problem kann man stark mit dem Crossfire in Verbindung bringen und der Tatsache, dass der VW-Konzern sich mit Karmann als Partner zunehmend schwer getan hat", sagt Stürmer. Die Werke der Automobilhersteller werden immer flexibler, entsprechend produzieren sie immer mehr Nischenmodelle selbst. Neben Karmann sind davon auch andere Auftragsfertiger wie das französische Unternehmen Heuliez und Bertone aus Italien betroffen. "Die Hersteller können mittlerweile sehr gut, wozu man früher Auftragsfertiger wie Karmann brauchte", so Stürmer.

   Das Karmann-Management kämpft bereits seit Jahren um einen neuen Produktionsauftrag. Vom Höchststand 2004 mit einer Produktion von 93.630 Einheiten ist Karmann weit entfernt. Im vergangenen Jahr waren es noch knapp 41.700 Stück. Mit rund 7.000 Mitarbeiter hat der Auftragsfertiger im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,5 Mrd EUR erwirtschaftet. Als weiteres Standbein hat sich Karmann den Bereich Dachmodule aufgebaut. Im Jahr 2007 produzierte das Unternehmen knapp 165.000 Stück für unterschiedliche Automobilhersteller.

Webseite: http://www.karmann.com

- Von Christoph Baeuchle, Dow Jones Newswires, +49 (0)711 2287 412, christoph.baeuchle@dowjones.com DJG/cba/brb (END) Dow Jones Newswires

   June 09, 2008 05:09 ET (09:09 GMT)

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