München. Der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN erwägt die Übernahme des Nutzfahrzeuggeschäfts von VW in Brasilien. "Das ist eine Option, die geprüft wird", erklärte eine mit den Vorgängen vertraute Person gegenüber €uro am Sonntag laut Vorabbericht (E-Tag: 20.7.2008). Dies könne "noch im laufenden Jahr geschehen", hieß es. Zudem überlegt MAN auch, ein eigenes Motorenwerk in Brasilien zu bauen. Bislang bezieht VW die Motoren in seinem Werk im brasilianischen Resende vor allem vom US-Hersteller Cummins sowie von MWM/International, einer Tochter des US-Lkw-Bauers Navistar.
Erst am Donnerstag hatte VW-Chef Martin Winterkorn gesagt, man wolle demnächst Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit zwischen MAN, Scania und der eigenen Nutzfahrzeugsparte ausloten. "Wir werden überlegen, wie man das ganze Gebilde formt". Bereits im Mai hatte Winterkorn auch einen Verkauf des Nutzfahrzeuggeschäfts von VW an MAN nicht ausgeschlossen.
VW hat im Vorjahr in Resende 47 000 Fahrzeuge gebaut. Im ersten Halbjahr legte die Produktion um 18,6 Prozent auf rund 26 230 Einheiten zu. Wegen der starken Nachfrage gehe man für das laufende Jahr von einem weiteren Wachstum aus, erklärte ein VW-Sprecher gegenüber €uro am Sonntag. Allerdings gilt das Werk nicht als besonders profitabel. "VW kann aufgrund der geringen Stückzahlen kaum Skaleneffekte realisieren", zitiert die Wirtschaftszeitung einen Analysten einer großen Bank. Ein MAN-Sprecher wollte sich auf Anfrage zu möglichen Plänen für Brasilien nicht äußern.