18.09.2008 14:27
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Megadeal in Windeseile: Angst vor Finanzdebakel schafft Bankenriesen

        LONDON (dpa-AFX) - Die Angst vor Anarchie auf dem Finanzmarkt hat in Großbritannien den Weg für eine Superbank geebnet. Sämtliche Wettbewerbsprinzipien wurden vom Tisch gefegt, als die Erschütterungen des Erdbebens an der Wall Street den größten britischen Baufinanzierer Halifax Bank of Scotland (HBOS  ) an den Rand des Abgrunds brachten. Das drohende Fiasko schien sich nur noch durch eine Rettungsübernahme abwenden zu lassen. Als weißer Ritter war schnell der britische Bankkonzern Lloyds TSB Group     zur Stelle, der schon länger Ausschau nach einem Übernahmekandidaten gehalten hatte. In Windeseile und gegen jede Regeln der Wettbewerbshüter war das Geschäft unter Dach und Fach. Das Königreich hat nun einen Bankenriesen mit 38 Millionen Kunden und einer beherrschenden Rolle vor allem auf dem Hypothekenmarkt.

    Lloyds konnte sich den Konkurrenten für umgerechnet 15,4 Milliarden Euro einverleiben, weil die Bank dramatisch an Wert verloren hatte. Der ohnehin schon sensible Finanzmarkt war nach dem Lehman-Zusammenbruch derart in Nervosität geraten, dass immer weniger Experten es der ohnehin schon arg gebeutelten HBOS zutrauten, genug Geld aufzutreiben, um wieder auf die Beine zu kommen. Anleger trennten sich panikartig von ihren Papieren, der Wert der Aktie, die in den vergangenen Monaten ohnehin auf Talfahrt war, wurde pulverisiert.

    Der neue Bankenkonzern mit einem Marktwert von fast 38 Milliarden Euro hat einen Anteil am britischen Hypothekenmarkt von 30 Prozent. In normalen Zeiten hätten Finanzaufsicht oder Wettbewerbshüter dem Geschäft einen Riegel vorgeschoben, weil der kritische Marktanteil auf 25 Prozent begrenzt ist. Auch bei den Privatkunden mit ihren Spar- und Girokonten spielen die fusionierten Institute künftig eine überaus starke Rolle.

    Es sind aber keine normalen Zeiten. "Sicherheit zuerst", lautete die Devise der Regierung, die die Fusionsverhandlungen begleitete. Besser ein wenig zu viel Marktmacht, statt eine verheerende Bankenpleite. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an das Desaster der Hypothekenbank Northern Rock, die nach ihrem Zusammenbruch im Winter nach langem Zaudern der Regierung verstaatlicht worden war. Bilder von Schlange-stehenden, verunsicherten Kunden kann in Großbritannien derzeit niemand gebrauchen. Zudem ist HBOS wesentlich größer als Northern Rock . Hätte die Regierung den Baufinanzierer retten müssen, hätte die Bank wohl überlebt, aber mit Sicherheit nicht Gordon Brown in der Rolle als Premierminister.

    Lloyds ist eine der wenigen Banken, die den Sturm der Kreditkrise bislang halbwegs unbeschadet überstanden haben. Der Konzern hatte eher vorsichtig agiert und dabei zwar weniger Profite eingefahren, sich aber auch geringeren Risiken ausgesetzt. Anders HBOS. Der Baufinanzierer litt nicht nur unter dem dramatischen Preisverfall der Immobilien in Großbritannien, sondern war auch viel stärker dem Hypothekendesaster auf dem US-Häusermarkt ausgesetzt. Der sogleich gefundene Spitznamen "Hellifax" leitete sich vom Englischen "hell" für Hölle ab.

    Unklar ist, was der Megadeal im Detail für die Kunden - die Hälfte der britischen Haushalte hat eine Verbindung zu der neuen Bank - und die gut 145.000 Mitarbeiter bedeutet. Sicher werden die Kunden weniger Auswahl haben, und viele der 3000 Filialen werden dichtmachen. Zudem wird befürchtet, dass bis zu 40 000 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Und das nicht nur in den Callcentern und Filialen sondern auch in der Führungsebene, weil sich eine Reihe der Geschäftsbereiche überlappen./pf/DP/wiz

---  Von Thomas Pfaffe, dpa ---



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Lloyds TSB Group 1,8 -10,3%
HBOS 1,1 -7,1%

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