Nvidia setzt auf neue Geschäftsfelder - €uro-Interview mit Vorstandsmitglied Michael Hara
€uro: Herr Hara, Nvidia verdient ja Geld. Wie das?
Michael Hara: Es stimmt, wir haben früher fast ausschließlich auf Wachstum geschaut – um jeden Preis. In den letzten drei Jahren ist das Unternehmen aber gewinnorientierter geworden. Ein börsennotiertes Unternehmen zu sein, ist da ein echter Maßstab: Manche unserer Kunden kaufen unsere Chips, manche unserer Kunden kaufen unsere Aktien.
€uro: Und manche Analysten sagen, dass es für Nvidia immer schwieriger wird, weiter so rasant zu wachsen wie bisher...
Hara: ... und haben damit absolut recht - wenn man auf den reinen PC-Bereich fokussiert ist. Aber die digitale Welt um uns herum wird immer visueller, da eröffnen sich ganz neue Geschäftsfelder.
€uro: Zum Beispiel?
Hara: In der Medizintechnik, etwa bei der Krebsvorsorge, werden neue bildgebende Verfahren eingesetzt, die eine viel bessere Qualität bieten als noch vor einigen Jahren. Entsprechend lässt sich Krebs in einem früheren Stadium aufspüren. Oder nehmen Sie die Automobilindustrie: Autos werden immer intelligenter, Stichwort Navigation. Innerhalb der nächsten sechs Monate werden wir gemeinsam mit Google und Garmin eine erste Navigationseinheit anbieten, die dreidimensionale Bilder liefert – in einem Serienmodell von Peugeot. Beim Industriedesign helfen wir, Produktionszyklen zu verkürzen. Auch Mobiltelefone und kleine Laptops (ultra mobile) bieten immer mehr Visuelles. Aber das spannendste Feld ist für mich Tesla.
€uro: Was ist das?
Hara: Eine Art Supercomputer. Sehen Sie: Geo-Wissenschaften, Molekular-Biologie oder medizinische Einrichtungen sind auf enorme Rechenleistungen für Simulationen angewiesen. Bisher werden diese Aufgaben von Computerprozessoren, den so genannten CPUs, durchgeführt. Nachteil dabei: Eine CPU kann nur eine Aufgabe nach der anderen abarbeiten. Bei Nvidias neuer GPU-Lösung Tesla ist das anders: Sie setzt auf die Rechenpower von Grafikprozessoren, auch GPUs (Graphics Processing Unit) genannt. Diese sind aufgrund ihrer parallelen Architektur in der Lage, viele komplexe Berechnungen gleichzeitig durchzuführen. Dadurch werden komplizierte und rechenintensive Aufgaben in Wissenschaft und Industrie – etwa Simulationen, Messungen und Berechnungen in der biomedizinischen und seismischen Forschung, in der Öl-, Gas- und Autoindustrie oder in der Risiko-Analyse im Finanzbereich – erheblich schneller bewältigt, als es mit herkömmlichen CPUs möglich wäre. In einzelnen Fällen wird die Rechenpower sogar um das 415fache gesteigert.
€uro: Nennen Sie bitte ein Beispiel.
Hara: Um neue Öl- oder Gasfelder zu entdecken, braucht man langwierige Untersuchungen. Man bohrt ein Loch in die Erde und erhält daraus sehr komplexe Daten. Diese Informationen zu verarbeiten, dauert bis zu zwei Monaten. Mit Tesla verkürzt sich das auf eine Woche.
€uro: Ihr Umsatzziel?
Hara: Der Umsatz wird in diesem Jahr leicht die Vier-Milliarden-Dollar-Hürde überspringen. Mittelfristig sehen wir einen Umsatz von zehn Milliarden US-Dollar.
€uro: Bei einem solchen Volumen werden sicher auch andere Konzerne Appetit auf diesen Markt bekommen.
Hara: Korrekt. Aber: Die Eintrittbarrieren im Grafikprozessoren-Geschäft liegen hoch. Man braucht starke finanzielle Ressourcen und Manpower. Nein, die einzigen ernstzunehmenden Wettbewerber bleiben auf absehbare Zeit nur AMD und Intel.
€uro: Bleiben noch Übernahmen...
Hara: Wir schauen uns nach kleineren Unternehmen um, die unser Portfolio erweitern. Auch AMD könnte für uns interessant sein – strategisch gesehen. Wegen der hohen Verschuldung des Unternehmens haben wir aber keinerlei AMD-Übernahmepläne.
€uro: Und Nvidia als Übernahmeziel?
Hara: Sicher Philips könne uns kaufen, Intel auch. Aber die Frage ist doch, ob sie auch entsprechende Synergien heben können. Wir wurden schon mal eifrig als Übernahmekandidat gehandelt nachdem AMD unseren Konkurrenten ATI gekauft hatte. Diese Übernahme ist bisher nicht gerade erfolgreich verlaufen. Nein, Nvidia wird nicht gekauft werden.
€uro: Herr Hara, vielen Dank für das Gespräch.
Über das Unternehmen
Nvidia mit Hauptsitz in Santa Clara, Kalifornien, ist der weltweit führende Hersteller von Grafiklösungen. Das Unternehmen gehört zu den am schnellsten wachsenden IT-Firmen. Kunden von Nvidia sind Hersteller von Computern, Grafikkarten, Unterhaltungselektronik und mobilen Geräten sowie Unternehmen in der Industrie und Wissenschaft. Sie integrieren die Nvidia-Produkte in ihre Lösungen, die vor allem für grafikintensive Anwendungen wie Videospiele, Film- und Fernsehproduktion, Industriedesign, Forschung oder Medizin eingesetzt werden. Nvidia beschäftigt weltweit über 4.000 Mitarbeiter, der deutsche Sitz ist München.
Das Gespräch führte €uro-Redakteur Matthias Fischer
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