31.03.2006 14:36
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Prof. Otte-Kolumne: Qualität erhöhen, Rallye genießen…

Sehr geehrte Privatanleger,

manchmal erscheint der jetzige Aufschwung zu schön, um wahr zu sein. Er ist aber wahr. Und mit etwas Fortune wird er auch noch eine ganze Weile weitergehen. Dank phänomenaler Gewinnsteigerungen sind viele europäische Blue Chips sowie Mid und Small Caps noch nicht wirklich teuer.

Meine Standardempfehlung Allianz (WKN: 840400) wird mit einem KGV von 11,2 gehandelt, BASF (WKN: 515100) mit 10,0. E.ON (WKN: 761440) hat ein KGV von 12,9, die Fresenius AG (WKN: 578560) allerdings 23, dafür aber hervorragende Wachstumsperspektiven. ING Groep (WKN: 881111) hat 11,2, Bijou Brigitte (WKN: 522950) 26, Fuchs Petrolub (WKN: 579040) 13, und so weiter, und so fort. Im Jahr 2000 lag das KGV des DAX bei sagenhaften 36. Heute nähern wir uns langsam den alten Indexständen; das KGV des DAX liegt aber nur bei 13. Die deutschen Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht und die Gewinne in den letzten Jahren phänomenal gesteigert. Allerdings: irgendwann sind die phänomenalen Gewinnzuwächse einmal vorbei. Alle Prognosen deuten darauf hin, dass die Gewinne künftig langsamer wachsen. Das Gewinnplus von 75 Prozent im Jahr 2004 und 20 Prozent 2005 für die DAX-Unternehmen wird auf zwölf Prozent im Jahr 2006 schrumpfen. Einmalige Umstrukturierungs- und Kostensenkungseffekte sind nun immer schwieriger zu erzielen.

Vielleicht sind deswegen in den letzten Wochen einige Anlieger ausgestiegen, die erst einmal Gewinne mitnehmen wollten. Ich bin aber davon überzeugt, dass derzeit weitaus mehr Anleger wieder hinein- als heraus wollen. Erst im zweiten Halbjahr 2005 stieg die Zahl der Privatanleger in Deutschland, die seit 2002 kontinuierlich gesunken war, wieder. Dieser Anlagedruck wird die Kurse weiter treiben. Und viele Qualitätsunternehmen werden weiter wachsen, wenn auch nicht in demselben Umfang wie in den letzten Jahren. In der Tat: der Anlagedruck und die wieder aufkommende Begeisterung der Privatanleger hat dazu geführt, dass schon wieder vermehrt unseriöse Unternehmen an die Börse gebracht werden. Ein Solarwert mit so gerade noch akzeptabler Anlagequalität und einer phantastischen Kursentwicklung, den ich aber mittlerweile für völlig überteuert halte, zog gleich eine ganze Reihe von Nachahmern nach sich. Die Anleger kauften auch diesen Unternehmensschrott, genauso wie kleine Biotechwerte oder Beteiligungsgesellschaften.

Irgendwann kommt die nächste globale Krise, hervorgerufen durch das Platzen der Immobilien blase in den USA. Sie wird wahrscheinlich größer und schwerwiegender als das Platzen der Technologieblase. Ich schreibe hierzu gerade mein Buch, das im Herbst erscheinen wird. Auch bin ich froh, dass ich mittlerweile mit meiner These nicht mehr alleine dastehe. Im aktuellen manager magazin vertritt Henrik Müller einen ähnlichen Gedankengang. Wir wissen aber nicht, wann es soweit ist.

Wenn Sie im hochspekulativen Werten sind und die Krise Sie auf dem falschen Fuß erwischt, haben Sie Ihr Vermögen verloren. Bei den oben genannten Werten können Sie (bis auf Solarworld) auch nach dem Ausbruch der Krise noch in aller Ruhe überlegen, ob und wie Sie Ihren Aktienbestand reduzieren. Denn diese Werte sind hochwertig, relativ krisenresistent und nicht allzu teuer.

Europäische Aktien sind weiter billig. Genießen Sie die Rallye, denn wahrscheinlich wird sie noch weitergehen. Schichten Sie aber zunehmend in hochwertige Aktien um, selbst wenn Sie ein paar Prozent weniger verdienen und die ganz heißen Spekulationen nicht mitmachen.

Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Geschäftsführender Gesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Ziel des Instituts ist die Aktienanalyse und die Entwicklung von Aktienstrategien für Privatanleger.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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