07.01.2008 08:51
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Prof. Otte-Kolumne: Sehr geehrte Privatanleger

Es ist oftmals viel besser, kein Geschäft abzuschließen, als ein schlechtes Geschäft zu machen. Warren Buffett hat uns das in den letzten Wochen wieder eindrucksvoll bewiesen.

Ich habe an dieser Stelle oft darüber geschrieben, dass Sie als Privatanleger eigentlich viel mehr Möglichkeiten haben als Buffett. Sie können sich an Unternehmen wie United Internet (WKN: 508903), CTS Eventim (WKN: 547030), Fuchs Petrolub (WKN: 579043) oder Rhön-Klinikum (WKN: 704230) beteiligen – alles kleinere Wachstumsunternehmen mit hervorragenden Franchises und der Aussicht auf langfristige Gewinne.

Buffett kann das nicht. Bei einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 200 Milliarden Dollar muss er mindestens zwei bis drei Milliarden auf einmal investieren (ein Prozent des Vermögens), damit es für seine Gesamtperformance überhaupt relevant ist. Natürlich hat Buffett auch einige Vorteile gegenüber Kleinanlegern, aber insgesamt überwiegen die Nachteile der Zwangsjacke, die er aufgrund der Größe von Berkshire hat, massiv. Buffett sagt gerne, dass er über 50 Prozent Jahresperformance machen würde, wenn er nur eine Million Dollar verwalten müsste.

Buffett hat aber einen riesigen mentalen Vorteil. Er macht nur Geschäfte, die er wirklich versteht und bei denen er sich sicher ist, keine Verluste zu machen. Er wartet, und wartet, und wartet…

In der Technologieblase kaufte er keine Technologieunternehmen, noch nicht einmal Aktien der Firma Microsoft (WKN: 870747) seines Freundes Bill Gates, obwohl sie ihm angeboten wurden. Seit Mitte der neunziger Jahre kauft Buffett zunehmend ganze Unterneh-men. Er war also ein Private-Equity-Investor, lange bevor der Begriff in Mode kam.

In den letzten Jahren wuchs der Liquiditätsbestand von Berkshire Hathaway (WKN: 900567), weil Buffett sehr vorsichtig war. Er ist fast 80 Jahre alt, aber er verhält sich weiter so, als ob er alle Zeit der Welt hat.

Jetzt hat der Großmeister wieder mehrfach zugeschlagen.

Am 28. Dezember 2007 verblüffte er die Wall Street damit, dass Berkshire in das Anleihenversicherungsgeschäft eintreten werde. Zudem kaufte er eine Geschäftseinheit der ING Groep (WKN: 881111) für 440 Millionen Dollar. Drei Tage vorher kaufte er für 4,5 Milliarden Dollar die Mehrheit eines Mischkonzerns, der von der Pritzker-Familie gehalten wird.

Und vor einigen Wochen kaufte er Anleihen der in 2007 durch die Private-Equity-Firma KKR (WKN: A0JMDU) übernommenen TXU Corporation im Wert von 2,1 Milliarden Dollar.

Insbesondere der Einstieg in das Anleihenversicherungsgeschäft ist brilliant. Die bestehenden Versicherungen, wie z. B. MBIA (WKN: 874020) stehen am Rande der Insolvenz. Berkshire ist hoch liquide. So nutzt Buffett das Koma der Konkurrenz, um sich zu etablieren. Er wird nur Anleihen von erstklassigen Schuldnern versichern. Zudem möchte er nicht die Probleme der bestehenden Versicherer erben und wird ein neues Unternehmen aufbauen.

Hut ab, Warren, wir können immer noch viel von Dir lernen!

Auf gute Investments im Neuen Jahr!



Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Geschäftsführender Gesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Ziel des Instituts ist die Aktienanalyse und die Entwicklung von Aktienstrategien für Privatanleger.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Aktien in diesem Artikel

United Internet 9,9 -1,6%
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FUCHS PETROLUB vz 50,0
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