15.05.2008 15:18
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ROUNDUP 2: Bechtle gewinnt durch kauffreudige Mittelständler - Prognose steht

        (Neu: Interview mit Vorstandschef, Details, Kurs)

    NECKARSULM (dpa-AFX) - Der IT-Dienstleister Bechtle  ist im ersten Quartal kräftig gewachsen. Einen Sondereffekt ausgeklammert, konnte das Unternehmen auch seinen Gewinn steigern und bestätigte daraufhin die Jahresprognose. "Vor allem in unserem Kernsegment, dem Mittelstand, hat die Investitionsbereitschaft in den ersten drei Monaten des Jahres nicht nachgelassen", sagte Vorstandschef Ralf Klenk am Donnerstag in Neckarsulm. Im April sei der Auftragseingang ebenfalls weiter hoch gewesen, nur für den laufenden Monat sprach er gegenüber der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX von einem "etwas schwächeren" Geschäft, das aber im Rahmen der Erwartungen liege. Die Börsianer nahmen die Aussage dennoch zum Anlass für Verkäufe. Der Kurs bröckelte bis zum frühen Nachmittag um 3,78 Prozent auf 21,41 Euro ab.

    Bechtle steigerte den Quartalsumsatz binnen eines Jahres um 8 Prozent auf 336,9 Millionen Euro. Dazu trugen auch zwei Zukäufe bei. Diese ausgeklammert, wuchs das Unternehmen um 4,7 Prozent. Der Vorsteuergewinn (EBT), den Bechtle als entscheidende Ergebnisgröße ansieht, sank dagegen von 13,2 auf 12,0 Millionen Euro. Grund waren insbesondere Immobilienverkäufe, die vor einem Jahr das Ergebnis aufgebläht hatten. Diesen Sondereffekt ausgeklammert, stieg das EBT um knapp 13 Prozent. Unterm Strich verschlechterte sich der Gewinn von 9,0 auf 8,7 Millionen Euro. Einer Händlereinschätzung zufolge fiel die Zwischenbilanz insgesamt "marginal schlechter als erwartet" aus.

PROGNOSE BESTÄTIGT

    Bechtle will im laufenden Jahr weiterhin den Umsatz von knapp 1,4 auf "mindestens" 1,5 Milliarden Euro steigern und das EBT von 59 auf "circa" 60 Millionen Euro erhöhen. Beides wären neue Rekordzahlen. Voraussetzung, um die gesteckten Ziele zu erreichen, "ist jedoch unverändert ein anhaltend gutes konjunkturelles Umfeld in Europa", schränkte das Unternehmen ein. Zur Halbjahresbilanz soll die Prognose noch einmal überprüft werden. Grundsätzlich sehe er aber keine Abschwächung, sagte Vorstandschef Klenk gegenüber dpa-AFX. Er bestätigte die Ziele für 2010 (2 Milliarden Euro Umsatz) und 2020 (5 Milliarden Euro Umsatz).

    Das Unternehmen beliefert seit nunmehr 25 Jahren die öffentliche Hand sowie Unternehmen mit Computern und Zubehör. Zusammengefasst ist dieses Geschäft in der Sparte E-Commerce. Daneben betreibt das Unternehmen 54 Systemhäuser in Deutschland und der Schweiz, die den passenden Service anbieten. Beide Sparten steigerten von Januar bis März ihren Umsatz. Wegen einer Aufstockung des Personals litt allerdings das operative Ergebnis im Versandhandel, während die Systemhäuser ob einer besseren Auslastung und höherwertigen Dienstleistungen ihre Profitabilität erhöhen konnten. "Jeder Mitarbeiter mehr bedeutet auf Sicht auch mehr Umsatz", beruhigte Klenk jedoch.

BECHTLE ZIEHT ES INS AUSLAND

    Um die Wachstumsziele zu erreichen, zieht es Bechtle immer weiter ins Ausland. Für die Systemhäuser sucht Klenk einen Zukauf in Österreich. "Wir schauen uns nach mittelgroßen Unternehmen um", sagte er gegenüber dpa-AFX. Konkret bedeute dies einen Umsatz zwischen 30 und 40 Millionen Euro und 2 bis 3 Standorte, um auch in der Breite vertreten zu sein. "Wir haben im Moment allerdings niemanden im Visier", schränkte Klenk ein, "das kann sich aber schnell ändern."

    Im Versandhandel ist Bechtle beinahe in ganz Europa vertreten. In diesem Jahr sollen Irland und Portugal hinzukommen. "Portugal könnte für uns das Sprungbrett nach Brasilien sein", sagte Klenk im Hinblick auf die Sprache. Auch die asiatisch-pazifische Region nimmt der Vorstandschef ins Visier. "Vor allen Dingen Indien und China sind für uns interessant." Für dieses und das kommende Jahr schloss er einen Markteintritt dort aber aus. Im Gegensatz zu den Systemhäusern setzt Klenk in der Versandsparte auf Neugründungen statt auf Übernahmen.

FINANZIERUNG UND WIEDERVERMARKTUNG

    Frühestens ab dem Jahr 2010 will Bechtle zudem ins Geschäft mit der Finanzierung von Computersystemen einsteigen. "Wir sehen uns als der IT-Partner für den Mittelstand, wir wollen alles aus einer Hand bieten", sagte Klenk. Parallel will er die Wiedervermarktung von Hardware ausbauen, also die Rücknahme von gemieteten Geräten, deren Aufbereitung und anschließenden Weiterverkauf./das/wiz

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