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ROUNDUP 2: Daimler schickt mit Gewinnwarnung Aktie auf Talfahrt
STUTTGART (dpa-AFX) - Der Autokonzern Daimler hat sein Gewinnziel für das laufende Jahr deutlich gesenkt. Statt mit über 7,7 Milliarden Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) sei nur noch mit mehr als 7,0 Milliarden Euro zu rechnen, teilte das Unternehmen am Donnerstagmittag in Stuttgart mit. "Die Belastungen aus steigenden Rohstoffpreisen, starkem Euro und abkühlender Weltkonjunktur werde Daimler durch Absatzsteigerungen und Kostensenkungen nicht mehr voll ausgleichen können. Die Belastungen haben ein Ausmaß erreicht, das wir nicht mehr kompensieren können", sagte Vorstandschef Dieter Zetsche. "Das sind Risiken, die wir nicht kontrollieren können."
An der Börse schickte die Gewinnwarnung die Daimler-Aktie auf Talfahrt. Am späten Nachmittag lag das Papier mit 38,25 Euro 10,1 Prozent im Minus und war damit Schlusslicht im DAX , der um 0,9 Prozent absackte. Am Vormittag hatte die Aktie in Erwartung guter Halbjahreszahlen noch um bis zu knapp 3 Prozent zugelegt. "Die nackten Zahlen sind zwar besser als erwartet, aber die gesenkte EBIT-Prognose überschattet alles", sagte ein Händler. "Nachdem sich die Konkurrenz und insbesondere die stärker gefährdeten französischen Autobauer zuletzt eher optimistisch geäußert und ihre Ausblicke bestätigt hatten, wurde nicht mehr damit gerechnet, dass ausgerechnet Daimler als erster umfällt", fügte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler hinzu.
GEWINNRÜCKGANG ERWARTET
Bisher hatte Daimler ein EBIT aus laufendem Geschäft deutlich über Vorjahresniveau angekündigt. Dies hätte mindestens 7,7 Milliarden Euro bedeutet, konkretisierte Daimler nun die früheren Angaben. Insgesamt hatte der Konzern im vergangenen Jahr dank milliardenschwerer Sondererträge aus dem Verkauf von EADS-Aktien Anfang 2007 sogar ein EBIT von 8,7 Milliarden Euro erzielt. Verluste aus der Chrysler-Beteiligung seien in dem nun gesenkten Gewinnziel noch nicht enthalten.
Sowohl im Pkw- als auch im Nutzfahrzeugbereich rechnet Daimler mit einem niedrigeren Gewinn als 2007. In der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars werde die Umsatzrendite von 9,1 auf 8 Prozent schrumpfen. Grund sei die deutliche Abkühlung der Automärkte, die vor allem in Ländern wie Italien, Spanien und Großbritannien zuletzt unerwartet stark eingebrochen seien. "Im Mai sahen die Marktbedingungen insgesamt noch ganz in Ordnung aus. Im Juni hat sich das dann dramatisch gedreht", sagte Zetsche. "Im Juli sahen wir dann sogar noch eine Beschleunigung der Entwicklung." Ein Absatzrückgang im zweiten Halbjahr sei nicht auszuschließen.
PRODUKTIONSKÜRZUNG
Wegen der schleppenden Nachfrage werde Daimler nun auch die Produktion kürzen. "Wir haben uns entschieden, die Produktion herunterzufahren, um am Jahresende keine zu hohen Lagerbestände zu haben", sagte Zetsche. Dadurch solle gesichert werden, dass der Premium-Charakter der Marke Mercedes-Benz erhalten bleibe. Zudem erwägt der Konzern, die Preise anzuheben und so einen Teil der gestiegen Kosten an die Kunden weiterzugeben. "Wir müssen uns die Listenpreise ansehen, um die Kosten besser wiederzugeben." Als Premiumhersteller sei Daimler hier in einer deutlich besseren Position als Wettbewerber, die höheren Kosten an die Kunden weiterzugeben. "Wir werden sicher nicht die letzten sein, die an der Preisfront vorangehen - ganz im Gegenteil."
Im Nutzfahrzeugbereich werde von einem operativen Gewinn in der Größenordnung von zwei Milliarden Euro ausgegangen, nach 2,121 Milliarden Euro im Vorjahr. Beim Absatz gehe Daimler dagegen davon aus, die für 2008 gesteckten Ziele in allen Bereichen erreichen zu können. Sowohl bei Pkw als auch bei Nutzfahrzeugen soll der Absatz über Vorjahresniveau liegen und bei Bussen an den Vorjahreswert anknüpfen. Beim Umsatz wird weiter von einem leichten Anstieg gegenüber den 2007 erzielten 99,4 Milliarden Euro ausgegangen.
MITTELFRISTIGE ZIELE BESTÄTIGT
Auch an seinen mittelfristigen Renditezielen will der Konzern festhalten. Es bleibe bei den für 2010 angepeilten Renditezielen, sagte Zetsche. Die Umsatzrendite soll bei Mercedes-Benz Cars dann im Durchschnitt eines Konjunkturzyklus bei 10 Prozent liegen und bei Daimler Trucks bei 8 Prozent. "Ich muss aber hinzufügen: Wenn wir 2010 in einer sehr schlechten wirtschaftlichen Situation sind, dann sind wir natürlich nicht im Mittel des Zyklus." Das laufende Aktienrückkaufprogramm wolle Daimler trotz der Gewinnwarnung fortsetzen. "Ich sehen keinen Grund, die Pläne jetzt zu ändern." Auch ein neues Sparprogramm sei nicht notwendig.
Die zugleich vorgelegten Zahlen für das zweite Quartal fielen dagegen trotz eines Gewinnrückgangs sogar besser als erwartet aus. Der operative Gewinn schrumpfte um vier Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Von dpa-AFX befragte Analysten waren im Schnitt mit einem deutlich stärkeren Rückgang auf 1,9 Milliarden Euro ausgegangen. Der Umsatz legte um sechs Prozent auf 25,4 Milliarden Euro zu.
Unterm Strich stand ein Überschuss von 1,4 Milliarden Euro, ein Viertel weniger als vor einem Jahr. Grund für den deutlichen Rückgang waren vor allem Belastungen aus der Beteiligung an Chrysler, die mit einem Minus von 373 Millionen Euro zu Buche schlugen. Daimler hält noch knapp 20 Prozent an dem angeschlagenen US-Autobauer. Der Buchwert dieses Anteils lag Ende Juni noch bei 171 Millionen Euro./fj/sk
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