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ROUNDUP 2: Druck auf Deutsche Börse wächst - Aufsichtsratschef soll gehen
FRANKFURT/LONDON (dpa-AFX) - Die Deutsche Börse gerät wieder unter massiven Druck ihrer Großaktionäre. Der Hedgefonds TCI will Aufsichtsratschef Kurt Viermetz bei einer außerordentlichen Hauptversammlung abberufen und wird dabei informierten Kreisen zufolge von Atticus unterstützt. "Beide Großaktionäre arbeiten eng zusammen und sind übereinstimmend äußerst unzufrieden mit der Arbeit von Herrn Viermetz", erfuhr die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Freitag aus gut informierten Kreisen. "Seine Tauglichkeit als Aufsichtsratschef ist fragwürdig." Nach der nur knapp abgewendeten Pleite der Hypo Real Estate (HRE) herrsche Sorge, "weil er nicht nur HRE-Aufsichtsratschef ist, sondern auch dem Kontrollgremium bei einem so wichtigen Finanzkonzern wie der Deutschen Börse vorsteht", hieß es. Die Börse-Aktie stieg am Nachmittag mit dem Markt um rund 0,5 Prozent.
Am Vormittag hatte die Deutsche Börse, Betreiberin der Frankfurter Handelsplatzes, mitgeteilt, dass ihr ein Schreiben von TCI vorliege, das am 2. Oktober an den Aufsichtsratschef Viermetz geschickt worden sei - allerdings unvollständig. Zwar sei es auch an den Vorstand der Börse adressiert gewesen, aber die Anlagen nicht an diesen versandt worden. Daher hieß es zur TCI-Forderung einschränkend: Sofern das Verlangen von TCI formgerecht zugegangen sei, werde es der Vorstand auf seine Rechtmäßigkeit hin überprüfen und dann darüber entscheiden. Der reguläre Termin für die nächste ordentliche Hauptversammlung ist Mitte Mai 2009.
DREI SÄULEN DES GESCHÄFTSMODELLS
Der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Viermetz hatte erst Anfang September betont, an der bisherigen Struktur des Konzerns und insbesondere an den drei Säulen des Geschäftsmodells der Börse, dem Kassamarkt Xetra, der Terminbörse Eurex und dem Transaktionsabwickler Clearstream festzuhalten. Doch TCI und Atticus sind unzufrieden über die Entwicklung der Deutsche-Börse-Aktie und suchen nach neuen Möglichkeiten zur Wertsteigerung. Der Kurs des Titels ging nach einem spektakulären Höhenflug im Jahr 2007 wieder auf Talfahrt und büßte seit Anfang 2008 die Hälfte ihres Wertes ein. Angestrebt wurde etwa ein Sondergewinn durch den Verkauf des Kassamarktes.
Seit rund einem Monat kursieren Gerüchte, dass die zwei größten Aktionäre der Börse deren Zerschlagung vorantreiben wollen. Die Fonds seien unter Zugzwang, Kunden würden ihre Gelder zurückverlangen, hieß es am Markt zur Begründung. Auslöser dafür war eine Anfang September gegebene vage Mitteilung von TCI und Atticus, dass die Interessen beider Großaktionäre für weitere Wertsteigerungen bei der Börse nicht ausreichend berücksichtigt würden. Gemeinsam werde erwogen, möglicherweise Mitglieder im Aufsichtsrat auszutauschen, hatte es ohne Nennungen von Namen geheißen. Informierte Kreise hatten in erster Linie auf eine Unzufriedenheit mit Viermetz verwiesen. Für künftige abgestimmte Aktionen wurden die Stimmrechtsanteile beider Hedgefonds von rund zehn und neun Prozent zusammengelegt.
VIERMETZ WILL WOHL KANDIDIEREN
Viermetz scheint jedoch keineswegs an einen Rücktritt zu denken und will, wie das "manager magazin" Ende September berichtet hatte, nicht nur Aufsichtsratschef der Deutschen Börse bleiben, sondern auch für eine weitere dreijährige Amtszeit kandidieren. Weder die Deutsche Börse noch das Büro von Viermetz hatten dies kommentieren wollen. Um eine Wiederwahl des 69-jährigen Viermetz überhaupt zu ermöglichen, müsste allerdings zunächst die Altersgrenze von 70 Jahren für Aufsichtsräte abgeschafft werden.
Erstmals im Jahr 2005 hatte die Deutsche Börse die volle Macht und Entschlossenheit von TCI und Atticus zu spüren bekommen. Damals hatten die Hedgefonds die geplante Übernahme der Londoner Börse verhindert. Stattdessen wurden hohe Ausschüttungen an die Aktionäre durchgesetzt. Zudem veranlassten die beiden Hedgefonds, dass die Führungsspitze der Deutschen Börse - Konzernchef Werner Seifert und Aufsichtsratschef Rolf Breuer - ihren Hut nehmen mussten. Breuers Funktion übernahm daraufhin Viermetz. Zudem wurden auf Wunsch der Hedgefonds weitere Gremiumsmitglieder ausgetauscht./ck/mur/tw
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