07.05.2008 15:54
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ROUNDUP 2: Gewinneinbruch nimmt Commerzbank Hoffnung auf neues Rekordjahr

        (Aussagen aus Telefonkonferenzen, Aktienkurs)

    FRANKFURT (dpa-AFX) - Die anhaltenden Unsicherheiten auf den Finanzmärkten und ein kräftiger Gewinneinbruch zum Jahresauftakt haben der Commerzbank die Zuversicht auf ein neues Rekordjahr genommen. Nachdem der Überschuss sich im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr halbierte, kassierte die Commerzbank ihre optimistischen Ziele für 2008. "Es dürfte aus heutiger Sicht sehr schwer werden, das gute Ergebnis des Vorjahres wieder zu erreichen", sagte Vorstandschef Klaus-Peter Müller am Mittwoch in Frankfurt. Noch Ende März hatte er in Aussicht gestellt, den Rekordüberschuss des Vorjahres von 1,92 Milliarden Euro wieder zu erreichen oder gar zu übertreffen. Am Markt überwog dennoch die Erleichterung, dass negative Überraschungen ausblieben: Die Aktie der Commerzbank gehörte am Nachmittag mit einem Plus von knapp zwei Prozent auf 23,75 Euro zu den Gewinnern im DAX .

    Von Januar bis Ende März 2008 brach der Überschuss der Commerzbank wegen weiterer Abschreibungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise auf 280 Millionen Euro ein - im Vorjahr hatte er noch bei 609 Millionen Euro gelegen. Vor Steuern verdiente die Commerzbank 410 Millionen Euro nach 908 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Die operativen Erträge sanken um 22,5 Prozent auf 1,757 Milliarden Euro. Die Finanzkrise schlug in den ersten drei Monaten 2008 mit 244 Millionen Euro zu Buche. Insgesamt summieren sich die Abschreibungen auf Subprime-Papiere und andere verbriefte Produkte seit Beginn der Krise damit auf 827 Millionen Euro.

    Zusätzlich zehrten die Turbulenzen im Laufe des ersten Quartals die stillen Reserven der Bank komplett auf: Die sogenannte Neubewertungsrücklage rutschte bis Ende März sogar auf minus 280 Millionen Euro, nachdem sie Ende Dezember noch bei plus 903 Millionen Euro gelegen hatte. Finanzchef Eric Strutz wollte daher weitere Abschreibungen nicht ausschließen: Sobald Zahlungsstörungen bei einem Papier aufträten, das bislang in der Neubewertungsrücklage berücksichtigt sei, würden die Abschreibungen gewinnwirksam. Insgesamt habe sich das Umfeld verbessert, "die Märkte haben sich im April normalisiert", betonte der Finanzchef. Nach den überraschend starken Verwerfungen im März seien allerdings alle "ein bisschen eingeschüchtert".

MITTELFRISTIG AUF KURS

    Mittelfristig sieht sich die Commerzbank auf dem richtigen Kurs und zeigte sich zuversichtlich, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Strutz bekräftigte das Ziel, mittelfristig eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von mehr als 15 Prozent erzielen zu wollen. Im ersten Quartal lag sie bei 8,4 Prozent nach 19,7 Prozent im Vorjahr. Einen Grund, wie andere Banken wegen der Auswirkungen der Krise frisches Kapital aufzunehmen, sehe er nicht, betonte Strutz. Für den Fall, dass die Commerzbank bei einem möglichen Verkauf der Postbank  zum Zuge käme, schloss er eine Kapitalerhöhung allerdings nicht gänzlich aus: Es gebe aber Konstellationen, wo eine Kapitalerhöhung nicht notwendig wäre, wiederholte Strutz frühere Aussagen von Vorstandschef Müller. Zu den viel diskutierten möglichen Kombinationen bei einer Konsolidierung im deutschen Bankensektor wollte sich Strutz nicht äußern.

    Neben den Wertkorrekturen wirkte sich bei der Commerzbank im ersten Quartal auch die Restrukturierung der Hypothekenbank in Essen negativ aus. Die angepeilten Kosten von 150 Millionen Euro würden ausreichen, sagte Strutz. Gestützt wurde das Ergebnis im ersten Quartal durch den Buchgewinn aus dem Verkauf der französischen Vermögensverwaltungstochter CCR. Im operativen Geschäft profitierte das Institut weiterhin von einem starken Mittelstandsgeschäft sowie den Aktivitäten in Mittel- und Osteuropa, die erstmals in einer eigenen Sparte untergebracht sind. Mittelstand und Privatkunden seien weiterhin "verlässliche Ertragsbringer", hieß es. Schlechter sah es in der Staatsfinanzierung aus: Hier rutschte die Commerzbank in die roten Zahlen. Die Zahl der inländischen Kunden stieg bis Ende März um netto gut 100.000 auf 5,6 Millionen.

AKTIE ZÄHLT ZU TAGESGEWINNERN

   Die Zahlen wurden am Markt unterschiedlich bewertet, insgesamt überwog aber die Erleichterung, dass es keine großen negativen Überraschungen gab: "Die Zahlen sind nicht wirklich überzeugend, aber auch kein Desaster", sagte ein Händler. Positiv aufgenommen wurde unter anderem das Handelsergebnis, das weniger stark gesunken war als von den Analysten erwartet. Dass das Institut seine Prognose zurückgenommen hat, kam für die meisten Investoren nicht überraschend. "Andere Banken haben auch keinen konkreten Ausblick gegeben", sagte ein Analyst./sb/jb/he

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Commerzbank 22,7 -3,4%

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