10.07.2008 13:06
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ROUNDUP 2: Heidelberger Druck begegnet Flaute mit Verlagerung ins Ausland

        (Neu: Details aus Telefonkonferenz)

    HEIDELBERG (dpa-AFX) - Der Druckmaschinen-Hersteller Heidelberger Druck richtet sich nach einem Verlust im ersten Geschäftsquartal auf eine länger anhaltende Flaute ein. Ein 100 Millionen Euro schweres Sparprogramm, das aber erst ab dem Geschäftsjahr 2011/12 voll greift, soll die Durststrecke überwinden helfen. In dem Rahmen werden auch 500 der weltweit knapp 19.600 Stellen abgebaut; mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze fällt in Deutschland weg. Ein Teil der heimischen Produktion wird dabei in ausländische Werke verlagert. "In den Schwellenländern sehen wir weiterhin Wachstum und verstärken deshalb dort unsere Präsenz", sagte Vorstandschef Bernhard Schreier am Donnerstag in einer Telefonkonferenz.

    Kräftig aufstocken will Schreier vor allem die Produktionsstätte in China, wo heute 180 Menschen arbeiten. Daraus sollen in drei Jahren mehr als 500 werden. Die Werke in der Slowakei und in den USA mit jeweils rund 100 Mitarbeitern sollen je bis zu 70 neue Leute hinzubekommen. Größter Verlierer auf deutscher Seite wird das Werk in Mönchengladbach sein, wo Schreier "dramatische Einschnitte" ankündigte. An dem Standort produzieren 240 Beschäftigte Maschinen für die Weiterverarbeitung von Druckerzeugnissen, unter anderem Geräte zur Herstellung von Faltschachteln. Diese sollen künftig in der Slowakei produziert werden. Auch die beiden größten Standorte Wiesloch-Walldorf und Heidelberg müssen bluten, hier insbesondere die Verwaltung sowie die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen.

KÜNDIGUNGEN AUSGESCHLOSSEN

    "Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben, soweit wir das heute sagen können", sagte Schreier. Diese sind durch einen Zukunftssicherungsvertrag ohnehin bis 2012 ausgeschlossen. Stattdessen will der Konzernchef den Stellenabbau über das Auslaufenlassen befristeter Arbeitsverträge, Vorruhestand und "dort wo es Not tut" auch durch die Trennung von Leiharbeitern bewerkstelligen. Für Mönchengladbach schloss er die Zahlung von Abfindungen nicht aus, sollten die Mitarbeiter nicht an andere Standorte umziehen wollen.

    Heidelberger Druck leidet unter einer anhaltenden Kaufzurückhaltung in den Industrieländern, allen voran in den USA. Hintergrund ist die eingetrübte wirtschaftliche Stimmung infolge der Subprime-Krise. Die Branche stehe vor einer "anhaltenden Seitwärtsbewegung", sagte Schreier. Auch für die "nächsten zwei, drei Jahre" erwartet er keine merkliche Besserung, wenngleich er einräumte, dass er sich derzeit nicht mal für das laufende Geschäftsjahr eine genauere Prognose zutraut. Diese will er erst im November geben bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Klar ist für Schreier derzeit nur, dass Umsatz und Gewinn unter dem Vorjahr liegen werden.

AUFTRAGSEINGÄNGE BERUHIGEN NUR WENIG

    Neben der schwierigen Konjunkturlage belasten der schwache Dollar und die gestiegenen Rohstoffpreise das Unternehmen. Bereits im abgelaufenen Jahr war das Betriebsergebnis auf 268 Millionen Euro zurückgegangen und der Umsatz auf 3,67 Milliarden Euro gefallen. Heidelberger hatte seine Prognose mehrfach nach unten korrigieren müssen und damit bei vielen Anlegern Vertrauen verspielt. Neben dem bereits vor Monaten in Grundzügen angekündigten Sparprogramm versucht Konzernchef Schreier mit dem Ausbau des Service- und Verbrauchsmaterialiengesch äfts gegenzusteuern.

    Nachdem der Kurs am Morgen zeitweilig zweistellig eingebrochen war, lag er am Mittag noch 5,25 Prozent im Minus bei 12,63 Euro. Auch die Abschlüsse von der wichtigen Branchenmesse drupa konnten die Anleger letztlich nicht beruhigen. Von April bis Juni gingen insgesamt Bestellungen über 1,1 bis 1,15 Milliarden Euro ein nach 934 Millionen Euro vor einem Jahr. Aufgrund der Aufträge rechnet Heidelberger Druck im laufenden zweiten und kommenden dritten Geschäftsquartal mit einem "deutlich" besseren Abschneiden als zuletzt. Finanzvorstand Dirk Kaliebe ergänzte, er erwarte keinen Verlust in der laufenden Periode.

QVERLUST IM QUARTAL

    Von April bis Juni verlor Heidelberger Druck nach vorläufigen Zahlen operativ 35 bis 40 Millionen Euro nach einem betrieblichen Gewinn von 26 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank von 742 auf 640 bis 660 Millionen Euro. Das Unternehmen hatte die Börsianer allerdings bereits auf das schlechte Abschneiden vorbereitet, das neben dem rückläufigen Geschäft auch den hohen Kosten für die drupa sowie Entwicklungskosten für großformatige Maschinen geschuldet war.

    Neben der Verlagerung von Produktion ins Ausland, dem Rückfahren der Forschungs- und Entwicklungsausgaben um 10 Prozent und dem Stellenabbau insbesondere in der Verwaltung will Heidelberger Druck auch vermehrt außerhalb des Euro-Raums einkaufen, um sein Währungsrisiko zu senken. Statt heute 40 Millionen Euro soll künftig für 200 Millionen Euro auswärts eingekauft werden. Insgesamt gibt Heidelberger Druck 700 Millionen Euro aus.

BELASTUNG DURCH SPARPROGRAMM

    Im laufenden Geschäftsjahr 2008/09 wird das Sparprogramm nach Erläuterungen von Finanzchef Kaliebe unterm Strich aber erstmal zu einer Belastung von 60 Millionen Euro führen, 2009/10 dann zu Entlastungen von um die 45 Millionen Euro und erst nach 2010/2011 zu den vollen 100 Millionen Euro./das/zb

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