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ROUNDUP 2: Längster Tarifkonflikt im Einzelhandel beigelegt
Die Tarifpartner werten die Einigung für die 220.000 Beschäftigten in Baden-Württemberg als Pilotabschluss für 2,7 Millionen Beschäftigte der gesamten Branche. "Ich gehe davon aus, dass das Ergebnis auf die ganze Republik übertragen wird", sagte ver.di- Verhandlungsführer Werner Wild. Auch die Arbeitgeber zeigten sich zufrieden. "Wir sind erleichtert", sagte ein Arbeitgebervertreter. Die Hauptgeschäftsführerin des Einzelhandelsverbandes Baden- Württemberg, Sabine Hagmann, sagte: "Wir hatten eine sehr verfahrene Situation, die wir jetzt gelöst haben. Allerdings haben wir unsere ganzen Forderungen nicht so durchgekriegt, wie wir uns das vorgestellt haben."
REGELUNG FÜR ZUSCHLÄGE
Auch beim größten Streitpunkt, den Zuschlägen für Arbeit am Abend sowie an Wochenenden und Feiertagen, fanden die Tarifpartner eine Lösung. Die Spätzuschläge während der Woche bleiben unangetastet. Wie bisher gibt es von 18.30 Uhr an 20 Prozent mehr Geld und von 20.00 Uhr an Zuschläge von 50 Prozent. Am Samstag sollen künftig die Zuschläge von 20 Prozent erst ab 18.30 Uhr statt bisher von 14.30 Uhr an gezahlt werden. Von 20.00 Uhr an gibt es 50 Prozent. Der teilweise Wegfall der Zuschläge soll in den Jahren 2009 und 2010 jeweils mit 150 Euro kompensiert werden. Diese können die Beschäftigten entweder für ihre Altersversorgung verwenden, auf ein Langzeitkonto einzahlen oder sich in Form von Warengutscheinen auszahlen lassen.
Baden-Württemberg war in den vergangenen Wochen das einzige Bundesland, in dem es überhaupt noch Gespräche zwischen Arbeitgebern und der Gewerkschaft gab. Größter Zankapfel während des insgesamt 15 Monate dauernden Konflikts waren die Spätzuschläge. Ver.di fordert den Erhalt der bisherigen Regelungen, die Arbeitgeber wollen deutliche Einschnitte.
MANTELTARIF RÜCKWIRKEND IN KRAFT
Beim Entgelt war die Gewerkschaft mit der Forderung von 5,5 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten gestartet, mindestens aber 100 Euro mehr. Außerdem verlangte ver.di ein Mindesteinkommen von 1500 Euro pro Monat. Die Arbeitgeber hatten zuletzt rückwirkend vom 1. April 2008 an 2,5 Prozent mehr Geld geboten. Vom 1. April 2009 an sollten die Entgelte um weitere 2,5 Prozent steigen. Außerdem sah das Angebot für April 2007 bis März 2008 eine Einmalzahlung von 360 Euro vor.
Der Manteltarifvertrag wird rückwirkend ab 1. Januar 2007 mit einer Laufzeit bis Ende 2010 wieder in Kraft gesetzt. Dieser war in Baden-Württemberg zum 31. Dezember 2006 gekündigt worden. Der Entgelttarifvertrag war zum 31. März 2007 gekündigt worden.
STIFTUNG: LÄNGSTER STREIK SEIT 1949
In den vergangenen 15 Monaten sind nach Gewerkschaftsangaben in Deutschland rund 200.000 Beschäftigte der Branche für mehr Geld auf die Straße gegangen. Der Konflikt ist Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge der längste, der seit 1949 um den Abschluss eines Flächentarifvertrages geführt wurde. Dabei habe es etwa 5700 Streikaktionen geben.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte zum Tarifabschluss: "Der Abschluss im Einzelhandel zeigt einmal mehr, dass die Tarifautonomie in Deutschland funktioniert. Auch wenn lange um eine Lösung gerungen wurde, sind die Tarifparteien aus eigener Kraft zu einem Ergebnis gekommen, das den Interessen beider Seiten Rechnung trägt." Er sehe allerdings die Gefahr, dass es mit den geplanten staatlichen Mindestlöhnen zukünftig schwerer würde, solche Verträge auszuhandeln./sba/DP/stw
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