23.07.2008 12:54
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ROUNDUP 2: Merck hält trotz Belastungen durch starken Euro an Ausblick fest

        (Neu: Aussagen von Finanzvorstand Michael Becker, Analystenkommentare)

    DARMSTADT (dpa-AFX) - Die Pharma- und Spezialchemiegruppe Merck sieht ungeachtet des deutlichen Gegenwindes durch den starken Euro keinen Grund, die für 2008 angepeilte Prognose nach unten anzupassen. "Die Merck-Gruppe erzielte im zweiten Quartal trotz ungünstiger Wechselkurse ein solides Wachstum der Gesamterlöse, zu dem alle vier Sparten beigetragen haben", sagte der Vorsitzende der Merck KGaA-Geschäftsleitung Karl-Ludwig Kley am Mittwoch. "Daher rechnet Merck weiterhin damit, die genannte Prognose für 2008 zu erreichen." 2008 erwartet Kley beim Gesamtumsatz unverändert ein Wachstum von 5 bis 9 Prozent. In der lukrativen Sparte mit den Flüssigkristallen (Liquid Crystals) sei 2008 die Obergrenze der Prognosespanne für die Umsatzrendite kaum noch zu halten, sagte Finanzvorstand Michael Becker in einer Telefonkonferenz. Bis zum späten Vormittag gaben Merck-Titel 4,05 Prozent auf 77,62 Euro nach und gehörten damit zu den wenigen Kursverlierern im DAX.

BECKER: 52 PROZENT BEI UMSATZRENDITE "KAUM NOCH ERREICHBAR"

    Negative Währungseffekte belasteten den im DAX  notierten Konzern aus dem hessischen Darmstadt weiterhin maßgeblich: Becker sieht deshalb das obere Ende der Prognosespanne für die Umsatzrendite der Flüssigkristall-Sparte (LC) von 52 Prozent im laufenden Jahr als "kaum noch erreichbar" an. Im zweiten Quartal lag die Marge mit 45 Prozent (VJ: 55) zwar weiterhin auf einem hohen Niveau - blieb aber hinter dem von Merck angepeilten Zielkorridor von 47 bis 52 Prozent für 2008 und hinter den Analystenschätzungen von 49 Prozent für das Quartal zurück. Die 45 Prozent seien ein "Ausreißer und keine Indikation für die Entwicklung im zweiten Halbjahr 2008", so der Finanzvorstand weiter.

    Das Fehlen einer Absicherung gegen Währungseffekte wirkt sich unmittelbar auf die Flüssigkristalle aus: Während das Umsatzplus im LC-Geschäft im zweiten Quartal in Landeswährung 21 Prozent betrug, erreichte das Wachstum in Euro 7,0 Prozent. Merck verbuchte im zweiten Quartal in der Sparte einen Umsatz von 238 Millionen Euro. Das operative Ergebnis sackte um 13 Prozent auf 107 Millionen Euro ab. 2008 soll sich das Wachstum der Gesamterlöse bei Liquid Crystals unverändert zwischen 5 Prozent und 10 Prozent bewegen.

    Merck produziert die Kristalle ausnahmslos am Standort Darmstadt, die Endmischung erfolgt dagegen in Asien. Da die meisten Erlöse in US-Dollar, Yen (Japan) und Won (Südkorea), ein Großteil der Aufwendungen dagegen in Euro verbucht werden, ist diese Sparte nur begrenzt gegen Währungseffekte abgesichert. Merck ist mit einem Anteil von zwei Drittel des Weltumsatzes die Nummer 1 im Geschäft mit den Kristallen, die nicht nur in LCD-Fernsehern, sondern auch in Notebooks, PC-Monitoren und Handys eingesetzt werden.

GRÖSSERE PHARMASPARTE MIT ERBITUX UND REBIF-UMSATZPLUS    

    Negative Währungseffekte beeinträchtigten auch die Gesamterlöse: Organisch verbuchte Merck ein Umsatzplus von 12 Prozent - durch die Umrechnung in Euro lag der Anstieg jedoch bei 6,1 Prozent auf 1,903 Milliarden Euro (VJ: 1,8). Das operative Ergebnis der Gruppe sei im zweiten Quartal um 15,5 Prozent auf 320,5 Millionen Euro gestiegen und blieb damit hinten den durchschnittlichen Analystenerwartungen von 330 Millionen Euro zurück. Das Ergebnis nach Fremdanteilen erhöhte sich von 85,5 Millionen Euro im Vorjahr auf 207,4 Millionen Euro. Merck hatte im Vorjahresquartal wegen der Übernahme des Schweizer Biotech-Unternehmens Serono Sonderbelastungen in Millionenhöhe verbucht, die das Ergebnis nach Fremdanteilen um 84 Prozent gedrückt hatten.   

    Merck verbuchte im zweiten Jahresviertel mit seinem wichtigsten Medikament, dem Multiple-Sklerose-Mittel Rebif, einen weltweiten Umsatzanstieg von 2,8 Prozent auf 320 Millionen Euro. Das Krebsmittel Erbitux - ein Konkurrenzmittel zu Avastin von Roche - brachte Merck einen Umsatz in Höhe von 145 Millionen Euro. Dies war ein Plus von 24 Prozent. Für 2008 bekräftigte Becker die Umsatzerwartung für Erbitux von 600 Millionen Euro. Merck erwartet von der zum deutlich größeren Pharmageschäft gehörenden Biopharmazie-Sparte Merck Serono 2008 ein Wachstum der Gesamterlöse von 7 bis 11 Prozent. Die Umsatzrendite abzüglich der Abschreibungen und Integrationskosten soll 2008 zwischen 23 und 27 Prozent liegen.

UNICREDIT BESTÄTIGT KAUFEMPFEHLUNG

    Analyst Markus Mayer von der UniCredit beließ sein Votum für Merck auf "Buy" und das Kursziel bei 95,00 Euro. Die Zahlen seien wegen Währungseffekten unter den Erwartungen geblieben. Besonders die Sparten Flüssigkristall (LC), Consumer Health Care und Performance Life Science seien von diesem negativen Effekt betroffen gewesen. Die starken Verkäufe des Krebsmittels Erbitux seien jedoch positiv und auch die Umsätze in der LC-Sparte hätten angezogen. Mayer hat mit einer negativen Kursreaktion gerechnet, bleibt aber optimistisch für die zukünftigen Aussichten von Merck. Auch equinet hielt an seiner Empfehlung fest. Analyst Martin Possienke beließ die Papiere bei "Hold" und das Ziel bei 90,00 Euro. Merck habe bei Pharma besser abgeschnitten als erwartet, dafür habe sich die LC-Sparte schlechter entwickelt. Merck dürfte aber seine Jahresprognose für die Gruppe erreichen, schrieb Possienke. Unterm Strich sei es jedoch zu früh wieder in die Aktie einzusteigen./ep/zb

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