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ROUNDUP 2: Postbank will Klarheit über ihre Zukunft - Krise hinterlässt Spuren
BONN (dpa-AFX) - Die heiß umworbene Deutsche Postbank erhöht den Druck auf die Post , schnell zu einer Entscheidung über die Zukunft ihrer Banktochter zu kommen. Finanzchef Marc Heß sagte am Donnerstag, er würde es begrüßen, wenn es zu einem schnellen Beschluss käme. Bei strategischen Überlegungen wie etwa geplanten Zukäufen sei die Postbank "nicht wirklich frei". Auch die Aktionäre forderten auf der Hauptversammlung ein schnelles Ende der "Hängepartie". Im Auftaktquartal bekam die Postbank die verschärfte Finanzkrise zu spüren und verzeichnete einen Gewinneinbruch - übertraf aber die Markterwartungen. Für den weiteren Jahresverlauf sieht die Post-Tochter weitere Belastungen, bekräftigte aber zumindest die operativen Ziele und zeigte sich auch mittelfristig unverändert zuversichtlich. Die Aktie der Postbank lag am Nachmittag an der DAX-Spitze .
Heß äußerte am Morgen grundsätzliches Interesse am deutschen Geschäft der US-amerikanischen Großbank Citigroup, sollte dieses zum Verkauf stehen. "Wenn wir frei wären in der Entscheidung, würden wir es uns anschauen. Es würde perfekt zu uns passen." Die Post prüft derzeit für ihre Banktochter alle Optionen inklusive eines Verkaufs. Der neue Bank-Chef Frank Appel hatte Anfang der Woche betont, die Postbank solle "nicht in Hast oder Eile oder gar unter Wert" verkauft werden. Die Postbank-Aktionäre kritisierten auf der Hauptversammlung die Ungewissheit. "Ich frage mich, ob es für das operative Tagesgeschäft, aber auch für strategische Maßnahmen förderlich ist, wenn so eine Hängepartie anhält", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Carsten Heise. Die Postbank könne nur sehr eingeschränkt reagieren, wenn unklar sei, wie es weitergeht. "Ich möchte Sie, Herrn Appel, bitten zu sagen, was Sie mit der Postbank vorhaben."
BEWERBER STEHEN SCHLANGE
Bewerber um die Postbank stehen unterdessen bereits Schlange, wäre ein Kauf doch eine der wenigen Möglichkeiten, im hart umkämpften deutschen Privatkundenmarkt auf einen Schlag kräftig Marktanteile zu sammeln. Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben ihr Interesse bekundet, laut Medienberichten sollen auch die Allianz und ausländische Institute interessiert sein. Die Regierungskoalition macht sich für eine nationale Lösung für die Post-Tochter stark. Postbank-Chef Klein selbst hatte sich aber kürzlich auch offen für eine europäische Lösung gezeigt.
Aktionärsvertreter Heise betonte, dass die Postbank durchaus das Potenzial habe, auch ohne einen großen Partner weiterzumachen. Zwar habe die Finanzkrise Spuren hinterlassen. „Aber die Postbank hat es nicht umgehauen.“ Das Vorsteuerergebnis der Postbank brach im ersten Quartal wegen Auswirkungen der Krise um ein Viertel auf 166 Millionen Euro ein. Unter dem Strich verdiente das Institut mit 116 Millionen Euro rund 19 Prozent weniger. Mit beiden Werten übertraf die Postbank allerdings die Markterwartungen. „Der negative Trend an den Kapitalmärkten hat sich im ersten Quartal 2008 deutlich beschleunigt“, sagte Vorstandschef Wolfgang Klein auf der Hauptversammlung in Köln. Die Finanzkrise schlug zum Jahresauftakt mit insgesamt 174 Millionen Euro zu Buche, der Großteil dieser Belastungen sei aber auf vorübergehende Wertschwankungen zurückzuführen. Zudem belastete die Krise mit mehr als 600 Millionen Euro die Neubewertungsrücklage.
KRISE KEINESFALLS ÜBERSTANDEN
Die Postbank habe die negativen Effekte der internationalen Finanzkrise bisher "in vergleichsweise engen Grenzen" halten können, sagte Klein. Dies sei auch einem "konservativen Investmentansatz" und "gutem Risikomanagement" zu verdanken. Dennoch sei die Kapitalmarktkrise keinesfalls überstanden. "Das Bankenjahr 2008 wird kein einfaches werden, und auch die Postbank kann weitere finanzielle Auswirkungen von Marktturbulenzen für die kommenden Quartale nicht ausschließen", sagte Klein. Für das laufende Jahr bestätigte die Postbank ihr Ziel eines operativen Vorsteuerergebnisses von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro. Für das angepeilte Gesamtergebnis vor Steuern inklusive Sonderfaktoren wie Belastungen durch die Krise blieb das Institut angesichts der volatilen Märkte aber vorsichtig: "Hier ist es derzeit noch zu früh für eine konkrete Prognose", sagte Klein. Mittelfristig sei die Postbank "bestens aufgestellt".
Im operativen Geschäft trotzte die größte deutsche Filialbank dem harten Wettbewerb. Zins- und Provisionsüberschuss legten zu, Risikovorsorge und Verwaltungskosten fuhr das Institut zurück. Gestützt wurde das Ergebnis in den ersten drei Monaten vom Kerngeschäft mit Privatkunden. Das Geldinstitut verkaufte mehr kostenlose Girokonten, allerdings gewann die Postbank mit 196.000 (262.000) weniger Neukunden als im Vorjahreszeitraum. Unzufrieden zeigten sich die Aktionäre mit der Dividende. Seit dem Börsengang 2004 wurden bisher jedes Jahr unverändert jeweils 1,25 Euro je Aktie ausgeschüttet. Klein stellte den Aktionären mittelfristig eine Erhöhung in Aussicht.
AKTIE DEUTLICH IM PLUS
Die Aktie der Postbank legte bis zum Nachmittag 2,63 Prozent auf 59,73 Euro zu. Marktteilnehmer sprachen von einer soliden Geschäftsentwicklung und besser als erwarteten Zahlen. Die UniCredit bestätigte ihre Kaufempfehlung für das Papier. Das erste Quartal sei zwar durch die Finanzmarktkrise belastet worden, habe seine Erwartungen aber mehr als erfüllt, schrieb Analyst Andreas Weese in einer Studie vom Donnerstag. Das Kursziel liege weiter bei 76 Euro. Das Finanzinstitut benötige derzeit kein frisches Kapital, da die Kernkapitalquote (Tier 1 Ratio) sogar leicht besser als erwartet ausgefallen sei, so der Experte weiter./sb/zb
| 16.05.2008 | Deutsche Postbank neues Kursziel | Credit Suisse Group | |
| 13.05.2008 | Deutsche Postbank kaufen | Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) | |
| 13.05.2008 | Deutsche Postbank Downgrade | UBS AG | |
| 13.05.2008 | Deutsche Postbank hold | Citigroup Corp. | |
| 09.05.2008 | Deutsche Postbank buy | Société Générale Group S.A. (SG) |
Aktien in diesem Artikel
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