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ROUNDUP 2: Siemens opfert Prager Bahnwerk - Deutsche Standorte gerettet
ERLANGEN/KREFELD/PRAG (dpa-AFX) - Der Technologiekonzern Siemens opfert beim anstehenden Stellenabbau sein Bahnwerk in Prag. Dafür bleiben alle deutschen und österreichischen Standorte der schlingernden Verkehrstechnik-Sparte erhalten, aber auch sie müssen Einschnitte hinnehmen. "Bei der notwendigen Neuordnung werden Überkapazitäten in unseren Werken wegfallen", sagte Spartenchef Hans- Jörg Grundmann am Mittwoch in Erlangen. Damit solle der offiziell Mobility genannte Konzernteil langfristig wettbewerbsfähig gemacht werden.
Bereits am Vortag hatte die IG Metall über die Eckpunkte von Beratungen mit dem Gesamtbetriebsrat und der Unternehmensleitung informiert. Kernpunkte waren der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und der Erhalt vorerst aller Werke in Deutschland. Bei der Zahl der insgesamt betroffenen Stellen bleibt es aber. Siemens will weltweit 16.750 Stellen streichen, davon 5.250 in Deutschland. Einzelheiten waren am Dienstag zunächst nicht genannt worden, da am Mittwoch noch die Betriebsräte in Krefeld informiert werden sollten.
Personalvorstand Siegfried Russwurm bestätigte nach den Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern am Mittwoch in Krefeld, dass das Segment Industrie Montage Services (SIMS) erhalten bleibt. Weitere Einzelheiten teilte er zunächst aber nicht mit.
In der Verkehrstechniksparte trägt nun Prag mit seinen 950 Beschäftigten die Hauptlast des Stellenabbaus in der Fertigung. Das Werk soll entweder verkauft oder notfalls geschlossen werden. "Es gibt Interessenten vor Ort", sagte ein Konzernsprecher am Mittwoch auf Anfrage der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Die konkreten Gespräche fangen aber jetzt erst an." Bis zum September 2009 will Siemens sich von dem tschechischen Werk getrennt haben. Dort werden Regionalzüge und Zulieferteile für den ICE-Nachfolger Velaro hergestellt.
Die Sparte war in der Vergangenheit immer wieder negativ aufgefallen. So hatte sie im zweiten Geschäftsquartal insbesondere wegen andauernder Reparaturarbeiten an der fehlkonstruierten Straßenbahn Combino einen Verlust von 153 Millionen Euro eingefahren. Daraufhin hatte die Konzernspitze das Sparprogramm "Mobility in Motion" verordnet. In dem Zuge fallen in Produktion und Konstruktion 1800 Arbeitsplätze weg. Hinzu kommen weitere 700 in Verwaltung und Vertrieb.
Die Produktion von Schienen-Fahrzeugen wird auf die verbleibenden Zugtechnik-Standorte konzentriert: In Krefeld-Uerdingen werden Aluwagen hergestellt wie der Combino, in Wien Fahrzeuge aus Stahl und in München Lokomotiven. Kundennahe Fertigungen wie in Sacramento sollen ebenfalls erhalten bleiben; von dort aus beliefert der Konzern den wachsenden Nahverkehrsmarkt in den USA mit Straßenbahnen. Zulieferteile kommen weiter aus Graz.
Trotz des Zuschlags für die Alufertigung muss hierzulande vor allem Krefeld-Uerdingen unter dem Stellenabbau leiden. Dort werden 220 der 2000 Arbeitsplätze in der Fertigung abgebaut. Die weiteren 630 in Deutschland und Österreich wegfallenden Stellen im Produktion und Konstruktion verteilen sich auf Braunschweig, Nürnberg, Erlangen, Berlin, Offenbach, Konstanz, Düsseldorf, Wien und Graz. Einzig München bleibt verschont. "Das Werk ist voll ausgelastet", begründete dies der Siemens-Sprecher. Insgesamt hat Siemens in allen genannten Werken gut 12.400 Stellen. Neben Zügen und Straßenbahnen fertigen die Mitarbeiter unter anderem Ampelanlagen und Gepäckförder-Systeme für Flughäfen. /das/tw/mf/sb
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