BERLIN (dpa-AFX) - In Deutschland gibt es trotz des Streits zwischen dem russischen Konzern Gazprom und der Ukraine derzeit keine Gas-Lieferengpässe. "Die Gasversorgungsunternehmen bekommen zu hundert Prozent die Lieferungen, die sie auch bestellt haben", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Montag in Berlin. Auch der größte deutsche Erdgasversorger E.ON Ruhrgas sowie RWE bestätigten, dass sich der Streit bisher keine Auswirkungen für sie für Deutschland zeige. Die Bundesregierung stehe weiter in engem Kontakt mit den betroffenen Regierungen und Unternehmen, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Am Dienstag könnte es ein Gespräch von Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew mit dem Wirtschaftsministerium geben. Der russische Konzern habe um ein Treffen gebeten, sagte die Sprecherin. Am Montag wollte zudem eine Abordnung der Europäischen Union in Kiew mit Vertretern der ukrainischen Seite über die Folgen der Auseinandersetzung beraten, sagte ein Sprecher der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft in Brüssel. Spätestens am Dienstag will die Delegation - angeführt von Tschechiens Industrie- und Handelsminister Martin Riman - auch mit Gazprom-Vertretern sprechen.
JEDEN TAG NEUE KONTROLLEN
Bei E.ON Ruhrgas sagte ein Sprecher am Montag, das Unternehmen habe die angeforderten Mengen aus Russland in vollem Umfang erhalten. Das E.ON-Tochterunternehmen kontrolliere die Lieferungen aber jeden Tag neu. Ob und wann es in Westeuropa zu Lieferengpässen kommen könnte, ließe sich nicht sagen. Die Versorgung der Kunden von E.ON Ruhrgas sei sichergestellt. Neben Russland, von wo das Unternehmen mit 26 Prozent den größten Anteil bezieht, erhält E.ON Ruhrgas noch Erdgas aus Norwegen, den Niederlanden, Deutschland, Großbritannien und Dänemark. Außerdem stehen den Angaben nach zwölf einsatzbereite Erdgasspeicher zur Verfügung.
Bei RWE gab es bisher ebenfalls keine Auswirkungen für den deutschen Markt. Bei der RWE-Tochter Transgas in Tschechien habe es indes minimale Schwankungen gegeben, die aber durch Reserven und Lieferungen aus Norwegen hätten kompensiert werden können, sagte ein Sprecher. Die Schwankungen kämen aber "immer mal" vor und ließen sich nicht eindeutig auf den Streit zurückführen. RWE bezieht den Angaben nach ein gutes Drittel seiner Gaslieferungen aus Russland./sc/tb/ff/tw