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21.05.2008 18:12
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ROUNDUP: Deutsche Börse darf sich stärker verschulden - HV für neue Struktur

        FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Börse  kann künftig über eine stärkere Eigenverschuldung zusätzliches Kapital an ihre Aktionäre ausschütten. Zudem hat sie sich auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Frankfurt nun auch größeren Spielraum zur Finanzierung von Übernahmen geschaffen. Um dies zu ermöglichen, stimmten die Aktionäre des Börsenbetreibers einer neuen Konzernstruktur zu; die Deutsche Börse selbst hatte den Weg dazu im März freigemacht.

    Durch die geänderte Struktur kann die teilweise als Bank tätige Abwicklungstochter Clearstream nun ihr notwendiges sehr gutes Kreditrating behalten, auch wenn sich die Deutsche Börse stärker verschuldet. Damit haben sich die Großaktionäre, insbesondere die Hedgefonds Atticus und TCI, letztlich ein weiteres Mal durchgesetzt - auch wenn einst die geforderte Abspaltung von Clearstream damit nicht umgesetzt werden wird. Bereits im Jahr 2005 hatten sie die Übernahme der Londoner Börse LSE  zum Scheitern gebracht, die Führungsspitze Werner Seifert und Rolf Breuer entmachtet und zahlreiche Sonderausschüttungen erzwungen.

FRANCIONI: 'KONSOLIDIERUNG KEIN SELBSTZWECK'

    Neben einem möglichen zusätzlichen Geldregen für die Anteilseigner soll die neue Struktur die Börse vor allem auch "aktionsfähig" machen, falls sich ein neues Akquisitionsobjekt finde, wie es ein Aufsichtsrat im März formulierte. Allerdings betonte Börsenchef Reto Francioni während der Aktionärsversammlung erneut, dass zwar das oberstes Ziel der Unternehmensstrategie Wachstum sei, in erster Linie aber auf operativer Ebene. "Konsolidierung ist wichtig, aber Konsolidierung ist kein Selbstzweck. Wir setzen vor allem auf Kostendisziplin, effizientes Management und eine effiziente Kapitalstruktur", sagte Francioni.          Operativ wachsen wolle die Börse in erster Linie dadurch, dass die Handels- und Abwicklungstechnologien modernisiert und neue Produkte aufgelegt werden. Zudem will sich die Börse aber auch neue Märkte erschließen. "Dabei werden wir auch die am schnellsten wachsenden Kapitalmärkte der Welt in Mittel- und Osteuropa, in Nahost und Asien weiter im Auge behalten", sagte der Börsenchef weiter.

AUFSICHTSRAT WIRD VERKLEINERT

    Zugleich wurden auf dem diesjährigen Aktionärstreffen, auf dem insgesamt 51,7 Prozent des stimmberechtigten Kapitals anwesend war, auch einige Änderungen beschlossen, mit denen die Kosten weiter gesenkt werden sollen: So stimmten die Anteilseigner der Verkleinerung des Aufsichtsrats ab Mai 2009 von derzeit 21 auf dann 18 Mitglieder zu. Kritische Stimmen aus den Reihen der Aktionären forderten sogar eine weitergehende Schritte: "18 sind immer noch zu viel", sagte einer von ihnen, denn das seien "18 Kontrolleure für 6 Leute, die hier arbeiten, also drei für jeden Vorstand". Die Deutsche Börse hat derzeit den größten Aufsichtsrat der 30 DAX-Konzerne.

    Auch der Umzug von Frankfurt-Hausen nach Eschborn wurde von den Anteilseignern zu nahezu 100 Prozent abgesegnet. Durch beide Vorhaben kann die Börse ihre Kosten im Sinne des Effizienzprogramms weiter senken. Geplant ist für 2008 bereits die Einsparung von 50 Millionen Euro. Ab 2010 sollen dann jährlich jeweils 100 Millionen Euro eingespart werden.

AKTIENRÜCKKÄUFE GENEHMIGT

    Bis zum 31. Oktober 2009 hat die Deutsche Börse außerdem nun auch wieder die Möglichkeit, eigene Aktien in Höhe von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals zurückzukaufen und diese gegebenenfalls zur Kapitalherabsetzung einzuziehen. Beschlossen wurde auch die Dividende je Aktie für 2007 von 2,10 Euro nach 1,70 Euro im Vorjahr, was einer Ausschüttungsquote vor Sonderposten von 51 Prozent entspricht. "Generell streben wir weiterhin eine Dividendenausschüttungsquote von 40 bis 60 Prozent des Konzern-Jahresüberschusses an", wiederholte Francioni.

    Mit Blick auf den durch die EU-Finanzmarktrichtlinie ausgelösten zunehmenden Wettbewerb innerhalb der Börsen- und Clearinghaus-Betreiber sieht sich die Deutsche Börse insgesamt sehr gut gerüstet. Dabei habe sich das integrierte Geschäftsmodell, das neben dem Handel auch Nachhandelsaktivitäten wie Abwicklung und Verwahrung umfasst, immer wieder bewährt, sagte Francioni. "Unser Geschäftsmodell hat sich, gerade auch in den Marktturbulenzen der letzten Monate, als sehr robust erwiesen." Dass Clearstream also durch den Beschluss, die Konzernstruktur zu verändern, letztlich im Konzern verbleiben kann, ist damit nur folgerichtig./ck/tw

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