29.04.2008 18:00
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ROUNDUP: Finanzkrise beutelt deutsche Banken - Auch Deutsche Bank mit Verlust

        FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Finanzmarktkrise beutelt Deutschlands Banken zunehmend - und ein Ende der Turbulenzen ist auch nach Einschätzung führender Banker nicht in Sicht. Selbst der bisher weitgehend ungeschorene Branchenprimus Deutsche Bank rutschte im Auftaktquartal 2008 erstmals seit fünf Jahren in die Verlustzone und wagt keinen Ausblick mehr auf das Gesamtjahr. Auch bei der Allianz- Tochter Dresdner Bank sind die Löcher größer als erwartet. Die haarscharf der Pleite entronnen Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB schrieb im ersten Halbjahr ihres Geschäftsjahres 2007/2008 (31.3.) tiefrote Zahlen. Anders die Privatbankiers: Wie andere dieser Häuser legte auch Europas größte Privatbank Sal. Oppenheim am Dienstag ein Rekordergebnis vor. Doch den meisten Geschäftsbanken in Deutschland dürfte die anhaltende Krise nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's auch in den nächsten Monaten das Geschäft verderben.

    "Kurzfristig sind die Aussichten in höchstem Maße unsicher", schrieb Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in einem am Dienstag veröffentlichten Brief an die Aktionäre. Im Auftaktquartal rissen neue Milliardenabschreibungen Löcher in die Bilanz des DAX-Konzerns und sorgten für einen Vorsteuerverlust von 254 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: plus 3,2 Mrd Euro). Unterm Strich stand ein Minus von 141 Millionen Euro (plus 2,1 Mrd Euro). "Im ersten Quartal 2008 war die Lage an den Finanzmärkten so schwierig wie noch nie zuvor in der jüngeren Geschichte", bilanzierte Ackermann.

VERKAUF VON AKTIENPAKTEN

    Vor einem noch tieferen Sturz in die roten Zahlen rettete sich die größte deutsche Bank vor allem durch den Verkauf von Aktienpakten (Daimler , Allianz, Linde), der insgesamt knapp 900 Millionen Euro in die Kasse spülte. Auch ein besseres Privatkundengeschäft und geringere Personalkosten - dies vor allem dank geringerer Bonuszahlungen für die lange erfolgsverwöhnten Investmentbanker - glichen die Einbußen teils aus.

    Die Deutsche Bank musste von Januar bis Ende März weitere 2,7 Milliarden Euro abschreiben. Damit summierten sich die Belastungen infolge der seit Sommer anhaltenden Krise inzwischen auf insgesamt rund fünf Milliarden Euro. Im internationalen Vergleich ist dies dennoch überschaubar: Die Citigroup musste allein im ersten Quartal 16 Milliarden Dollar (knapp 10 Mrd Euro) abschreiben, die UBS kündigte sogar 19 Milliarden Dollar Belastungen an.

ZIELE DER ALLIANZ INS WANKEN GEBRACHT

    Auch beim Allianz-Sorgenkind Dresdner Bank riss die Finanzkrise weitere Löcher. Im ersten Quartal musste die Frankfurter Großbank nach Angaben der Allianz 900 Millionen Euro abschreiben und damit deutlich mehr als die zuletzt erwarteten 300 bis 400 Millionen Euro. Dem Versicherungskonzern Allianz bescherte das einen Gewinneinbruch von 3,2 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf 1,1 Milliarden Euro. Die Probleme der Tochter, um die es nach der Ankündigung ihrer Aufspaltung in zwei Teile wieder verstärkt Verkaufsspekulationen gegeben hatte, bringen auch die Ziele der Allianz ins Wanken.

    Ein Ende der Krise ist nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chef Ackermann noch nicht in Sicht. Die Kredit- und Liquiditätslage bleibe angespannt, die Zurückhaltung der Investoren halte an. Kürzlich habe es aber "auch einige ermutigende Entwicklungen" gegeben: So konnte etwa die Deutsche Bank im April erstmals wieder Kredite für fremdfinanzierte Übernahmen verkaufen.

'AUSBLICK FÜR DEUTSCHE BANKEN EINGETRÜBT'

    Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) ist aber überzeugt: "Der Ausblick für die deutschen Banken hat sich eingetrübt." Weitere Abschreibungen auf Wertpapiere seien wahrscheinlich. S&P geht davon aus, dass die Vorsteuerergebnisse bei vielen großen deutschen Banken weiter zurückgehen werden und durchschnittlich um etwa 10 bis 20 Prozent unter die Werte des Jahres 2007 fallen werden.

    Bei der zum Verkauf stehenden IKB  entstand von April bis Ende September 2007 nach Steuern ein Verlust von 1 Milliarde Euro - trotz der Übernahme von Risiken durch einen Bankenpool in Höhe von 2,2 Milliarden Euro. Nach Angaben von Vorstandschef Günther Bräuning haben neun strategische Bieter und Finanzinvestoren "substanzielles Interesse" am Erwerb der IKB gezeigt. Das Institut war im Zuge der Verwerfungen am Markt für zweitklassige US-Hypothekenkredite (subprime) in eine existenzbedrohende Schieflage geraten und nur dank mehrerer Milliardenspritzen gerettet worden./jb/DP/sc

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