22.07.2008 16:54
Drucken |

Schrift:

ROUNDUP: Mobilfunk-Branche schwächelt - Vodafone und Ericsson enttäuschen

        LONDON/STOCKHOLM (dpa-AFX) - Die erfolgsverwöhnte Mobilfunk-Branche wird von den Konjunkturproblemen in den USA und Europa eingeholt. Mit dem Mobilfunk-Anbieter Vodafone   und dem Netzwerk-Ausrüster Ericsson   zeigten sich am Dienstag zwei Weltmarktführer pessimistisch für das kommende Geschäft. Ericsson meldete zudem einen Gewinneinbruch von 69 Prozent. Auch Zulieferer sind betroffen: Der amerikanische Chip- Hersteller Texas Instruments   kämpft mit sinkenden Umsätzen. Die Börsen straften die Branche mit saftigen Kursabschlägen ab. Besonders schwer traf es die Vodafone-Aktie. Bis zum Nachmittag verlor sie fast 13 Prozent auf knapp 130 Pence.

    Der britische Vodafone-Konzern rechnet für das laufende Jahr nur noch mit einem Umsatz am unteren Ende der bisherigen Prognose-Spanne. "Die Volkswirtschaften rund um den Globus beginnen zu schwächeln", warnte Konzernchef Arun Sarin nach Vorlage von Zahlen für das abgelaufene Quartal. Ericsson bekräftigte die Einschätzung, dass das Geschäft mit Netzwerk-Infrastruktur in diesem Jahr insgesamt stagnieren werde.

INDUSTRIESTAATEN SCHWÄCHELN

    Für beide Unternehmen entwickelt sich das Geschäft weltweit mit verschiedenen Geschwindigkeiten. Während die neuen Märkte wie Asien und Osteuropa boomen, schwächeln Westeuropa und die USA. Dort sind aber die zahlungskräftigeren Kunden zuhause, während in den Schwellenländern vor allem günstige Dienste und Geräte gefragt sind.

    Vodafone, nach Umsatz die weltweite Nummer eins, wollte im Geschäftsjahr 2008/09 (31. März) ursprünglich 39,8 bis 40,7 Milliarden Pfund (50 bis 51 Mrd Euro) erlösen. Dank Einsparungen etwa in der IT halte der Konzern an der Prognose für das operative Ergebnis von 11,0 bis 11,5 Milliarden Pfund fest, betonte Sarin.

VODAFONE PROFITIERT VON WECHSELKURSEN

    Im ersten Geschäftsquartal kam mehr als ein Viertel des Umsatzwachstums von 19,1 Prozent auf 9,8 Milliarden Pfund aus Übernahmen. Wechselkurseffekte waren für mehr als die Hälfte des Zuwachses verantwortlich. Aus eigener Kraft erreichte Vodafone demnach nur ein Plus von 1,7 Prozent. Deutschland als wichtigster Einzelmarkt zeigte deutliche Schwächen. Der Umsatz sank hierzulande um 1,9 Prozent auf 1,79 Milliarden Euro.

    Dabei machen dem Mobilfunk-Riesen auch Billigangebote zu schaffen. Wie Finanzchef Andy Halford sagte, verzichten viele Kunden beim Auslaufen ihres Vertrages auf einen Neuabschluss mit subventioniertem Handy. Stattdessen behielten sie ihr altes Gerät und schlössen einen für sie günstigeren Vertrag ab.

ERICSSON MUSS HOHE ENTWICKLUNGSKOSTEN STEMMEN

    Ericsson muss derzeit wie auch seine Konkurrenten auf mehreren Hochzeiten tanzen. In Schwellenländern sind noch Netze des alten GSM- Standards gefragt, in entwickelten Märkten wird die UMTS- Infrastruktur für schnelle Datendienste ausgebaut und zugleich wird an dem Nachfolge-Format LTE gearbeitet. Das sorgt für beständig hohe Ausgaben, während das laufende Geschäft nur durchwachsen läuft.

    Ericsson (Marktanteil 40 Prozent) geriet in dem Quartal gleich von mehreren Seiten unter Druck. Das laufende Sparprogramm brachte den Schweden Einmalkosten von 1,8 Milliarden Kronen (190 Mio Euro), die Dollar-Schwäche drückte Umsatz und Gewinn. Zudem fehlte diesmal der Beitrag des Handy-Herstellers Sony Ericsson, der als Joint Venture mit dem japanischen Konzern betrieben wird. Vor einem Jahr hatte Sony Ericsson noch 1,5 Milliarden Kronen beigesteuert. Diesmal blieb angesichts des dünnen Quartalsgewinns von nur sechs Millionen Euro ein Beitrag aus. Im Ergebnis sackte der Ericsson-Gewinn auf 1,9 Milliarden Kronen ab, während der Umsatz um zwei Prozent auf 48,5 Milliarden Kronen zulegte.

    Texas Instruments konnte den Rückgang in seinem Geschäft mit Handy-Chips nicht mit Zuwächsen in anderen Bereichen ausgleichen. Der Umsatz gab im Jahresvergleich um zwei Prozent auf knapp 3,4 Milliarden Dollar nach, der Gewinn fiel um fast vier Prozent auf 588 Millionen Dollar (369 Mio Euro)./so/DP/das

Aktien in diesem Artikel

Was denken Sie über die KfW?
Wichtige Institution
Stümperhafte Vorstände
Sollte abgeschafft werden
Milliardengrab für Steuergelder
Muss umgebaut werden




Wie bewerten Sie diese Seite?   sehr gut        schlecht
 

Anzeige

Anzeige