17.07.2008 16:40
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ROUNDUP: Tür zu früherem Handel bei Deutscher Börse offen - 9-Uhr-Start bleibt

        FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Börse  kann den Start des Aktienhandels künftig entsprechend der Wettbewerbssituation vorverlegen. Der Börsenrat der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) habe eine Neufassung der Börsenordnung beschlossen, die unter anderem den Rahmen für die Handelszeit flexibilisiere, teilte der Börsenbetreiber am Donnerstag im Anschluss an die Sitzung des Gremiums mit. Damit wäre künftig auch ein früherer Handelsbeginn möglich, falls die Wettbewerbssituation dies erforderlich machen sollte. "Der Wettbewerb als solcher bleibt natürlich bestehen und die Deutsche Börse muss auch in Zukunft damit rechnen in manchen Bereichen unterboten zu werden", sagte Börsenratsmitglied Wolfgang Gerke. Zugleich teilte die Deutsche Börse mit, den derzeitigen, europaweit geltenden Handelsbeginn für Aktienmärkte auch in Deutschland unangetastet bei 9.00 Uhr belassen.

    Diese Entscheidungen wurden wegen der wachsenden Konkurrenz durch alternative Handelsplattformen getroffen, die seit Inkrafttreten der EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID im November 2007 wie Pilze aus dem Boden schießen. Nachdem die alternative Plattform Chi-X seit mehr als einem Jahr bereits recht erfolgreich am Markt operiert und den etablierten Börsen Marktanteile abnimmt, wird erstmals Mitte August nun die Handelsplattform Turquoise den Betrieb aufnehmen - allerdings zunächst sehr eingeschränkt. Anfang September soll die neue, von neun Investmentbanken aus der Taufe gehobene Plattform komplett in Betrieb genommen werden. Tags zuvor war der Börsen-Konkurrent allerdings mit seinem Plan eines früheren Handelsstarts ab 8.45 Uhr zurückgerudert.

TURQUOISE: 'FRÜHERER START WÄRE NUR TEMPORÄR GEWESEN'

    Ein früherer Start von 8.45 Uhr an sei nur "temporär" geplant gewesen, hatte am Mittwoch ein Turquoise-Sprecher der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX gesagt. Zudem hatte er betont, dass Turquoise auch nicht auf einen temporären früheren Start angewiesen sei, falls die etablierten Börsen derart besorgt über Liquiditätsabflüsse seien. "Wir haben auf unsere Mitglieder gehört, als sie uns vorgeschlagen haben, als neue Aktienhandelsplattform 15 Minuten früher an den Start zu gehen als die etablierten Börsen. Wir hören auch wieder auf sie, wenn sie möchten, dass alle Börsen um 9.00 Uhr starten."

    Die Deutsche Börse verwies hinsichtlich ihrer nach diesen Aussagen getroffenen Entscheidung, beim bisherigen Handelsstart zu bleiben, darauf, dass die Handelszeiten 1999 zwischen allen großen europäischen Märkten vereinheitlicht worden seien. Eine Vorverlegung des Handelsbeginns würde letztlich erheblichen Mehraufwand für Marktteilnehmer und Investoren bedeuten. Analyst Andreas Pläsier von M.M. Warburg sagte zu dem Entschluss: "Es ist sinnvoller, in den Kernzeiten zu bleiben." Die erste Intention zur Verlängerung der Handelszeit sei gewesen, mehr Umsatz zu kreieren, worunter aber die Liquidität leiden könnte. Negative Auswirkungen auf den wachsenden Algo-Handel, den rein computergesteuerten Handel, wären nicht auszuschließen gewesen.

    So wird der elektronische Handel am Kassamarkt nun bis auf weiteres unverändert zwischen 9.00 und 17.30 Uhr stattfinden und auf dem Parkett zwischen 9.00 und 20.00 Uhr./ck/she

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