22.02.2007 14:34
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Rohstoff-Trader-Kolumne: Baumwolle - „Bärenmarkt“ vor baldigem Ende?

Abgesehen von sehr kurzfristigen Trading-Chancen gab es am Baumwollmarkt in den zurückliegenden zwölf Monaten zumindest auf der "langen Seite" nichts aber auch wirklich gar nichts zu "ernten". Die Kursentwicklung war trist wie sie trister kaum sein kann und bislang machen die "Bären" noch keine Anstalten, ihre Vorherrschaft aufzugeben. Oder existieren vielleicht doch bereits erste "Hoffnungsschimmer" auf alsbald steigende Notierungen?

Reichliches Angebot bei mäßiger Nachfrage

Der jüngste Supply-&-Demand-Report des US-Landwirtschaftsministeriums für Baumwolle war schlichtweg katastrophal: Die amerikanische Übertragsrate steig gegenüber der Januar-Schätzung von 7,1 auf 8,3 Millionen Ballen. Das sind die höchsten Lagerbestände seit der Saison 1985/86 und die zweithöchsten Bestände seit 1966/67. Als Folge kletterte das "Ending Stock to Use Ratio" von 34,3 auf rekordverdächtige 42,6 Prozent.

Im Wesentlichen gibt es für das massive Überangebot an US-Baumwolle zwei entscheidende Gründe: Die Erwartungen steigender Einkäufe seitens Chinas sind bislang nicht eingetroffen. Die US-Ausfuhren ins "Reich der Mitte" dürften im laufenden Wirtschaftsjahr nur noch bei etwa 15 Millionen Ballen liegen. 2005/06 betrug die Menge der aus den Vereinigten Staaten nach China eingeführten Baumwolle noch 19,28 Millionen Ballen. Offenbar kaufen die Chinesen derzeit vermehrt Baumwolle aus Indien. Zum anderen scheint auch der industrielle Verbrauch in den Staaten selbst regelrecht einzubrechen. Die Dezember-Statistiken weisen auf eine annualisierte amerikanische Nachfrage von 4,75 Millionen Ballen hin. Trotzdem haben die Behörden des Landwirtschaftsministeriums ihre inländische Verbrauchsschätzung bei fünf Millionen Ballen belassen. Insofern ist es recht wahrscheinlich, dass die Übertragsraten im Rahmen der nächsten Prognosen noch einmal angehoben werden.

Immerhin sieht es auf globaler Ebene ein wenig besser aus: Zwar stiegen die Endbestände auch hier von 52,26 auf 52,92 Millionen Ballen und das "Ending Stock to Use Ratio" erhöhte sich um 0,5 auf 43,6 Prozent. Allerdings notiert das Verhältnis zwischen Vorräten und Verbrauch damit auf einem Zehn-Jahres-Tief. Von seinen historischen Tiefstpunkten aus der Saison 1989/90 ist es jedoch nach wie vor ein gutes Stück entfernt.

Hoffnung auf steigenden chinesischen Bedarf

"Licht am Ende des Tunnels" könnte das Ende der chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten bringen. Einige Händler hoffen, dass danach der Bedarf und damit auch die Einfuhren aus den USA wieder signifikant zunehmen. Ein erstes Indiz hierfür war der kürzlich veröffentlichte wöchentliche Exportbericht des US-Landwirtschaftsministeriums, der Verkäufe von insgesamt 298.400 Ballen auswies und damit am oberen Ende der Konsensschätzungen zwischen 250.000 und 300.000 Ballen lag.

US-Anbaufläche könnte drastisch sinken

Wirklich interessant dürfte es aber erst Ende März werden. Dann geben die amerikanischen Behörden ihre Schätzungen bezüglich der geplanten Anbauflächen bekannt. Hier ist von einer deutlichen Verringerung vor allem zugunsten von Mais auszugehen, da die Notierungen des "gelben Getreides" in den letzten Monaten eine bemerkenswerte "Rallye" hingelegt haben und die Farmer demzufolge vermehrt Mais sähen werden.

Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass die Fundamentaldaten für Baumwolle aktuell alles andere als "bullish" sind. Mittelfristig jedoch stehen die Chancen gar nicht so schlecht, dass die "Baumwoll-Schwemme" im "Schlepptau" einer anziehenden chinesischen Nachfrage und einer massiven Verringerung der US-Anbaufläche abebbt. Insofern ist die Naturfaser durchaus ein Kandidat für die "Long-Watchlist".

Technisch noch überwiegend schwach

Primär technisch orientierten Anlegern dürfte hingegen allein der bloße Gedanke, zum jetzigen Zeitpunkt long in Baumwolle zu gehen, einen "kalten Schauer" über den Rücken jagen. Sämtliche Abwärtstrends sind vollständig intakt. Im Bereich des letzten Tiefs des Mai-Futures bei etwa 51,80 US-Cents von einer echten Unterstützung zu sprechen, wäre fast schon vermessen. Die 38-Tage-Linie (lila) ist meilenweit entfernt und der MACD generiert ein unübersehbares Verkaufssignal.

Allerdings muss auch konstatiert werden, dass der Markt mittlerweile mit einem Momentum von 95 sichtbar überverkauft ist. Der Williams ist im Steigen begriffen und hat die wichtige Marke von -80 (wenn auch nur knapp) nach oben durchbrochen. Extrem wagemutige Investoren könnten daher ihr Glück durchaus schon jetzt mit einem Long-Einstieg versuchen, wobei ihnen klar sein muss, dass sie damit möglicherweise in das klassische "fallende Messer" greifen. Weniger risikofreudige Naturen sollten abwarten, ob Mai-Baumwolle es schafft, zumindest den ganz steilen Abwärtstrend und den Widerstand bei knapp über 54 US-Cents zu überwinden. Gelingt dieses Unterfangen, würde sich die technische Situation erheblich aufhellen.



Marc Nitzsche ist Chefredakteur des Rohstoff-Trader Börsenbriefs. Der Börsenbrief ist ein Spezialist für Rohstoffe und bietet konkrete Kaufempfehlungen mit Analysen und Kursprognosen. Mehr Infos unter: www.rohstoff-trader.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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