Rohstoff-Trader-Kolumne: Jetzt in Sojabohnen long gehen?
US-Anbaufläche stark rückläufig
Einer der Gründe für den steilen Preisanstieg der letzten Monate waren Spekulationen, dass die US-Anbaufläche im laufenden Jahr zugunsten von Mais erheblich reduziert wird. Kürzlich gab es diesbezüglich jetzt erste konkrete Zahlen: Laut einer Umfrage der Zeitschrift "Farm Future" soll die Anbaufläche für Sojabohnen in den Vereinigten Staaten 2007 gegenüber dem Vorjahr um bis zu 3,2 auf nur noch 28,1 Millionen Hektar zurückgehen. Häufig wird argumentiert, dass es gerade nach der jüngsten "Preis-Rallye" zahlreiche andere Agrargüter gibt, die wesentlich unattraktiver als Sojabohnen sind – wie zum Beispiel Baumwolle – und die Anbaufläche daher am Ende doch höher ausfällt als gegenwärtig befürchtet. An diesen Überlegungen ist zweifellos etwas dran, aber man muss auch bedenken, dass Sojabohnen und Baumwolle oder Zucker andere Böden und andere klimatische Verhältnisse benötigen. Ein beliebiger "Austausch" ist somit nur recht begrenzt möglich. Unterm Strich könnte es in den USA allein auf Grund der reduzierten Anbaufläche somit zu einer Ertragsminderung von rund zehn Prozent kommen. Sollten die Wetterbedingungen weniger optimal als 2006 werden, ist sogar ein noch größerer Rückgang des Outputs nicht auszuschließen.
Fehlende Niederschläge in Argentinien
Apropos Wetter: Bislang war es häufig so, dass Ernteeinbußen in den Staaten durch Rekorderträge in Südamerika überkompensiert wurden. Brasilien und Argentinien konnten in den zurückliegenden Jahren ihre Sojabohnen-Produktion kontinuierlich steigern. In der kommenden Saison allerdings wird das nicht mehr so einfach sein. In vielen bedeutenden argentinischen Anbaugebieten herrscht gegenwärtig eine ausgeprägte Dürre. Hält diese weiter an, dürfte das südamerikanische Land 2007 zum ersten Mal seit langem weniger Sojabohnen erzeugen.
Steigende Nachfrage wahrscheinlich
Der Bedarf an Sojabohnen dürfte mittelfristig eher zu- als abnehmen. Zum einen haben wir die "Biosprit-Fantasie" und auch der wachsende Fleischkonsum in den asiatischen "Boom-Ländern" wird für eine steigende Nachfrage nach dem Getreide als Futtermittel sorgen. Aus fundamentaler Sicht stehen die "Ampeln" für weiter anziehende Sojabohnenpreise durchaus auf grün.
"Bullische" Charttechnik
Charttechnisch stellt sich die Situation bei Sojabohnen unbestreitbar "bullisch" dar: Der Aufwärtstrend seit Anfang Oktober 2006 ist vollständig intakt und hat die Notierungen mittlerweile deutlich über die ehemalige Widerstandszone zwischen 680 und 710 US-Cents "gehievt". Selbst der "kleine Resist" bei etwa 725 US-Cents scheint aktuell bereits "Geschichte" zu sein. Die Kurse liegen komfortabel oberhalb ihrer 38-Tage-Linie (lila) und sowohl der MACD als auch das Momentum generieren Kaufsignale. Eigentlich könnten Anleger da doch sofort und unlimitiert "long" gehen oder? Nicht ganz!
Leichte "Überhitzungstendenzen" erkennbar
Derzeit weist der Sojabohnen-Markt eine erkennbare technische "Überhitzung" auf. In der Mai-Auslieferung haben sich die Kurse sehr stark ihrem oberen Bollinger Band (orange) angenähert. Der Williams steht bei -18 und weist eine fallende Tendenz auf. Das spricht zumindest für eine kurzzeitige Korrektur nach unten. Diese dürfte aber im Bereich der Unterstützung bei 710 US-Cents (mittleres Bollinger Band, 38-Tage-Linie) ihr Ende finden. Auf dem genannten Niveau weisen Long-Engagements dann ein hervorragendes Chance/Risiko-Verhältnis auf.
Marc Nitzsche ist Chefredakteur des Rohstoff-Trader Börsenbriefs. Der Börsenbrief ist ein Spezialist für Rohstoffe und bietet konkrete Kaufempfehlungen mit Analysen und Kursprognosen. Mehr Infos unter: www.rohstoff-trader.de
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