25.01.2007 12:44
Drucken |

Schrift:

Rohstoff-Trader-Kolumne: Orangensaft vor großem Abverkauf?

Mitte letzter Woche konnten die Notierungen für tief gefrorenes Orangensaft-Konzentrat erneut ordentlich zulegen. Auslöser war der bereits angedeutete Wintereinbruch in Kalifornien. "Gouvernator" Schwarzenegger schätzt, dass durch die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt 75 Prozent der Orangenernte des Bundesstaats "terminiert" wurden. Das mag sich auf den ersten Blick dramatisch anhören, allerdings muss berücksichtigt werden, dass die kalifornischen Orangen vorwiegend dem Verzehr und nicht der Saft-Produktion dienen. Von daher haben die Ernteeinbußen keinen unmittelbaren Einfluss auf den amerikanischen Orangensaft-Output.

Floridaernte könnte verschont bleiben

Wesentlich entscheidender für die Notierungen von tief gefrorenem Orangensaft-Konzentrat sind die Witterungsbedingungen in Florida. Denn mit über 90 Prozent hat der "Sunshine State" einen überragenden Anteil an der US-Orangensaft-Produktion. Bislang gab es in Florida noch keinen "freeze". Einige Marktteilnehmer mutmaßen zwar, dass es in den kommenden Wochen durchaus noch dazu kommen könnte. Sollten sich diese Befürchtungen bestätigen, hätte das irreparable Schäden an den dortigen Orangenbäumen zur Folge. Das US-Landwirtschaftsministerium käme dann wohl nicht umhin, seine jüngsten Ernteprognosen für Florida in Höhe von 140 Millionen Boxen nach unten zu korrigieren. Allerdings sollte man den Teufel auch nicht gleich an die Wand malen. Die Gefrierperiode in den südlichen US-Bundesstaaten nähert sich langsam aber sicher ihrem Ende. Insofern ist es gut möglich, dass der "Sunshine State" von Temperaturen unter Null verschont bleibt.

Schwache Erträge vollständig eingepreist

Wenngleich die angesprochenen 140 Millionen Boxen die niedrigste Florida-Ernte seit 15 Jahren bedeuten, dürften sich die Orangensaft-Notierungen mit weiteren nennenswerten Anstiegen schwertun, solange keine neuen Ertragseinbußen drohen. Bei Kursen um 200 US-Cents pro Pound sind die 140 Millionen Boxen vollständig eingepreist. Immerhin kostete Orangensaft 1989 bis 1991 nicht mehr als heute, obwohl die Ernten damals noch geringer waren. Die Nachfrage ist seither nicht signifikant gestiegen, so dass aus fundamentaler Sicht eher nicht mit einem Fortgang der "Rallye" gerechnet werden sollte.

Charttechnisch angeschlagen

Charttechnisch sieht momentan auf den ersten Blick noch so aus, als wäre bei Orangensaft "alles im Lot": Der langfristige Aufwärtstrend ist unverändert intakt und der März-Future notiert durchaus komfortabel über seiner 38-Tage-Linie (lila).

Bei genauerem Hinsehen jedoch hat sich im Bereich von etwa 207 US-Cents pro amerikanische Pfund ein extrem zäher Widerstand etabliert, an dem der Kurs mittlerweile dreimal gescheitert und nach unten abgedreht ist. Damit hat sich ein klassisches "Tripple-Top" gebildet, was für weiter nachgebende Kurse spricht.

Eine durchaus starke Unterstützung erfährt Orangensaft mit Auslieferung März 2007 im Bereich von 195 US-Cents. Wird diese Marke nach unten durchbrochen, könnte es schnell bis 187 oder sogar 170 US-Cents abwärts gehen. Selbstbewusste Anleger können derzeit sicher einen Short-Versuch wagen, wobei der Stopp knapp oberhalb des letzten Hochs gesetzt werden sollte. 210 US-Cents wären hierfür sicher geeignet. Weniger mutige Investoren halten sich aus dem Markt entweder ganz raus oder steigen erst nach Unterschreiten des Supports bei 195 US-Cents auf der "kurzen Seite" ein.



Marc Nitzsche ist Chefredakteur des Rohstoff-Trader Börsenbriefs. Der Börsenbrief ist ein Spezialist für Rohstoffe und bietet konkrete Kaufempfehlungen mit Analysen und Kursprognosen. Mehr Infos unter: www.rohstoff-trader.de

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die Smarthouse Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.





Wie bewerten Sie diese Seite?   sehr gut        schlecht
 

Anzeige

Anzeige