Rohstoffe-Go - Aluminium mit neuer Rekordmarke – Prognose angehoben
Rohstoffe-Go - Stuttgart (www.rohstoffe-go.de) Eine Einschätzung zum Aluminiummarkt von Sven Streitmayer und Manfred Wolter, BW-Bank.
Aktuelle Marktentwicklungen
Der seit Jahresbeginn zu beobachtende scharfe Aufwärtstrend der Aluminiumpreise hat zuletzt noch einmal an Dynamik gewonnen. Nach dem Rekordquartal Q1 2008, in dem das überwiegend in den Branchen Transport, Verpackung und Bau eingesetzte Metall den höchsten Preiszuwachs (+24 % ggü. dem Vorquartal) aller Zeiten zu verzeichnen hatte, setzte sich der Höhenflug von Aluminium im zweiten Quartal (+5 %) weiter fort. In der vorvergangenen Woche übertraf das Leichtmetall schließlich das ehemalige Allzeithoch vom Mai 2006. Nach einem Intraday-High von 3.380 USD/t markierte der Dreimonatskontrakt am vorvergangenen Freitag den neuen Rekordstand per Tagesschluss bei 3.341 USD/t. Erst der unerwartet starke Lageraufbau an der Londoner Metallbörse sowie Gewinnmitnahmen seitens der Fonds und Spekulanten brachte zuletzt wieder etwas Entlastung. Aktuell notiert Aluminium (Kasse) bei rund 3.000 USD/t.
Nachfrageschwäche vs. Angebotsrisiken
Die fundamentale Situation am Aluminiummarkt ist indessen weiterhin von zwei gegensätzlichen Entwicklungen geprägt. Auf der einen Seite steht hierbei die konjunkturell und saisonal bedingte Nachfrageschwäche, die sich in steigenden Lagerbeständen der Metallbörsen niederschlägt (Abb. rechts). Demgegenüber stehen jedoch mit dem Energiepreisanstieg ausufernde Produktionskosten und zunehmende Schwierigkeiten auf der Angebotsseite. Jüngstes Beispiel ist die Ankündigung Chinas, die Aluminiumproduktion ab Juli um 5-10 % zurückzufahren. Der drastische Schritt des weltgrößten Aluminiumproduzenten erfolgte als Reaktion auf die erneuten Engpässe bei der Energieversorgung, die ausgerechnet in der kohlereichen Provinz Shanxi besonders akut sind. Darüber hinaus leiden die chinesischen Aluminiumhersteller, die traditionell am oberen Rand der Produktionskostenkurve produzieren, in besonderem Maße unter den stark gestiegenen Energiepreisen. Schätzungen zufolge liegen die Grenzkosten chinesischer Produzenten aktuell bereits bei rund 2.700 USD je Tonne. Die deutliche Verlagerung der Terminkurve über die gesamte Laufzeit nach oben ist aus unserer Sicht Ausdruck einer veränderten mittel- und langfristigen Wahrnehmung des Aluminiummarktes durch die Marktteilnehmer. So zeigt das Beispiel des USProduzenten Century Aluminum, der kürzlich angekündigt hat, sein komplettes Hedge Book, d.h. die gesammelten Terminverkäufe des Konzerns (1,3 Mio. t Aluminium), für 1,7 Mrd. USD rückabzuwickeln, dass auch auf Ebene der Aluminiumproduzenten die Erwartung langfristig steigender Notierungen vorliegt.
Globale Aluminiumproduktion unter Druck
Mit dem Schritt Pekings, die nationale Aluminiumherstellung spürbar zu drosseln, verliert das globale Produktionswachstum sein mit Abstand wichtigstes Zugpferd. So hat China seinen Anteil an der weltweiten Produktion in den letzten Jahren auf rund 35 % hochgeschraubt und ist damit zum wichtigsten Aluminiumproduzenten weit vor Russland (11 %) und Kanada (9 %) aufgestiegen. Das Expansionstempo der Aluminiumproduktion dürfte sich nun jedoch merklich verlangsamen. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres belief sich die Produktionssteigerung in der Volksrepublik bereits „nur“ noch auf rund 10 % (YoY) – ggü. 38 % im Jahr 2007 und 24 % in 2006. Zwar sind die jüngst angekündigten Produktionskürzungen vorerst auf 3 Monate begrenzt und auf freiwilliger Basis. Die übergeordnete Problematik der unzureichenden Energieverfügbarkeit wird die Aluminiumproduktion im Reich der Mitte jedoch auch mittel- und langfristig weiter einschränken.
Markttechnik
Bereits im April ergaben sich Chancen auf ein neues Hoch oberhalb des Doppeltops bei knapp 3.200 USD, aber eine Streckung der Zwischenkonsolidierung sorgte dafür, dass erst jetzt neue Höchstkurse erreicht wurden. Bisher wurde die Widerstandszone jedoch nicht signifikant überwunden und per weekly Close könnte sich sogar ein – belastender – „false break“ ergeben. Erst ab einem Schlusskurs unter 3.000 USD würde der Fokus von der bullishen Perspektive zurück zur Unterstützung bei gut 2.800 USD wechseln.
Fazit
Angesichts der dramatisch gestiegenen Produktionskosten war der Aufholprozess der Aluminiumpreise längst überfällig. Gemessen am aktuellen Ölpreisniveau müsste das Leichtmetall sogar in der Region von 4.000 USD notieren. Nach Maßgabe der jüngsten Produktionskürzungen Chinas erhöhen wir unser Preisziel für Aluminium (Cash) auf 3.150 (in 3M) bzw. 3.400 USD/t (in 12M).
Sven Streitmayer & Manfred Wolter
Aktuelle Marktentwicklungen
Der seit Jahresbeginn zu beobachtende scharfe Aufwärtstrend der Aluminiumpreise hat zuletzt noch einmal an Dynamik gewonnen. Nach dem Rekordquartal Q1 2008, in dem das überwiegend in den Branchen Transport, Verpackung und Bau eingesetzte Metall den höchsten Preiszuwachs (+24 % ggü. dem Vorquartal) aller Zeiten zu verzeichnen hatte, setzte sich der Höhenflug von Aluminium im zweiten Quartal (+5 %) weiter fort. In der vorvergangenen Woche übertraf das Leichtmetall schließlich das ehemalige Allzeithoch vom Mai 2006. Nach einem Intraday-High von 3.380 USD/t markierte der Dreimonatskontrakt am vorvergangenen Freitag den neuen Rekordstand per Tagesschluss bei 3.341 USD/t. Erst der unerwartet starke Lageraufbau an der Londoner Metallbörse sowie Gewinnmitnahmen seitens der Fonds und Spekulanten brachte zuletzt wieder etwas Entlastung. Aktuell notiert Aluminium (Kasse) bei rund 3.000 USD/t.
Nachfrageschwäche vs. Angebotsrisiken
Die fundamentale Situation am Aluminiummarkt ist indessen weiterhin von zwei gegensätzlichen Entwicklungen geprägt. Auf der einen Seite steht hierbei die konjunkturell und saisonal bedingte Nachfrageschwäche, die sich in steigenden Lagerbeständen der Metallbörsen niederschlägt (Abb. rechts). Demgegenüber stehen jedoch mit dem Energiepreisanstieg ausufernde Produktionskosten und zunehmende Schwierigkeiten auf der Angebotsseite. Jüngstes Beispiel ist die Ankündigung Chinas, die Aluminiumproduktion ab Juli um 5-10 % zurückzufahren. Der drastische Schritt des weltgrößten Aluminiumproduzenten erfolgte als Reaktion auf die erneuten Engpässe bei der Energieversorgung, die ausgerechnet in der kohlereichen Provinz Shanxi besonders akut sind. Darüber hinaus leiden die chinesischen Aluminiumhersteller, die traditionell am oberen Rand der Produktionskostenkurve produzieren, in besonderem Maße unter den stark gestiegenen Energiepreisen. Schätzungen zufolge liegen die Grenzkosten chinesischer Produzenten aktuell bereits bei rund 2.700 USD je Tonne. Die deutliche Verlagerung der Terminkurve über die gesamte Laufzeit nach oben ist aus unserer Sicht Ausdruck einer veränderten mittel- und langfristigen Wahrnehmung des Aluminiummarktes durch die Marktteilnehmer. So zeigt das Beispiel des USProduzenten Century Aluminum, der kürzlich angekündigt hat, sein komplettes Hedge Book, d.h. die gesammelten Terminverkäufe des Konzerns (1,3 Mio. t Aluminium), für 1,7 Mrd. USD rückabzuwickeln, dass auch auf Ebene der Aluminiumproduzenten die Erwartung langfristig steigender Notierungen vorliegt.
Globale Aluminiumproduktion unter Druck
Mit dem Schritt Pekings, die nationale Aluminiumherstellung spürbar zu drosseln, verliert das globale Produktionswachstum sein mit Abstand wichtigstes Zugpferd. So hat China seinen Anteil an der weltweiten Produktion in den letzten Jahren auf rund 35 % hochgeschraubt und ist damit zum wichtigsten Aluminiumproduzenten weit vor Russland (11 %) und Kanada (9 %) aufgestiegen. Das Expansionstempo der Aluminiumproduktion dürfte sich nun jedoch merklich verlangsamen. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres belief sich die Produktionssteigerung in der Volksrepublik bereits „nur“ noch auf rund 10 % (YoY) – ggü. 38 % im Jahr 2007 und 24 % in 2006. Zwar sind die jüngst angekündigten Produktionskürzungen vorerst auf 3 Monate begrenzt und auf freiwilliger Basis. Die übergeordnete Problematik der unzureichenden Energieverfügbarkeit wird die Aluminiumproduktion im Reich der Mitte jedoch auch mittel- und langfristig weiter einschränken.
Markttechnik
Bereits im April ergaben sich Chancen auf ein neues Hoch oberhalb des Doppeltops bei knapp 3.200 USD, aber eine Streckung der Zwischenkonsolidierung sorgte dafür, dass erst jetzt neue Höchstkurse erreicht wurden. Bisher wurde die Widerstandszone jedoch nicht signifikant überwunden und per weekly Close könnte sich sogar ein – belastender – „false break“ ergeben. Erst ab einem Schlusskurs unter 3.000 USD würde der Fokus von der bullishen Perspektive zurück zur Unterstützung bei gut 2.800 USD wechseln.
Fazit
Angesichts der dramatisch gestiegenen Produktionskosten war der Aufholprozess der Aluminiumpreise längst überfällig. Gemessen am aktuellen Ölpreisniveau müsste das Leichtmetall sogar in der Region von 4.000 USD notieren. Nach Maßgabe der jüngsten Produktionskürzungen Chinas erhöhen wir unser Preisziel für Aluminium (Cash) auf 3.150 (in 3M) bzw. 3.400 USD/t (in 12M).
Sven Streitmayer & Manfred Wolter
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