07.07.2008 15:39
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UPDATE2: APP-Übernahme schickt Fresenius-Aktie auf Talfahrt

(NEU: Details, Aussagen Geschäftsführung, Analystenstimmen, Aktienkurs)

Von Nico Schmidt DOW JONES NEWSWIRES BAD HOMBURG (Dow Jones)--Der Gesundheitskonzern Fresenius kauft den nordamerikanischen Generikahersteller APP Pharmaceuticals und steigt damit in den US-Pharmamarkt ein. Die auf medizinische Ernährung und Infusionstherapie spezialisierte Tochter des im MDAX notierten Konzerns, Fresenius Kabi, übernimmt den Hersteller von intravenös verabreichen generischen Arzneimitteln (I.V. Generika) zu einem Barkaufpreis von 3,7 Mrd USD.

   Die Fresenius-Aktie kommt im Zuge der Nachricht unter Verkaufsdruck: Der Titel verliert bis 15.32 Uhr entgegen dem Markttrend 8,9% auf 49,65 EUR, das Tagestief lag bei 48,49 EUR. Die Aktie ist damit der zweitschwächste Wert in einem freundlich tendierenden MDAX. Als möglichen Grund für die Kursverluste werten Beobachter unter anderem, dass eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Transaktion wahrscheinlich sei.

   Fresenius plant, die Akquisition durch einen Mix aus Eigen- und Fremdkapital zu finanzieren. Fresenius-CEO Ulf M. Schneider sagte, zur Finanzierung werde vor allem Fremdkapital eingesetzt werden. Die führenden Banken hätten ihre Finanzierungszusagen bereits gegeben.

   Das Ziel sei es, das Finanzierungsmix so zu wählen, dass einerseits mögliche Auswirkungen auf das Fresenius-Rating minimiert und andererseits eine "übertriebene Verwässerung" der Anteile der Aktionäre verhindert werden. Konkretere Details zur Finanzierung wird Fresenius nach Aussage von Schneider erst in den kommenden Tagen bekannt geben. Fresenius-Finanzvorstand Stephan Sturm sagte, dass grundsätzlich eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung geplant sei. Das mittelfristige Ziel sei es, bis 2010 eine Nettoverschuldungs-EBITDA-Quote auf dem heutigen Niveau - also von 2,5 bis 3 - zu erreichen.

   Durch die Akquisition von APP werde die Profitabilität von Fresenius Kabi steigen, sagte Schneider weiter. Die Übernahme sei eine wichtige strategische Entscheidung. APP sei nicht nur eine strategisch perfekte Ergänzung zu Fresenius, sondern verfüge zudem über eine sehr gute Pipeline von Zulassungsanträgen. Da in den Jahren 2008 bis 2015 außerdem insgesamt 99 Arzneipatente ausliefen, ergäben sich aus der Transaktion ein hohes organisches Wachstumspotenzial, so Schneider. APP biete Fresenius Kabi damit die seit langem angestrebte Plattform in Nordamerika und attraktive Wachstumschancen für die bestehende Produktpalette.

   Analysten bewerten die Transaktion zwiegespalten; Einigkeit herrscht lediglich darüber, dass der Kaufpreis relativ hoch liegt. Nach Einschätzung von LBBW-Analyst Karl-Heinz Scheunemann ist die Akquisition insgesamt sinnvoll, da sie zu den strategischen Kernaktivitäten von Fresenius Kabi passt. Zudem trage die Akquisition zum Ausbau der Aktivitäten auf dem US-Markt bei, wo das Unternehmen bislang unterrepräsentiert gewesen sei.

   Der Kaufpreis, der etwa dem Fünffachen des Umsatzes und dem 15-fachen des APP-EBITDA entspreche, liege in einer Größenordnung in der sich auch vergleichbare Transaktionen bewegten, so Scheunemann. APP sei mit einer EBITDA Marge von über 30% hoch profitabel.

   Ähnlich beurteilt auch Bankhaus-Lampe-Analystin Leslie Iltgen die Transaktion. Die Übernahme sei zwar "kein Schnäppchen, aber strategisch richtig". Denn mit der Akquisiton schaffe Fresenius Kabi den bislang schmerzlich vermissten Eintritt in den US-Markt. "Wer wachsen will, kommt um diesen Schritt nicht herum", sagt die Analystin.

   Fresenius zahlt den APP-Aktionären 23 USD in bar je Aktie sowie eine verbriefte und handelbare Erfolgsbeteiligung. Übertrifft die Gesamtsumme des von APP in den Jahren 2008 bis 2010 erzielten bereinigten EBITDA die Grenze von 1,27 Mrd USD, werden die Anteilseigner des US-Generikaherstellers im Jahr 2011 einen Bonus von bis zu 6,00 USD je Aktie erhalten. Der Barkaufpreis für alle ausstehenden Aktien des Unternehmens einschließlich aller Wandlungs- und Optionsrechte beträgt vor der Erfolgsbeteiligung rund 3,7 Mrd USD. Sollten die APP-Aktionäre den höchstmöglichen Bonus erhalten, erhöht sich der Kaufpreis damit auf rund 4,6 Mrd USD.

   Zudem übernimmt Fresenius APP-Verbindlichkeiten über 940 Mio USD. Der Gesundheitskonzern erwartet, dass sich die Akquisition im ersten Jahr neutral und ab dem zweiten Jahr deutlich positiv auf das Ergebnis je Aktie auswirken wird - selbst wenn die volle Bonuszahlung anfallen sollte. Bankhaus-Lampe-Analystin Leslie Iltgen bewertet die Gewährung eines zusätzlichen Bonus zwar als ungewöhnlich. Doch sei der Zuschlag aus anreiztheoretischer Sicht positiv zu beurteilen und werde dafür sorgen, dass APP künftig die gesteckten Ziele erreiche.

   APP ist auf I.V. Generika für den Einsatz im Krankenhaus spezialisiert und vertreibt ihre Produkte in den USA und Kanada. Das Unternehmen beschäftigt rund 1.400 Mitarbeiter. Das APP-Portfolio umfasst mehr als 100 Arzneimittel für die Onkologie, Intensivmedizin, Anästhesie, Schmerztherapie sowie zur Behandlung von Infektionen.

   Im Geschäftsjahr 2007 erzielte APP einen Umsatz von 647 Mio USD und ein bereinigtes EBITDA von 253 Mio USD. Im zuletzt publizierten Ausblick für das Jahr 2008 erwartet APP einen Umsatz zwischen 730 Mio und 750 Mio USD sowie ein bereinigtes EBITDA zwischen 285 Mio und 300 Mio USD. Der APP-Gründer und -Mehrheitsaktionär Patrick Soon-Shiong hat sich den Angaben zufolge verpflichtet, seinen Anteil an den Stimmrechten von über 80% für die Transaktion auszuüben. Das Management-Board von APP hat der Transaktion ebenfalls zugestimmt.

Webseiten: http://www.apppharma.com http://www.fresenius.de

Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires, +49 - (0)69 297 25 100; nico.schmidt@dowjones.com

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   July 07, 2008 09:36 ET (13:36 GMT)

   Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 09 36 AM EDT 07-07-08

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