11.07.2008 11:57
Drucken |

Schrift:

UPDATE2: Air Berlin will Condor nicht mehr übernehmen

(NEU: Aussagen von Arcandor, Aktienkurse)

Von Kirsten Bienk DOW JONES NEWSWIRES HAMBURG (Dow Jones)--Die Billigfluglinie Air Berlin hat ihre Pläne zur Übernahme der Ferienfluggesellschaft Condor aufgegeben. Aus diesem Grund hat der Vorstand zusammen mit der Condor-Mutter Thomas Cook am Freitag den Antrag auf Freigabe der Fusion beim Bundeskartellamt zurückgezogen. Der Markt hatte diesen Schritt seit geraumer Zeit erwartet und Analysten beurteilen diesen Rückzug zunächst einmal als positiv für Deutschlands zweitgrößte Airline.

   Air Berlin macht hingegen keinerlei Angaben zu möglichen Auswirkungen. Der Kurs der Air Berlin-Aktie reagierte mit plus 2,7% auf 3,80 EUR. Die Thomas-Cook-Aktien gewinnen 1,9% auf 187 pence. Die Arcandor-Aktie verlor 1,2% auf 6,74 EU.

   Als "grundsätzlich gut" bewertete Analystin Martina Noß von der Nord/LB diesen Schritt von Air Berlin. Damit habe der Vorstand jetzt einen Sorgenfaktor weniger, sagte sie. Er müsse nämlich nicht mehr darüber nachdenken, wie er die Transaktion finanziere und habe deswegen eine finanzielle Erleichterung. Gleichwohl müsse das Management weiterhin seine Hausaufgaben machen und die Kosten im Konzern reduzieren.

   Die Rücknahme der Übernahmepläne hat die Analystin nicht überrascht. Dies habe sich seit Monaten abgezeichnet, sagte sie. In der Tat wird seit langem darüber spekuliert, dass Air Berlin und Thomas Cook ihre gemeinsamen Pläne für Condor nicht mehr in die Tat umsetzen. Sie hatten im September die Übernahme von Condor im Zuge eines Aktientausches vereinbart. Diesen Vertrag haben Air Berlin und Thomas Cook nun auch gekündigt.

   Thomas Cook hatte bereits bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am 24. Juni angekündigt, dass die Vereinbarung mit Air Berlin platzen könnte. CEO Manny Fontenla-Novoa hatte gesagt, dass alternative Möglichkeiten für Condor bereits in Betracht gezogen werden.

   Air Berlin und Thomas Cook begründeten die Rücknahme der Pläne mit den erheblich veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und verweisen im Detail auf den gestiegenen Kerosinpreis.

   Für Thomas Cook ist Condor nach wie vor als ein "starkes Unternehmen mit beträchtlichem Potenzial". Es ist allerdings bekannt, dass das Unternehmen eine sogenannte Asset-light-Strategie fährt und die Airline deswegen gerne in andere Hände geben möchte.

   Dies allerdings soll keine Eile haben. Um für "mögliche Auswirkungen anderer Optionen" vorzusorgen, hat Thomas Cook aber schon einmal ihr Aktienrückkaufprogramm ausgesetzt.

   Die Thomas-Cook-Mutter Arcandor sieht auch keinerlei zeitlichen Druck für sich, eine Alternative für Condor zu finden. Auch die Absage der geplanten Transaktion wird sich nach Angaben von Sprecher Jörg Howe nicht negativ auf den mit 52% an Thomas Cook Group beteiligten Essener Konzern auswirken.

   Für Alternativen würden jetzt wieder alle Optionen offen stehen, sagte Analystin Noß. So werde im Markt immer wieder einmal über ein Zusammengehen von TUIfly, germanwings und Condor spekuliert, sagte sie. Bislang verhandeln germanwings und TUIfly noch alleine über eine Kooperation.

   Arcandor und die Lufthansa-Mutter germanwings wollten sich zu dieser Frage am Freitag nicht äußern. Bei TUIfly hieß es, dass ihr gemeinsames Vorhaben mit germanwings durch die Rücknahme der Pläne von Air Berlin und Thomas Cook nicht betroffen sei.

   Thomas Cook und Air Berlin kehren sich nach Absage der Condor-Transaktion nicht ganz den Rücken. Sie verhandeln gemeinsamen Angaben zufolge jetzt ohne Zeitdruck über alternative Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Die Partner wollten keine Details hierzu nennen. Analystin Noß hält eine weitergehende Kooperation zwischen Air Berlin und Condor durchaus für sinnvoll. Damit könnten beide Airlines ihre Auslastungen verbessern, sagte sie.

   Bei Air Berlin hält die Analystin eine weitere Reduzierung des Langstreckengeschäftes für möglich. Der Vorstand müsse sich auf die Strecken reduzieren, die sich rechnen würden, sagte sie. Das könnte dazu führen, dass der Vorstand seine Wachstumsstrategie auf der Langstrecke aufgeben müsste und sich nur auf die lukrativen Kurzstrecken fokussiere.

Webseite: http://www.airberlin.de http://www.thomascook.com

-Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, +49 (0)40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com

DJG/kib/mim (END) Dow Jones Newswires

   July 11, 2008 05:54 ET (09:54 GMT)

   Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 05 54 AM EDT 07-11-08

Aktien in diesem Artikel

Was denken Sie über die KfW?
Wichtige Institution
Stümperhafte Vorstände
Sollte abgeschafft werden
Milliardengrab für Steuergelder
Muss umgebaut werden




Wie bewerten Sie diese Seite?   sehr gut        schlecht
 

Anzeige

Anzeige