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UPDATE: Dt Bank/Ackermann: Globalisierung hat Krise verstärkt
(NEU: Einzelheiten) Von Peter Herkenhoff DOW JONES NEWSWIRES FRANKFURT (Dow Jones)--Die Atomisierung der globalen Finanzindustrie hat nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank die seit Sommer 2007 anhaltende Finanzmarktkrise mit ausgelöst. Vor 30 Jahren hätte eine solche Krise lediglich eine kleine Bankengruppe getroffen, sagte Josef Ackermann am Dienstagabend auf einer Veranstaltung in Frankfurt. Durch die zunehmende weltweite Verflechtung und den Trend, Kredite an den Finanzmärkten weiterzuverkaufen, sei das Bankensystem zuletzt aber instabiler geworden.
Ackermann bekräftigte seine Ansicht, dass ein Ende der Krise in Sicht sei. Die Preise für vereinzelte Finanzprodukte hätten sich zuletzt erholt. "Ja, Stabilität ist erkennbar, wenn keine weiteren Schocks auftreten." Ein erneuter Einbruch wie zuletzt im März wäre aber dann möglich, wenn es zu einer Schieflage bei einem Hedgefonds oder einem Kreditversicherer (Monoliner) kommen würde.
Trotz zuletzt hoher Verluste will die Deutsche Bank das Investmentbanking ausbauen. "Wir werden weiter in den USA und in den Schwellenländern expandieren", sagte Ackermann. Forderungen, sich aus den USA wegen der hohen Verluste mit strukturierten Kreditprodukten zurückzuziehen, erteilte der CEO eine Absage.
Die USA seien die größte Volkswirtschaft der Welt und vereinigten ein Drittel des globalen Finanzpotenzials auf sich. Dort erziele die Bank heute 20% ihrer Erträge. Ackermann zeigte sich zuversichtlich, dass sich der seit der Krise mit nachrangig gesicherten Hypotheken angeschlagene US-Immobilienmarkt dank einer konzertierten Aktion von US-Notenbank und der Wirtschaftspolitik im Laufe des Jahres beruhigen wird.
Für 2008 rechnet Ackermann mit einem Wachstum in den USA von 1,5%. Das aktive Gegensteuern der Wirtschaftspolitik habe zu einer Stabilisierung der Situation beigetragen, lobte der Vorstandsvorsitzende. Außerdem lobte er die Zentralbanken, die nach anfänglichen Koordinierungsproblemen auf die Krise richtig reagiert und zusätzliche Liquidität bereitgestellt hätten.
Zugleich warnte Ackermann vor einer Verteufelung von Finanzinnovationen. "Wir müssen zeigen, dass die meisten Innovationen dazu beitragen, einen volkswirtschaftlichen Nutzen zu stiften", sagte der promovierte Nationalökonom. Wer fordere, zu einer "Buy-and-hold"-Strategie zurückzukehren, verkenne die Dynamik der Finanzmärkte. Großunternehmen und Schwellenländer seien heute von Geld- und Kapitalmärkten abhängig. Eine globale Abschwächung des Kreditangebots würde deshalb zu einer weltweiten Abschwächung des realen Wachstums führen.
Trotz milliardenschwerer Abschreibungen bei den weltweit führenden Investmentbanken sei es den meisten Banken im vergangenen Jahr gelungen, einen Gewinn zu erzielen. "Da ist viel Substanz im System", sagte Ackermann.
Forderungen, die Deutsche Bank durch eine große Übernahme zu stärken, erteilte Ackermann eine Absage. Größe an sich sei für ein Institut wie die Deutsche Bank kein Kriterium. Vielmehr komme es auf die relative Größe an, so der Manager. Im Investmentbanking sei die Deutsche Bank bereits weltweit die Nummer 2, im Asset Management gehöre das Frankfurter Institut zu den weltweit fünf Größten.
Dagegen bekräftigte Ackermann seinen Willen, im Privatkundengeschäft zukaufen zu wollen und bestätigte zum wiederholten Mal sein Interesse an der Postbank. Zugleich warnte der CEO vor vorschnellen Schlüssen. Jede Übernahme müsse sowohl strategisch als auch für die Aktionäre sinnvoll sein.
Zugleich erneuerte der Manager seine Forderung, die Bilanzierungsvorschriften zu vereinheitlichen. Die Unterschiede zwischen US-GAAP und IFRS seien gravierend. Wenn die Deutsche Bank "aggressiver" bilanziert hätte, wäre das Ergebnis im ersten Quartal 5 Mrd EUR besser ausgefallen.
Webseite: http://www.deutschebank.com -Von Peter Herkenhoff, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 116, peter.herkenhoff@dowjones.com DJG/phe/bam (END) Dow Jones Newswires
May 06, 2008 16:20 ET (20:20 GMT)
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