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20.05.2008 19:24
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UPDATE: Energiebranche hält neue Netzrenditen für inakzeptabel

   (NEU: Ruhrgas-Statement)

Von Klaus Hinkel, Jan Hromadko und Andreas Heitker

   DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT/BERLIN (Dow Jones)--Die von der Regulierungsbehörde geplante Absenkung der Renditevorgaben für die Strom- und Gasnetze in Deutschland ist in der Energiebranche auf scharfe Kritik gestoßen. Sowohl Verbände als auch führende Unternehmen lehnten eine Eigenkapitalverzinsung von nur noch 7,82% ab.

   Die Bundesnetzagentur bestätigte am Dienstag die Absicht, die Renditen mit der Einführung der Anreizregulierung Anfang 2009 entsprechend zu ändern. Derzeit beträgt die Verzinsung noch 7,91% bei den Strom- und 9,21% bei den Gasnetzen.

   Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der die Stadtwerke vertritt, hält die Pläne der Netzagentur für nicht akzeptabel. Der von der Bonner Behörde favorisierte Eigenkapitalzinssatz von 7,82% reiche definitiv nicht aus, um die anstehenden hohen Investitionen in die Strom- und Gasnetze zu mobilisieren, sagte am Dienstag der VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck Dow Jones Energy Daily.

   "Die Regulierungsbehörde hält offensichtlich an ihrem bisherigen Kurs fest, die Netzkosten um jeden Preis zu senken. Damit sind aber erhebliche Risiken für die zukünftige Netzinfrastruktur verbunden, die wir im Interesse der gesamten Volkswirtschaft für nicht vertretbar halten", erklärte Reck. Der VKU habe gute Argumente für einen sehr viel höheren Eigenkapitalzinssatz, die der Verband in der jetzt beginnenden Konsultationsphase vortragen werde.

   Kritik kam auch vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Schon jetzt lägen die Eigenkapitalzinsen in Deutschland unter Berücksichtigung von Körperschaftsteuer und Inflation weit unterhalb derer im Ausland. Hinzu komme der durch die Anreizregulierung verursachte Zeitverzug beim Kapitalrückfluss. Er drücke die Renditen ebenfalls immer stärker nach unten, weil der Investor seine Ausgaben vorfinanzieren müsse, erklärte BDEW-Präsident Werner Brinker. Ein derartiger Wettbewerbsnachteil sei im Hinblick auf potenzielle Kapitalgeber für die Netzbetreiber in Deutschland nicht akzeptabel.

   Darüber hinaus müssten in den Eigenkapitalzinssätzen die im Vergleich höheren spezifischen Risiken der Gasnetzbetreiber berücksichtigt werden. Aufgrund des überwiegenden Einsatzes von Erdgas im Heizenergiemarkt unterlägen Gasversorger durch den Wettbewerb mit Konkurrenzenergien einem höheren Risiko bei der für einen wirtschaftlichen Betrieb notwendigen Auslastung der Gasnetze, betonte Brinker. Der Branchenverband fordert eine deutliche Anhebung der derzeit geltenden Zinssätze auf 12,5% für Strom und 13,3% für Gas.

   Eine RWE-Sprecherin erklärte, der Energiekonzern wolle trotz der nun ins Spiel gebrachten Renditevorgaben sein Höchstspannungsnetz weiterhin nicht veräußern. "Wir halten daran fest, die Netze behalten zu wollen, auch wenn die Wirtschaftlichkeit dadurch weiter eingeschränkt wird", sagte die Sprecherin. Neben den zu niedrigen Zinssätzen seien auch der zeitliche Verzug bei der Refinanzierung sowie die nicht berücksichtigten Körperschaftssteuern zu kritisieren. "Die 7,82% kommen bei den Netzbetreibern doch gar nicht an", betonte sie.

   Ähnlich äußerte sich auch die E.ON Ruhrgas AG, die in Deutschland das längste Gasnetz betreibt. Eine erste Prüfung habe ergeben, dass Netzagentur bei den von ihr vorgeschlagenen Zinssätzen die Körperschaftsteuer nicht berücksichtigt habe. Für ein methodisch korrektes und den gesetzlichen Vorgaben entsprechendes Vorgehen müssten die ermittelten Zinssätze entsprechend erhöht werden.

   Auch sei die Auffassung der Behörde, die von ihr vorgeschlagenen Zinssätze seien höher als vergleichbare ausländische Renditen, nicht nachvollziehbar, kritisierte Ruhrgas. Eine Studie des BDEW habe das Gegenteil ergeben. Leistungsfähige und gut ausgebaute Leitungsnetze seien jedoch wichtig für die Versorgungssicherheit mit Erdgas. Daher seien dringend Korrekturen nötig.

Webseiten: http://www.vku.de/ http://www.bdew.de/ http://www.rwe.com/ http://www.eon-ruhrgas.com/

Von Klaus Hinkel, Jan Hromadko und Andreas Heitker, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 111, unternehmen.de@dowjones.com DJG/hei/rio (END) Dow Jones Newswires

   May 20, 2008 13:21 ET (17:21 GMT)

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