Hannover Rückversicherung Aktie [WKN: 840221 / ISIN: DE0008402215]

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25.07.2008 13:48
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UPDATE: Finanzkrise zwingt Münchener Rück zu Gewinnwarnung

   (NEU: Ausblick, Aktienkurse, Ergo, Hintergrund, Details)

Von Rüdiger Schoß

   DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Die anhaltenden die Turbulenzen auf den Kapitalmärkten haben die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG am Freitag zu einer deutlichen Gewinnwarnung gezwungen. Der Rückversicherer nahm im zweiten Quartal erhebliche Abschreibungen auf sein Aktienportfolio vor und rechnet mit weiteren Wertkorrekturen. Analysten rechnen nun damit, dass andere Versicherer ähnlichen Korrekturen vornehmen müssen.

   Am deutschen Aktienmarkt brachen daraufhin die Kurse der Finanzwerte auf breiter Front ein. Die Titel der Münchener Rück büßte in der Spitze 12,8% ihres Börsenwertes ein.

   Der gemessen am Prämienaufkommen weltweit zweitgrößte Rückversicherer kündigte am Vormittag überraschend an, statt des bisher angekündigten Nettogewinns von 3,0 Mrd bis 3,4 Mrd EUR werde nur noch mit einem Ergebnis von "deutlich über 2 Mrd EUR" gerechnet. Eine Gewinnwarnung gab anschließend auch der konzerneigene Erstversicherer Ergo ab.

   Möglicherweise muss auch die Hannover Rück noch ihre bisherige Gewinnschätzung zurücknehmen. Ein Sprecher sagte Dow Jones Newswires: "Wenn die Beruhigung der Kapitalmärkte nicht eintritt, wird es auch für uns schwierig, unsere Prognose zu erreichen".

   Die Münchener Rück verwies zur Begründung für die massive Senkung der eigenen Prognose auf die Entwicklung an den Aktienmärkten, wo Indizes wie EuroSTOXX50 und DAX seit Jahresbeginn 20% bzw 24% gefallen sind. Es seien deshalb "erhebliche Abschreibungen" auf das Aktienportfolio nötig, obwohl der Konzern nur mit knapp 7% ihrer gesamten Kapitalanlagen in Aktien engagiert ist. Auf festverzinsliche Wertpapiere habe es Abschreibungen in "geringfügigem Umfang" gegeben.

   Im zweiten Quartal ging deshalb das Kapitalanlageergebnis wegen der gesunkenen Aktien- und Rentenkurse "spürbar" zurück, so dass der Konzerngewinn auf Basis vorläufiger Zahlen um knapp die Hälfte auf 600 Mio EUR einbrach. Im Vorjahr hatte die Münchener Rück noch 1,158 Mrd EUR verdient.

   Für Analyst Konrad Becker von Merck Finck war die Gewinnwarnung 2008 "vom Prinzip her keine Überraschung". Jedoch habe er nicht mit Abschreibungen in dieser Höhe gerechnet. Positiv sei, dass es keinen direkten Zusammenhang mit der Finanzkrise gebe und auch das operative Geschäft nicht der Grund für die Gewinnwarnung sei.

   Die Gewinnwarnung ist nach Ansicht der Hamburger Sparkasse nicht die letzte der Branche. "Man wird jetzt damit rechnen müssen, dass andere noch größere Korrekturen vornehmen müssen", sagte Analyst Christian Hamann. Das Schockierende sei, dass die Warnung von der Münchener Rück komme, da dies der Versicherer mit der defensivsten Kapitalanlage sei.

   "Schockierend" wertete Hamann auch die Reaktion der Anleger am Aktienmarkt. Schließlich sei es offensichtlich gewesen, dass die Aktienkurse zum Halbjahresstichtag am 30. Juni deutlich niedriger standen als zum Jahresanfang. Die Reaktion zeige deshalb, dass diese Erkenntnis doch nicht stark genug in den Kursen verarbeitet sei. "Das schockiert schon, dass der Markt noch so optimistisch aufgestellt ist", sagte Hamann.

   Am Frankfurter Aktienmarkt schickten Anleer am Freitagvormittag die Kurse von Finanzwerten nach der Mitteilung aus München auf Talfahrt, nachdem sie wegen schwacher US-Vorgaben bereits unter Druck waren. Die Münchener-Rück-Aktie notierte um 13.32 Uhr mit 11,1% im Minus bei 103,51 EUR und ist damit deutlich schwächster Wert im DAX. Das Papier der Allianz verliert als zweitschwächster DAX-Wert 6,3% auf 107,23 EUR. Im MDAX wird die Aktie von Hannover Rück am frühen Nachmittag noch mit einem Abschlag von 10,3% bei 28,98 EUR gehandelt, nachdem sie in der Spitze um 16% billiger zu haben war.

   Die Münchener Rück, die den Kurssturz ausgelöst hatte, zeigte sich auch für die nähere Zukunft wenig optimistisch. Bei Aktien sei mit weiteren Abschreibungen zu rechnen, sollte der Markt auf dem aktuellen Niveau verharren, hieß es in der Erklärung weiter. Dies gelte nicht, wenn es zu einer signifikanten Kurserholung kommen sollte. Davon unberührt bekräftigte der Rückversicherer sein mittelfristiges Ziel, bis 2010 je Aktie mehr als 18 EUR Gewinn erzielen zu wollen.

Webseite: http://www.munich-re.com

-Von Rüdiger Schoß, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 117, ruediger.schoss@dowjones.com DJG/rso/kla/rio (END) Dow Jones Newswires

   July 25, 2008 07:47 ET (11:47 GMT)

   Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 07 47 AM EDT 07-25-08

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