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Von Natali Schwab DOW JONES NEWSWIRES FRANKFURT (Dow Jones)--Der Unternehmer Adolf Merckle ist tot. Das bestätigte seine Familie am Dienstag. Nach Polizeiangaben hatte sich Merckle offenbar am Montagabend in der Nähe seines Wohnorts Blaubeuren in der Nähe von Ulm vor einen Zug geworfen.
"Die durch die Finanzkrise verursachte wirtschaftliche Notlage seiner Firmen und die damit verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer gebrochen, und er hat sein Leben beendet", hieß es in der Erklärung der Familie.
Laut Polizei fand ein Bahn-Mitarbeiter am Montagabend in Merckles Heimatort Blaubeuren die Leiche des Unternehmers im Gleisbereich. Die Familie meldete Merckle am Abend als vermisst. Er sei am Nachmittag aus dem Haus gegangen und nicht mehr zurückgekehrt, schreibt die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Polizei. Eine DNA-Analyse solle die Identität des Toten im Laufe der Woche hundertprozentig sicherstellen.
Fehlspekulationen mit Volkswagen-Aktien sollen Merckle in Finanznöte gebracht haben. Die Unternehmerfamilie hatte laut Medienberichten eingeräumt, sich mit VW-Aktien verspekuliert zu haben und dabei einen "niedrigen dreistelligen Millionenbetrag" verloren zu haben. Merckle war zudem in Bedrängnis geraten, weil einige seiner Firmen hoch verschuldet sind und im Zuge der Finanzkrise an Wert verloren hatten.
Zu Merckles Firmenimperium gehört neben dem Generikahersteller Ratiopharm und der Phoenix Pharmahandel AG & Co KG unter anderem auch der Pistenraupenhersteller Kässbohrer. Zudem hält er über Spohn Cement und die VEM Vermögensverwaltungs GmbH knapp 80% an dem Baustoffhersteller HeidelbergCement.
Bernd Scheifele, Vorstandsvorsitzender von HeidelbergCement, erklärte, sein Unternehmen sei Merckle "zu großem Dank verpflichtet". Merckle habe die "dynamische Entwicklung von HeidelbergCement von einem mittelständischen süddeutschen Zementunternehmen zu einem der weltweit größten Baustoffhersteller aktiv mitgeprägt und begleitet".
Vor allem HeidelbergCement war nach der größtenteils schuldenfinanzierten rund 11 Mrd EUR teuren Übernahme des britischen Baustoffherstellers Hanson im Jahr 2007 in den Mittelpunkt gerückt. Das Unternehmen selbst hatte im November beteuert, von den Problemen bei VEM "operativ" nicht betroffen zu sein und über genügend Liquidität zu verfügen.
Merckle hatte wochenlang mit seinen 30 Gläubigerbanken über einen Überbrückungskredit verhandelt und zuletzt die Beteiligungen an HeidelbergCement, Phoenix und Ratiopharm als Sicherheiten angeboten. Ende des Jahres war die Rettung einen Schritt weiter voran gekommen und eine Stundungsvereinbarung von allen Beteiligten unterzeichnet worden. Es bestehe zudem Einvernehmen zwischen den Parteien, Anfang Januar die restlichen Abkommen umzusetzen, hatte es geheißen. Damit seien die Voraussetzungen für eine nachhaltige Lösung der aufgetretenen Finanzierungsprobleme gegeben.
Details waren nicht genannt worden, doch hatten sich Medienberichten zufolge die Anzeichen dafür verdichtet, dass jede dauerhafte Lösung einen Verkauf von Teilen der Firmengruppe bedeutet hätte.
Bankenkreisen zufolge sind die getroffenen Finanzierungsvereinbarungen nun auch nach dem Tod Merckles nicht beeinträchtigt. Das sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Dienstag zu Dow Jones Newswires. Auch die VEM erklärte, der Tod Merckles habe keine Auswirkungen auf den Sanierungsprozess.
In einem seiner wenigen Interviews hatte Merckle Anfang Dezember in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" auch die zögerliche Kreditvergabe der Banken für seine Probleme verantwortlich gemacht. Es sei "problematisch, dass man trotz Sicherheiten keine Kredite mehr bekommen kann", hatte er gesagt. Er als Unternehmer sei immer gewisse Risiken eingegangen und habe schon viele so genannte Börsencrashs überstanden. "Mit einer Banken- und Finanzkrise in diesem Ausmaß konnte ich jedoch nicht rechnen."
Webseite: http://www.vemvv.de http://www.heidelbergcement.com-Von Natali Schwab, Dow Jones Newswires; +49 (0)69-29725 119, consumer.de@dowjones.com
(Madeleine Winkler und William Launder haben zu dem Bericht beigetragen)
DJG/AFP/nas/jhe Besuchen Sie unsere neue Webseite http://www.dowjones.de (END) Dow Jones NewswiresJanuary 06, 2009 12:26 ET (17:26 GMT)
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