Die Nummer 2 unter Deutschlands Breitband-Providern probt den Aufstand gegen die Deutsche Telekom. Im Sommer errichtet United Internet ein eigenes DSL-Netz.
von Stephan Bauer
Seit Juli darf United Internet DSL-Anschlüsse der Deutschen Telekom im eigenen Namen verkaufen. Ein neues Telekommunikationsgesetz machte dies möglich. Doch seitdem stockt der Nachschub mit DSL-Neuanschlüssen von der Deutschen Telekom: Mal hänge die Buchungssoftware beim Ex-Monopolisten, mal fehle es an Hardware für Neukunden, beschweren sich die Telekom-Konkurrenten. Jetzt errichtet United-Vorstand Ralph Dommermuth sein eigenes DSL-Netz.
Euro: Probleme mit der Telekom?
Dommermuth: Bis Juli hatten wir keine. Doch seit wir DSL-Anschlüsse der Telekom unter eigenem Namen verkaufen, läuft es sehr schlecht. Vor kurzem hingen 50000 unserer Neukunden in der Warteschleife und bekamen keinen Anschluß. Vor zwei Wochen ließ die Telekom dann gar keine Anmeldungen mehr zu. Begründung: Man habe keine DSL-Splitter - ein kleiner Plastikstecker, der für den Anschluß gebraucht wird. Für Kunden von T-Online aber gab es noch welche. Das Maß ist voll.
Euro: Unfähigkeit oder Absicht seitens des Marktführers?
Dommermuth: Fehlende Priorität. Was bringt es der Telekom, die Konkurrenz stark zu machen?
Euro: Wie groß ist der Schaden?
Dommermuth: Sicher ist, daß uns Umsatz entgangen ist. Unsere Ziele für 2004, also ein Umsatz von 506 Millionen und ein Vorsteuergewinn nach US-GAAP von 85 Millionen Euro, sind aber nicht gefährdet.
Euro: Ziehen Sie vor Gericht?
Dommermuth: Wir versuchen, das in Verhandlungen zu klären.
Euro: Jetzt errichten Sie Ihr eigenes DSL-Netz. Was bedeutet das?
Dommermuth: Wir werden in Ballungszentren, wo wir besonders viele Kunden haben, sogenannte Hauptverteiler selbst betreiben und ausrüsten. Die Standleitungen dorthin werden wir mieten. Da gibt es verschiedene Anbieter. Nur die Leitungen zur Telefondose der Kunden brauchen wir weiter von der Telekom. Zunächst planen wir den Betrieb von etwa 700 der rund 7000 Hauptverteiler in Deutschland.
Euro: Was kostet das?
Dommermuth: Erst einmal 30 bis 50 Millionen Euro, die voraussichtlich im Sommer anfallen werden. Zum Vergleich: Wir werden der Telekom dieses Jahr rund 150 Millionen Euro für Vorleistungen zahlen.
Euro: Mehr geben Sie nicht aus?
Dommermuth: Das kann ich noch nicht sagen.
Euro: Belasten die Pläne den Gewinn im laufenden Jahr?
Dommermuth: Nein. Die Gewinne werden nicht belastet. Wir sparen durch die eigene Infrastruktur ja Telekom-Vorleistungen ein. Das erhöht unseren Gewinn tendenziell.
Euro: Wieso nur tendenziell?
Dommermuth: Weil wir in den Ballungszentren im Wettbewerb mit anderen Netzbetreibern stehen und die Einkaufsvorteile an die Kunden weitergeben werden.
Euro: Warum haben Sie den Schritt nicht schon früher unternommen?
Dommermuth: Wir haben mehr als eine Million DSL-Kunden. Ein Netz lohnt sich erst jetzt für uns.
Euro: Gibt es weniger Dividende?
Dommermuth: Nein. Wir schütten weiter rund 20 bis 25 Prozent unserer Nettoergebnisse aus.
Euro: T-Online wandert in die Festnetzsparte T-Com, die Aktie verschwindet. Was halten Sie davon?
Dommermuth: Für uns ist das gut, weil unsere Gewichtung im TecDax steigt. Aus Sicht der Telekom ist der Schritt auch sinnvoll. Außerdem hoffe ich, daß die Telekom durch diesen Schritt nicht schneller in ihren Prozessen wird.