Die Wall Street geht am Donnerstag gemischt in den Handel, nachdem gestern zu Handelsschluss leichte Pluszeichen verbucht wurden. Neben den Quartalszahlen von Goldman Sachs, die eher schlecht waren, sind auf Unternehmensseite noch jeweils eine Milliarden-Übernahme im Halbleiterbereich und Pharmasektor nennenswert. Die Börsianer konzentrieren sich heute jedoch vor allem auf die Wirtschaftsdaten, die gemischt ausfielen. Aus Übersee kommen indes eher positive Impulse.
Bei den konjunkturellen Indikatoren gab es zunächst die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die in der letzten Woche leicht gestiegen sind. Die US-Wohnbaubeginne im Mai sind ebenfalls gestiegen, haben die Prognosen jedoch verfehlt. Schließlich haben die US-Baugenehmigungen deutlich abgenommen. Im Laufe des Tages folgt der Philadelphia Fed Index für den Monat Juni, der noch für klarere Verhältnisse - in die eine oder andere Richtung - sorgen könnte. Der Dow Jones notiert kurz nach Handelsbeginn mit einem leichten Minus von 0,14 Prozent bei 10.551,41 Punkten. Der Technologieindex Nasdaq Composite gewinnt hingegen und notiert bei 2.077,97 Zählern (+0,15 Prozent).
Die Investmentbank Goldman Sachs Group Inc. (ISIN US38141G1040/ WKN 920332) verbuchte im zweiten Quartal aufgrund der schwachen Entwicklung im Bereich Investmentbanking sowie der zunehmend verschärften Wettbewerbsbedingungen einen Gewinnrückgang. Wie der Konzern bekannt gab, lag der Nettogewinn im Berichtszeitraum bei 865 Mio. Dollar bzw. 1,71 Dollar je Aktie, nach 1,19 Mrd. Dollar bzw. 2,31 Dollar je Aktie im Vorjahresquartal. Analysten hatten im Vorfeld ein EPS von 1,87 Dollar erwartet. Der Konzernerlös verringerte sich von 5,51 Mrd. Dollar auf 4,81 Mrd. Dollar, was leicht unterhalb der Analystenschätzung von 4,96 Mrd. Dollar lag.
Der weltgrößte US-Pharmakonzern Pfizer Inc. (ISIN US7170811035/ WKN 852009) will eine weitere Übernahme durchführen. Der Konzern teilte mit, dass man die Vicuron Pharmaceuticals Inc. (ISIN US9264711030/ WKN 260943) für rund 1,9 Mrd. Dollar übernehmen möchte. Mit der Übernahme will Pfizer seinen Anti-Infektiva-Bereich verstärken. Der Preis von 29,10 Dollar je Aktie entspricht einem Aufschlag von 74 Prozent auf den durchschnittlichen Schlusskurs der vergangenen 90 Tage und ein Plus von über 20 Prozent auf den bisher höchsten Schlusskurs von 24,10 Dollar der Vicuron-Aktie.
Das Halbleiterunternehmen Integrated Device Technology Inc. (ISIN US4581181066/ WKN 868744) meldete am Mittwoch, dass es die Integrated Circuit Systems Inc. (ISIN US45811K2087/ WKN 938503) für 1,7 Mrd. Dollar in Bargeld und Aktien übernehmen wird. Im Rahmen der Transaktion, die bis zum Herbst abgeschlossen sein soll, erhalten Integrated Circuit-Aktionäre für jeden ihrer Anteilsscheine 1,3 Aktien von Integrated Device sowie 7,25 Dollar in bar. Auf Basis der gestrigen Schlusskurse werden damit 23,54 Dollar gezahlt, was einer Prämie von 19 Prozent entspricht. Nach der Übernahme werden die Aktionäre von Integrated Device rund 54 Prozent der Anteile des neuen Unternehmens halten, die Integrated Circuit-Aktionäre des Rest. Der Jahresumsatz des fusionierten Konzerns liegt bei rund 645 Mio. Dollar.
Der weltgrößte Automobilhersteller General Motors Corp. (GM) (ISIN US3704421052/ WKN 850000) hat die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) davor gewarnt, dass er Einschnitte bei den Gesundheitsleistungen für seine Pensionäre vornehmen wird, wenn die UAW die vom Konzern geplanten Kostensenkungsmaßnahmen nicht bis Ende des Vertrages in 2007 absegnet. Dies berichtet das "Wall Street Journal" am Donnerstag. Die UAW erklärte gegenüber der Zeitung, dass die Ziele von GM, die Gesundheitskosten in 2005 um 1 Mrd. Dollar und in 2006 um weitere 1 Mrd. Dollar zu senken, unrealistisch sind. Wie die Zeitung darüber hinaus berichtet, zeigen sich beim seit längerer Zeit angeschlagenen Europa-Geschäft des US-Konzerns erste Anzeichen einer Erholung. Trotzdem sei die Erholung noch sehr schwach und könnte jederzeit abgewürgt werden. Der GM-Konzern rechnet in diesem Jahr in Europa indes weiterhin mit einem Verlust von rund 500 Mio. Dollar.
Der US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb Co. hat sich bereit erklärt, 300 Mio. Dollar zu zahlen, um Anklagen im Zusammenhang mit einem Bilanzskandal zu verschieben. Dies teilte das Büro der Staatsanwaltschaft in New Jersey am Mittwoch mit. Frederick Schiff, der ehemalige CFO des Konzerns, und Richard Lane, der ehemalige Executive Vice President und President der Worldwide Medicines Group, wurden indes wegen Verschwörung und Wertpapierbetrug angeklagt. Wie der Konzern mitteilte, wird er im zweiten Quartal im Zusammenhang mit dem Vergleich zusätzliche Rückstellungen in Höhe von 249 Mio. Dollar bilden.
Die Boeing Co. (ISIN US0970231058/ WKN 850471), der weltweit zweitgrößte Hersteller von Passagierflugzeugen, hat von der Alaska Air Group Inc. (ISIN US0116591092/ WKN 869843) einen Auftrag zur Lieferung von 35 Maschinen vom Typ 737-800 erhalten. Dies gab die US-Fluggesellschaft am Mittwoch bekannt. Der Auftrag, der eine Option über bis zu 15 weitere Maschinen beinhaltet, hat einen Gesamtwert von 2,3 Mrd. Dollar. Die Lieferungen erfolgen dabei über einen Zeitraum von sechs Jahren. Das erste Flugzeug wird im Januar 2006 Teil der Flotte von Alaska Air werden. Darüber hinaus teilte Boeing-Chairman Lew Platt gestern auf der Paris Air Show mit, dass der europäische Flugzeughersteller Airbus S.A.S. trotz des transatlantischen Subventionsstreits für US-Rüstungsaufträge mitbieten dürfen sollte. Die Muttergesellschaft European Aeronautic Defence and Space Co. EADS N.V. (ISIN NL0000235190/ WKN 938914) hofft auf einen US-Auftrag zur Lieferung von Tankflugzeugen.
Die amerikanische YUM! Brands Inc. (ISIN US9884981013/ WKN 909190) hat im zweiten Quartal einen Anstieg der vergleichbaren Filialumsätze erzielt. Wie der Schnellrestaurantketten-Betreiber heute bekannt gab, lag der Umsatzanstieg bei Niederlassungen in den USA, welche länger als ein Jahr geöffnet waren, im Berichtszeitraum bei 5 Prozent. Auf Konzernebene wurde bei den vergleichbaren Filialumsätzen ein Erlösanstieg von 6 Prozent ausgewiesen. Gleichzeitig bekräftigte YUM! Brands die Gewinnprognose für das zweite Quartal in Höhe von 56 Cents je Aktie. In Zusammenhang mit möglichen Sondereffekten aus dem geplanten Börsengang eines Joint Ventures geht der Konzern im zweiten Quartal von einem EPS in Höhe von 59 bis 60 Cents je Aktie aus.