Wall Street: US-Märkte profitieren von Impulsen aus Übersee
Die Wall Street notiert im frühen Handel am Freitag deutlich fester. Nachdem die US-Börsen gestern leicht im Minus schlossen, können sie heute von den Impulsen der europäischen und asiatischen Aktienmärkte profitieren. In einem ansonsten eher nachrichtenarmen Umfeld stehen neben den Quartalszahlen von Best Buy die jüngsten Entwicklungen bei der Übernahmeschlacht um die Telefongesellschaft MCI sowie die Untersuchungen beim Versicherungsgiganten AIG im Mittelpunkt des Interesses. Weitere Ermittlungen gibt es auch beim Automobilzulieferer Delphi, wobei sich hier nun auch das FBI eingeschaltet hat.
Auf der Konjunkturseite wurde eine Verbesserung bei den saisonbereinigten US-Arbeitsmarktdaten für März veröffentlicht. Die Arbeitslosenquote verringerte sich demnach auf 5,2 Prozent, verglichen mit 5,4 Prozent im Vormonat. Volkswirte hatten im Vorfeld lediglich eine Verbesserung auf 5,3 Prozent erwartet.
Der Dow Jones notiert in den ersten Handelsminuten aktuell mit einem Plus von 0,48 Prozent bei 10.554,38 Punkten. Der Technologieindex Nasdaq Composite notiert ebenfalls mit einem Aufschlag von 0,60 Prozent bei 2.011,18 Zählern.
Wie gestern bekannt wurde, gibt die Qwest Communications International Inc. bezüglich der Übernahme des Telefonkonzerns MCI Inc. nicht auf und hat für diesen ein neues Angebot abgegeben. Demnach will Qwest nun den MCI-Aktionären 27,50 Dollar je Aktie bzw. insgesamt 8,9 Mrd. Dollar für die Übernahme zahlen. Die besagten 27,50 Dollar je Aktie bestehen zum einen aus einer Barkomponente von 13,50 Dollar und zum anderen aus 14 Dollar in Aktien. Eine Klausel soll den MCI-Aktionären hierbei zudem einen gewissen Schutz gegen eventuelle Kursverluste bieten, wenn der Qwest-Kurs unter die Marke von 3,32 Dollar fallen sollte. Erst am Dienstag hatte MCI, der zweitgrößte Fernverbindungsanbieter in den USA, das nachgebesserte Übernahmeangebot der Verizon Communications Inc. angenommen. Das Angebot lag bei 7,64 Mrd. Dollar. Im Rahmen der Transaktion würde Verizon demnach insgesamt 23,50 Dollar je MCI-Aktie zahlen.
Die US-Behörden vertiefen derzeit die Untersuchungen beim weltgrößten Versicherungskonzern American International Group Inc. (AIG), um herauszufinden, ob AIG möglicherweise weitere, bisher nicht eingeräumte Maßnahmen zur künstlichen Aufbesserung seiner Bilanz vorgenommen hat. Dies berichtet das "Wall Street Journal". Nach Angaben der Zeitung nehmen die US-Behörden, darunter das Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC, nun weitere Transaktionen ins Visier, um festzustellen, ob AIG unzulässigerweise seine Schadenquote (Verhältnis von eingenommenen Prämienzahlungen zu erfüllten Forderungen) gedeckelt hat. Die Behörden gehen zudem der Frage nach, ob der AIG-Konzern Transaktionen vorgenommen hat, mit denen sein Überschusskapital künstlich erhöht worden ist, hieß es weiter.
Die Best Buy Co. Inc., der größte Elektronikhändler in den USA, konnte im abgelaufenen vierten Quartal eine Gewinnsteigerung verbuchen. Das Unternehmen erklärte, dass der gute Absatz bei digitalen Fernsehgeräten und Laptops die schwache Entwicklung bei den PCs, DVD-Playern und Musik-CDs ausgleichen konnte. Demnach wurde der Nettogewinn auf 572 Mio. Dollar bzw. 1,69 Dollar je Aktie beziffert. Im vierten Quartal des Vorjahres hatte das Unternehmen noch einen Überschuss in Höhe von 469 Mio. Dollar bzw. 1,40 Dollar je Aktie erwirtschaftet. Ohne Sondereffekte belief sich der Gewinn auf 1,55 Dollar je Aktie, was exakt mit den EPS-Schätzungen der Analysten übereinstimmt. Das Unternehmen gab ferner an, dass es seinen Umsatz von 8,45 Mrd. Dollar im Vorjahr auf nun 9,23 Mrd. Dollar verbessern konnte. Auch mit diesem Ergebnis konnten die Markterwartungen genau getroffen werden.
Der weltgrößte Automobilzulieferer Delphi Corp. sieht sich im Rahmen der laufenden Untersuchungen derzeit auch mit Ermittlungen des FBI konfrontiert. Dies bestätigte eine Konzernsprecherin am gestrigen Donnerstag. Wie die ehemalige Tochter des Automobilkonzerns General Motors Corp. (GM) bereits letzte Woche mitteilte, hat sie im Jahr 2000 Zahlungen an GM in Höhe von 237 Mio. Dollar falsch verbucht, wodurch der Vorsteuer-Gewinn in 2001 um 61 Mio. Dollar zu hoch ausgewiesen worden ist. Als Folge dieser Bilanzierungsfehler mussten der CFO und der Controller zurücktreten.
Der Chip-Produzent Transmeta Corp. gab gestern nach Börsenschluss bekannt, dass er Arthur L. Swift zum President und CEO berufen hat. Zudem kündigte man im Rahmen einer weltweiten Restrukturierung den Abbau von 67 Stellen an. Demnach tritt Swift, der auch in das Board of Directors gewählt wurde, die Nachfolge von Matthew R. Perry an, der das Unternehmen verlässt. Swift kam im März 2003 in das Unternehmen und arbeitete seitdem als Senior Vice President für den Bereich Marketing. Nach den Stellenstreichungen, die im ersten Quartal eine Sonderbelastung von voraussichtlich rund 6 Mio. Dollar zur Folge haben, wird das Unternehmen weltweit noch 208 Mitarbeiter beschäftigen. Darüber hinaus meldete der Chip-Hersteller, dass er mit der Sony Corp. ein Abkommen geschlossen hat, nach dem er dem japanischen Unterhaltungselektronik-Konzern technische Dienstleistungen zur Verfügung stellen wird. Damit soll die Einführung der "LongRun2"-Technologien bei Sony beschleunigt und ausgedehnt werden.
Das Biotechnologie-Unternehmen Biogen Idec Inc. stellte am Donnerstag die endgültigen Zahlen für das Schlussquartal sowie das Gesamtjahr 2004 vor und hat dabei seine vorläufigen Angaben nach unten revidiert. Demnach wurde der Quartalsgewinn von vorläufig 48,4 Mio. auf nun 28,7 Mio. Dollar revidiert, während der Nettogewinn des Gesamtjahres von vorläufig 44,8 Mio. auf nun 25,0 Mio. Dollar korrigiert wurde. Die Abweichungen zum im Februar gemeldeten Zahlenwerk sind auf Korrekturen bei den Aufwendungen im Zusammenhang mit der Fusion der Biogen Corp. und der Idec Pharmaceuticals Corp. zurückzuführen.