Renewable Energy 2 Aktie [WKN: A0BKK5 / ISIN: NO0010112675]

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06.01.2008 09:00
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Wo die Sonne nie untergeht (EuramS)

Klammheimlich ist das norwegische Unternehmen REC zum größten integrierten Anbieter von Solartechnologie aufgestiegen. Mit deutscher Beteiligung

von Günter Heismann

Narvik ist nicht gerade ein idealer Platz, um Sonnenenergie zu nutzen. Seit Ende November herrscht in der norwegischen Hafenstadt die Polarnacht, erst Mitte Januar geht die Sonne wieder auf. Narvik liegt 200 Kilometer nördlich des Polarkreises – doch ausgerechnet in diesem düsteren Ort steht eine der weltweit größten Fabriken für Solarzellen, mit denen Sonnenlicht in Strom verwandelt wird. Gebaut hat die Anlage die norwegische Firma Renewable Energies Corporation (REC). Im Lauf dieses Jahres soll in Narvik, um dessen Universität ein kleines Hightech-Zentrum entstanden ist, ein weiteres Solarzellenwerk eingeweiht werden. Fast unbemerkt ist REC zum weltweit größten integrierten Anbieter von Solartechnologien aufgestiegen. Die Skandinavier sind auf allen Stufen der Wertschöpfung dabei: vom Grundstoff Silizium über die Zwischenprodukte Wafer und Solarzellen bis zu den fertigen Modulen, die auf Hausdächer, Fabriken oder Parkhäuser montiert werden.

Jetzt will Boss Erik Thorsen die Produktion in Norwegen, Schweden und den USA kräftig ausbauen, die Kooperation mit deutschen Partnern erweitern und in Singapur das größte Solarzentrum der Welt aufbauen. In Thorsens Imperium soll die Sonne nicht mehr untergehen.

Bei solarem Silizium und Wafern ist REC bereits die Nummer 1. Bei Solarzellen und Modulen freilich liegen die Wettbewerber vorn – derzeit noch. Dank seiner starken Stellung bei den Vorprodukten kann der norwegische Solarkonzern allerdings der ganzen Branche den Takt vorgeben. Bis zu 25 Prozent aller Solarzellen werden weltweit mit Silizium von REC hergestellt, schätzen Branchenbeobachter. "Graues Gold" wird das knappe und teure Halbleitermaterial gern genannt.

Eine so wertvolle Ressource will geschickt vermarktet werden. REC schließt mit den Kunden gern langfristige Verträge ab, bei denen Preise und Abnahmemengen über die gesamte Laufzeit festgelegt sind. Angesichts der starken Preisschwankungen lassen sich selbst mächtige Konzerne wie die japanische Sharp, der größte Hersteller von Solarzellen, auf solche Kontrakte ein. "Mit langfristigen Lieferverträgen steigt die Transparenz unserer Erlöse und Gewinne", erläutert Firmenchef Thorsen. Auch die weltweite Nummer 2, die deutsche Q-Cells, hat sich so die Versorgung mit Silizium gesichert. Und sich obendrein mit 17 Prozent an REC beteiligt. Der Konzern, der zur dominanten Kraft der Solarindustrie werden will, feiert dieses Jahr erst seinen achten Geburtstag. Im Jahr 2000 schlossen sich drei Start-ups zu REC mit Sitz in Oslo zusammen. Sechs Jahre später ging das Unternehmen an die Börse. Großaktionäre sind heute – neben Q-Cells – der norwegische Stromversorger Hafslund, die holländische Investmentgesellschaft Good Energies und der norwegische Mischkonzern Orkla.

Die Eigentümer mussten freilich ein paar Jahre warten, bis REC aus den Anfangsverlusten heraus war. Heute ist der Solarkonzern hochprofitabel: In den ersten neun Monaten 2007 kletterte der Betriebsgewinn um 87 Prozent auf 1,91 Milliarden Norwegische Kronen (circa 240 Millionen Euro). Der Umsatz stieg um 58 Prozent auf 4,77 Milliarden Kronen. In den ersten drei Quartalen 2007 erzielte REC eine operative Marge von 40,1 Prozent – im Vorjahr waren es erst 34,0 Prozent.

Damit hat der Konzern beste Vo­raussetzungen für die globale Expansion, die REC-Chef Thorsen entschlossen vorantreibt. Auf dem US-Markt haben die Norweger bereits mit zwei Werken Fuß gefasst. Im Bundesstaat Montana betreiben sie die weltgrößte Fabrik für Silangas, das bei der Siliziumherstellung benötigt wird. Im Staat Washington produzieren die Nordmänner Silizium; für 600 Millionen Dollar baut REC dort gerade ein zweites Werk. Die Fertigung von Modulen wurde am schwedischen Standort Glava konzentriert, wo die Kapazitäten verdreifacht werden sollen.

Beherzter noch als in Schweden und den USA geht REC in der norwegischen Heimat zu Werke. In Glomfjord und Heroeya hat der Konzern die Produktion von Wafern angesiedelt, den kreisrunden Siliziumscheiben, aus denen später Solarzellen geschnitten werden. 2010 will REC in Glomfjord Wafer mit einer Spitzenleistung von insgesamt 300 Megawatt herstellen. Das wäre nahezu zehnmal so viel wie derzeit. Überdies soll die Waferproduktion in Heroeya bis 2009 auf eine Kapazität von jährlich 1300 Megawatt verdoppelt werden. Das entspricht exakt der Leistung eines großen Atomreaktors.

Obendrein wollen die Norweger dort ein Forschungslabor bauen, in dem effizientere Wafertechnologien entwickelt werden sollen. "REC hat das Ziel, die Kosten so weit zu senken, dass die Solarenergie ohne staatliche Subventionen wettbewerbsfähig wird", erläutert Thorsen. 2,7 Milliarden Kronen (rund 340 Millionen Euro) will REC in das neue Labor und die beiden geplanten Fabriken in Heroeya investieren. Dort soll der größte Solarkomplex Europas entstehen.

REC hastet von Rekord zu Rekord. In Singapur will das Unternehmen sogar die größte Solarfabrik der Welt bauen. In dem Stadtstaat ist eine integrierte Anlage zur Produktion von Wafern, Solarzellen und Modulen geplant. Wenn der Komplex fertig ist, sollen 3000 Menschen dort arbeiten. Die Investitionen könnten in den kommenden fünf Jahren leicht drei Milliarden Euro übersteigen. Bei der Finanzierung setzt REC in den ersten Projektphasen auf den kräftig sprudelnden Cashflow. Später könnte das Unternehmen aber an die Kapitalmärkte gehen, kündigt REC-Manager Jon André Loekke an.

In Deutschland haben die Norweger bereits einen finanzstarken Partner für die Expansion gefunden. Q-Cells hat sich nicht nur mit einer Milliarde Euro am Kapital von REC beteiligt. Der Solarzellenhersteller betreibt zudem mit REC zwei Gemeinschaftsunternehmen. 2004 gründeten die beiden die CSG Solar AG, die sich auf eine kostengünstige Alternative zu den bestehenden Solartechnologien spezialisiert hat – das Dünnschichtverfahren. Der Anlauf der Massenproduktion musste freilich aufgrund von technischen Problemen verschoben werden. Auch die Firma EverQ, die sich ganz in der Nähe von CSG niedergelassen hat, sucht effizientere Wege der Sonnennutzung. Das Unternehmen setzt auf das String-Ribbon-Verfahren, das die amerikanische Evergreen Solar entwickelt hat. Damit lassen sich Solarzellen billiger herstellen als bisher. Lizenzgeber Evergreen ist ebenso wie REC und Q-Cells am Kapital von EverQ beteiligt. Neben den beiden bereits gebauten Werken wollen die Eigentümer jetzt eine dritte Fabrik hochziehen. Zudem soll das Joint Venture an die Börse gebracht werden. "Der IPO findet aber voraussichtlich erst 2009 statt", kündigte REC-Manager Loekke gegenüber €uro am Sonntag an.

Beim Gemeinschaftsunternehmen mogeln REC und Co freilich ein wenig: Der Standort Thalheim, den sie gern als Sitz von CSG und EverQ nennen, ist in Wahrheit ein Ortsteil von Bitterfeld. Zu DDR-Zeiten galt die Gemeinde mit ihrer Chemieindustrie als schmutzigste Stadt Europas – das beeinträchtigt das Image bis heute. Doch warum darf Bitterfeld nicht ein Zentrum für saubere Energien sein? Schließlich kommen ja auch aus dem düsteren Narvik innovative Technologien für Sonnenenergie.

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