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XETRA-SCHLUSS/Schwach - Poole-Aussagen zu US-Finanzierern belastet
FRANKFURT (Dow Jones)--Erneut mit schwacher Tendenz sind die deutschen Aktienmärkte am Donnerstag aus dem Handel gegangen. Der DAX verlor 1,3% oder 81 auf 6.305 Punkte und konnte die 6.300er-Marke damit nur knapp verteidigen. Nur drei der 30 DAX-Werte schafften dabei den Sprung ins Plus. Schlechte Nachrichten von der US-Finanzkrise drückten seit Dienstagabend auf den Markt. Lediglich der überraschende Rückgang der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sorgte für eine kurze Zwischenerholung. Umgesetzt wurden in DAX-Titeln auf Xetra rund 157,7 (Vortag 156,3) Mio Aktien im Wert von rund 5,89 (Vortag: 5,58) Mrd EUR.
Für Druck sorgten die Aussagen des ehemaligen Fed-Gouverneurs, William Poole, dass die US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac "bankrott" seien. Beide Aktien brachen an Wall Street um bis zu 30% ein und rissen auch den Finanzsektor um bis zu 7% nach unten. Poole hatte gesagt, nach dem fairen Wert bei der Rechnungslegung sei Freddie Mac "insolvent", der faire Wert von Fannie Mae könne im kommenden Quartal sogar negativ sein. Poole war im März in den Ruhestand gegangen.
Bereits am Vorabend hatten Berichte, Merrill Lynch müsse weitere Abschreibungen von bis zu 6 Mrd USD vornehmen, für Druck gesorgt. Zudem kündigte das viertgrößte Bankinstitut der USA, Wachovia, einen überraschenden Verlust für das zweite Quartal von bis zu 2,8 Mrd USD an. Die Rede von US-Notenbankpräsident Ben Bernanke am Nachmittag konnte nicht für Erleichterung sorgen. "Bernanke hat auf dieselben Hilfsmaßnahmen der Fed wie am Dienstag hingewiesen", sagte ein Händler. Technisch hat der DAX laut Analysten ein Abwärtspotenzial bis zum Jahrestief bei 6.168 Punkten.
Vor allem Finanz- und konjunktursensitive Titel standen erneut auf der Verkaufsliste. So verloren Deutsche Bank 2,5% auf 54,30 EUR, Continental 3,5% auf 58,40 EUR und MAN 2,6% auf 68,84 EUR. Bei Continental war zudem eine Senkung des Kursziels durch Merrill Lynch auf 90 von 100 EUR erfolgt.
Commerzbank schafften mit 1,2% den Sprung ins Plus auf 19,43 EUR. Hier stützten Berichte des "Wall Street Journal Europe", die Commerzbank und die Dresdner Bank rückten enger zusammen, das Timing sei gut und eine Kombination aus beiden Häusern logisch.
Deutsche Postbank gerieten hingegen unter Druck und verloren 3% auf 49,47 EUR. Wahrscheinlich wird sich Lloyds TSB aus dem Kreis der Bieter wegen der zu hohen Preisvorstellungen zurückziehen. "Je weniger Bieter, desto geringer der Preis", kommentierte ein Händler. Immerhin seien die Markterwartungen nach 14 Mrd EUR Gesamtgebot von vor der Finanzkrise auf nunmehr 10 Mrd EUR zusammengeschrumpft. Auch Deutsche Post reduzierten sich um 1,8% auf 15,86 EUR.
Metro gaben um 3,4% auf 39,78 EUR nach. Hier belastete der Kurseinbruch des französischen Einzelhändlers Carrefour nach schwachen Zahlen. Dies lasse die Sorgen um das schwache Konsumklima wieder aufleben, hieß es.
FMC sprangen um 5,3% auf 37,15 EUR. Der US-Senat hat sich am Mittwochabend für eine Inflationsanpassung der Leistungen für Dialyse und eine Bündelung der Preise entschieden. Von Letzterer profitierten vor allem die großen Dialyse-Anbieter, da diese ihre Kosten stärker senken könnten. Lufthansa reagierten mit minus 2,2% auf 14,13 EUR auf die gescheiterten Tarifverhandlungen. "Immerhin könnte ein Streik in der Hauptreisezeit zu massiven Einnahmeausfällen führen", sagte ein Händler.
Im MDAX haussierten Norddeutsche Affinerie zwischenzeitlich bis zu 15% auf ein Jahreshoch von 38,69 EUR und schlossen schließlich um 7,7% höher bei 35,13 EUR. Beflügelt wurde der Wert von einem Bericht der "Welt", dass Salzgitter den 9%igen Anteil von A-Tec übernommen habe. "Damit werden natürlich Spekulationen auf eine Gesamtübernahme geweckt", sagte ein Händler. A-Tec bestätigte am Berichtstag, sämtliche Anteile an der Norddeutschen Affinerie verkauft zu haben. An wen der österreichische Konzern seine Anteile verkauft habe, wollte die Sprecherin von A-Tec nicht sagen.
EADS verloren nach der Neuausschreibung des Tankerauftrags für das US-Militär nur 0,6% auf 12,02 EUR. Dies habe sich bereits abgezeichnet, sagte ein Händler. Heidelberger Druck brachen um 8,8% ein auf 12,16 EUR. Die vorläufigen Zahlen des Unternehmens bewegten sich zwar im Rahmen der Erwartungen, der Ausblick auf die kommenden Quartale wurde negativ aufgenommen. Tognum fielen nach einer Abstufung durch die Deutsche Bank sogar um 10,6% auf 14,85 EUR. Auch im TecDAX setzten Nordex ihre Verluststrecke fort und verloren 9% auf 20,72 EUR nach einer Abstufung durch die WestLB.
DJG/mod/ros (END) Dow Jones NewswiresJuly 10, 2008 12:21 ET (16:21 GMT)
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